A Very British Gangster

Dokumentation
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[Einleitung]
Als Download Titel für 3,99 Euro erwarb ich vor kurzem das iTunes Produkt „A Very British Gangster“ von 2007. Die Dokumentation beschäftigt sich mit dem wahren organisierten Verbrechen im britischen Manchester und berichtet über Dominic Noonan, einem waschechten Gangster. Regisseur und Journalist Donald MacIntyre vollführte die Arbeiten an diesem Dokumentarfilm und zeigt uns in den führenden Rollen keinesfalls irgendwelche Mimen oder Darsteller, sondern jene Protagonisten des rabiaten Alltags auf der Straße und in den Pubs von Manchester. Diese Download-Version erscheint von iTunes, eine Standard Definition DVD-Fassung erschien zuvor von der KSM GmbH ebenfalls.

[Inhalt]
So eine Dokumentation gab es bisher noch nie! Zum ersten Mal gewährt eine Verbrecherorganisation einem Kamerateam Einblick in ihren Alltag – und zeigt uns die brutale Welt der Unterklasse, in der das Wort der Polizei nichts zählt, und in der Gangster sich ihre eigenen Gesetze geschaffen haben. Das Team begleitet drei Jahre lang Dominic Noonan, den schillernden Boss der Organisation, bei seinen schmutzigen Taten, zeigt aber auch die Strukturen und den familiären Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Der preisgekrönte Journalist Donal MacIntyre schuf mit „A Very British Gangster“ einen gut recherchierten, aber auch sehr kontroversen Film.
(Quelle: iTunes)

[Kommentar]
Wer sich hier denkt, dass es nicht spannend sein kann, der irrt aber gewaltig. Nichts ist spannender als das wahre Leben. Und hier passt dieser Spruch nun wirklich sehr gut. Immerhin geht es in „A Very British Gangster“ um echte Verbrecher aus dem echten Leben. Doch ist das nun empfehlenswert anzusehen? Ja, unbedingt. Und zwar alleine ob des Einblickes in ein Milieu, welches vielen unbekannt ist und bleibt. „A Very British Gangster“ lebt von Dominic Noonan, einem sehr gefährlichen Mann, der sich vor der Kamera in Szene zu setzen versteht. Er erzählt Geschichten aus seinem Leben, spannender und interessanter könnte es nicht sein.

Die Folgen seiner Worte: Verstörtheit, Faszination und hin und wieder sogar das Gefühl gut gemachter Unterhaltung auf der Zuschauerseite. Unterhaltung hingegen keimt vor allem dadurch auf, wie die Dokumentation gemacht wurde und welche Bilder sie zeigt. Auch die vermittelten Inhalte, wie zum Beispiel ein grobes Regelwerk und der allgemeine Habitus, den es gewissermaßen zu befolgen gilt, sorgen für einen gebannten Blick auf das Wiedergabegerät. Hier geht es nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch ums Jetzt. Denn der Betrachter bekommt praktisch live eine der zahlreichen Verhaftungen Dominic Noonan’s mit.

Damit nicht genug. Ob Noonan nun im Gefängnis sitzt oder aber daheim mit seinem Clan die Zeit verbringt und die Probleme der Nachbarschaft als eine Art Sozialarbeiter managt, er versteht es sich derart in Szene zu setzen, als das vor dem Wiedergabegerät sogar etwas wie Sympathie entsteht. Diese wird dann wiederum von dem Gedanken zunichte gemacht, dass Dominic Noonan mit Sicherheit nicht nur Dinge getan hat, die er vor laufender Kamera aktiv erzählt oder aber auf Nachfrage bestätigt. Da sind noch viel mehr Dinge, die wir nicht mitbekommen, da sie Noonan ansonsten in schlechte Situationen bringen könnten.

Mittlerweile soll es einen zweiten Teil zum Film geben. Zwischenzeitlich saß Dominic Noonan wieder über drei Jahre in Haft. Im August 2011 fanden in großen englischen Städten Aufstände in den ärmeren Vierteln statt. Plünderer und gewalttätige Bandenmitglieder legten Fahrzeuge, Geschäfte in Schutt und Asche. Auch Menschen kamen zu schaden, es gab sogar Todesopfer. Auch Dominic Noonan wurde während der Aufstände in Manchester wieder gesichtet…

[Technik]
Dokumentarfilme gehören nicht zu den Referenzprojekten, außer es ist ein Film über Wiedergabetechnologie im Heimkino… doch das ist hier nicht der Fall. Hier haben wir es mit vielen Aufnahmen zu tun, die unter Bedingungen entstanden, die eines Films aus der herkömmlichen Sicht gar nicht technisch würdig sind. Schlechte Ausleuchtungen, reale Situationen (also keine Sets) und ungeschminkte Menschen. Das gehört zum Standardrepertoire dieses Titels. Und dafür sind die technischen Leistungen des anamorphen Breitbilds im Format 1.78:1 durchaus in Ordnung. Hin und wieder gibt es Schwarz-Weiß Aufnahmen vor die Augen, das Gros der Bilder hingegen ist in Farbe abgefasst. Kontrast und Schärfe gehen noch grad so in Ordnung.

Tontechnisch bekommen wir es mit einem Stereo-Format zu tun, welches sich in Form einer nachträglichen Synchronfassung oberhalb des englischen Originaltons befindet. Dieses Overlay kommt sich zu keinem Zeitpunkt mit den originalen Kommentaren in die Quere, was das Sehvergnügen merklich positiv beeinflusst. Verständlichkeit ist durchweg gegeben, auch sind ein paar Umgebungsgeräusche zu vernehmen. Von einer spürbaren Räumlichkeit kann hingegen zu keinem Zeitpunkt gesprochen werden. Untertitel gibt es nicht.

[Fazit]
Ich schaue mir selbst tief in die Augen (natürlich im Spiegel) und überlege, ob dieser Film nun gut ist oder nicht. Erneut komme ich zu dem gleichen Ergebnis: ja, der Film ist gut. Auf verschiedenen Ebenen sogar. Filmtechnisch ist dieses Stück meines Erachtens eine Art Muster-Beispiel für Reality-Dokumentationen: nah dran und doch ohne großartig Partei zu ergreifen. Klar, hier und dort kann über den provokativ kontroversen Inhalt gestritten werden. Und klar muss auch sein, dass das hier alles keine netten Menschen sind. Auf der Laufzeit von rund 98 Minuten fasziniert „A Very British Gangster“ derart, als das ich ihn als sehenswert und empfehlenswert einstufe.

„A Very British Gangster“ kommt mit der Altersfreigabe von ab 16 Jahren auf den Markt. Die Standard Definition DVD Version erschien bereits am 6. August 2009 im Handel, sie heutzutage keine 7,- Euro mehr im Handel. Die meinerseits getestete iTunes-Download Fassung erschien etwas später und schlägt aktuell mit rund 4,- Euro zu Buche. Inhaltlich sind die Versionen identisch. Eine Bonusausstattung gibt es hier leider nicht vorzufinden. Die gute Gesamtwertung speist sich hier durch den Inhalt und vor allem den günstigen Preis für den Film.

Andre Schnack, 09.04.2014

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★☆☆☆ 
Ton:★★☆☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆ 

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