9 Songs

Music/Romance/Drama
Music/Romance/Drama

[Einleitung]
Sony Pictures Home Entertainment bringt uns einen Film von Regisseur Michael Winterbottom (Code 46) von 2004 mit Margo Stilley und Kieran O’Brien in den Hauptrollen als deutschsprachige Code 2-DVD auf den Markt. Der Titel lautet „9 Songs“, es handelt sich um eine Andrew Eaton-Produktion aus Großbritannien. Das Drehbuch fertigte ebenfalls Michael Winterbottom. Wir konnten uns die DVD des etwas kurios anmutenden Film-Spektakels genauer ansehen und berichten über einen Film über Liebe, Musik und körperliche, leidenschaftliche Liebe – und zwar mit echten Sex-Szenen.

[Inhalt]
Die amerikanische Studentin Lisa (Margo Stilley), die sich für ein Jahr in London aufhält, lernt Matt (Kieran O’Brien) bei einem Rockkonzert kennen. Die beiden verlieben sich – und sie erleben hocherotische und zärtliche Stunden voller Leidenschaft und Sex. In Michael Winterbottoms neuen, sehr expliziten Film folgt die Kamera schonungslos und ohne Zensur den beiden Protagonisten auf dem Weg ihrer intensiven und prickelnd-lustvollen Beziehung. Acht Bands und neun Songs begleiten diese außergewöhnliche Liebe mit elektrisierenden und kraftvollen Live-Perfomances von Black Rebel Motorcycle Club, The Von Bondies, Elbow, Primal Scream, The Dandy Warhols, Super Furry Animals, Franz Ferdinand und Michael Nyman.
(Quelle: Sony Pictures Home Entertainment)

[Kommentar]
Ein sonderbares Werkt, das nach der Ansicht einem filmerischen Experiment gleicht. Ein Experiment, das auch geglückt ist. „9 Songs“ fängt die Momente ein, die ein jeder binnen der ersten Tage, Wochen, Monate nach Beginn einer Liebesgeschichte durch- und erlebt. Und diesen gesamten emotionalen Kompott in einem bildstarken Film umzusetzen ist kein einfaches Unterfangen. Michael Winterbottom ging einen sehr eigenen Weg, er setzt in „9 Songs“ sogar richtigen Sex ein. Die beiden Hauptdarsteller leisten – und das beschränkt sich um Gottes Willen nicht auf die Kopulations-Akte – eine glaubhafte und plastische Darbietung. Es entsteht die entsprechende Chemie und die Wirkung ist sehr authentisch, wenngleich in einigen Szenen auch mit einer Spur Übertreibung behaftet.

Marcel Zyskind wurde auf dem internationalen Filmfestival von San Sebastian 2004 für die beste Kameraarbeit ausgezeichnet. Und zurecht, denn der Betrachter erhält den Schein der Privatsphäre der beiden Hauptfiguren und lässt insbesondere Voyeure voll auf ihre Kosten kommen. Aber darum geht es glaube ich nicht. Vielmehr geht’s um das Erlebnis eines Konzerts, einer dort gemachten Bekanntschaft und dem Schicksal, was daraus werden kann. „9 Songs“ zeigt uns das Zusammensein eines werdenden Liebespaares, deren sexuelle Erlebnisse und die gemeinsamen Stunden, die in der heutigen, schnelllebigen Zeit immer mehr dem hektischen Alltag weichen. Ein interessanter und irgendwie auch sonderbarer Film.

[Technik]
„9 Songs“ kommt anamorph daher, im Format 1.85:1 und füllt somit beispielsweise die Mattscheibe eines 16:9-TV Geräts komplett aus. Wir haben es hier mit Einblicke in die heimischen vier Wände zu tun, überwiegend werden somit Aufnahmen von Innenräumen geboten. Ab und an gibt es dann, entgegen der Erinnerungen an die gemeinsamen Stunden mit Lisa, auch noch Außenansichten in Form von Landschaftsaufnahmen aus der Antarktis zu sehen. Beide Arten von Bildern gefallen durch ihre Wiedergabequalität und befinden sich technisch betrachtet auf einem angenehmen Level. Die Kantenschärfe ist zuweilen etwas dürftig, der Kontrast authentisch und die Gesamtwirkung ausreichend harmonisch. Neben einem leichten Rauschen werden praktisch kaum andere Fehler oder Bildstörungen ausgemacht.

Der Sound der Disc ertönt im Format Dolby Digital 5.1 aus den Lautsprechern, wahlweise in deutscher oder englischer Sprachausgabe. Zusätzlich gönnte man der Disc auch noch eine deutschsprachige Stereo-Tonspur. Wir unterscheiden innerhalb von „9 Songs“ in zwei Kategorien: zum in die Aufnahmen zwischen den beiden Hauptfiguren in deren Privatsphäre, und zum anderen seien die Konzertmitschnitte genannt. Beide bieten in sich einen guten Ton, unterscheiden sich gegenüber natürlich sehr stark. Die intimeren Momente werden bestenfalls von kleineren Umgebungsgeräuschen ergänzt, während die Konzert-Aufnahmen durch satte Live-Performances mitreißen und begeistern. Qualitativ befindet sich „9 Songs“ auf einem guten Pfad. Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch.

[Fazit]
„9 Songs“ ist – ganz klarer Fall – kein gewöhnlicher Film, wie man ihm alltäglich im Kino zu Gesicht bekommen würde. Vielmehr handelt es sich bei dem rund 69minutenlangen Stück um ein filmerisches Experiment. Michael Winterbottom verknüpfte zwei wesentliche Dinge mit und in seinem Werk, was „9 Songs“ auch aufgrund der darstellerischen Leistungen sehr sehenswert macht. Die sehr intimen Aufnahmen erforderten eine FSK Freigabe ab 16 Jahren. Zum Einsatz kam hier eine einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9), welche ihren Erscheinungstermin am 03. November feiern wird. Ergänzt wird der Inhalt von einem Bonusmaterial, bestehend aus 2 Trailern, einem Interview mit Michael Winterbottom (6 Min.), einem mit Margo Stilley (14 Min.), einem mit Kieran O’Brien (8 Min.) und einer Fotogalerie. Wer einen gelungenen, experimentellen Liebesfilm sehen möchte, zugreifen.

Andre Schnack, 12.10.2005

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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