Am Ende ein Fest

Comedy/Drama/Romance
Comedy/Drama/Romance

[Einleitung]
Ich konnte mir „Am Ende ein Fest“ in Form der Download Version aus dem iTunes Store ansehen. Die Beteiligten vor der Kamera sind Ze’ev Revach, Levana Finkelstein, Aliza Rosen, Ilan Dar, Raffi Tavor und weitere. Die Regie führten die beiden Drehbuchautoren Tal Granit und Sharon Maymon. Er entstand als deutsch-israelische Koproduktion 2014 und befasst sich mit einem sehr schwierigen Thema: Sterbehilfe. Im Zuge pädagogischer Maßnahmen sah ich diesen Film mit meiner Tochter.

[Inhalt]
Eine Gruppe von Senioren hat sich im Altersheim um den 72-jährigen Yehezkel, einen Tüftler und Erfinder, zusammengeschlossen: Sie wollen Max, einem schwerkranken Freund, helfen das Sterben zu erleichtern. Zusammen mit einem pensionierten Tierarzt, der die Beruhigungsmittel besorgt, und einem ehemaligen Polizisten, der die Beweise verwischen soll, suchen sie nach dem besten Weg, um Max‘ Wunsch zu erfüllen.

Da sich jedoch keiner tatsächlich dazu überwinden kann, Max zu töten, baut Yehezkel eine Maschine, mit der der Sterbende sich selbst tötet. Bald schon ist diese Maschine in aller Munde und Menschen aus ganz Jerusalem strömen zu dem Altersheim, um ihre Liebsten von ihren Leiden zu befreien. Anfangs noch zögernd, geben Yehezkel, seine Frau Levana und Dr. Daniel bald dem Andrang der Sterbewilligen nach und die eingeschworene Truppe macht sich auf, um letzte Wünsche zu erfüllen.

Währenddessen verschlechtert sich der Zustand von Levana, Yehezkels Frau, die an Alzheimer leidet, und bald muss Yehezkel selbst eine Entscheidung treffen…
(Quelle: Indigo / amazon)

[Kommentar]
Es geht hier zum einen um die Darstellung dessen, was dem Gegenteil von dem entspricht, was sich jeder für sein eigenes Lebensende wünscht. Und zum anderen, was dies genau mit den Leuten im unmittelbaren Umfeld anstellt. Sie sind mit der Situation überfordert und suchen nach Lösungen dafür. Inmitten eines normalen Konfliktes aus Mensch und Alter, überschattet vom Damoklesschwert eine illegale Tat, eine Straftat zu begehen.

„Entschuldigen Sie, dürfte ich noch einmal kurz mit Gott sprechen? – Er ist grad auf Toilette.“ Das Alter stellt sich hier mit all seinen Auswirkungen in unterschiedlichen Formen dar, stets mit einem zarten Lächeln begleitet, denn sonst wäre es alles unerträglich. Hier ist keine langsame Eskalation, sondern es geht von Beginn an krass los. Da sind Menschen, die nicht mehr leben wollen und das System und die Politik, die das sehr differenziert betrachtet.

Die darstellerischen Leistungen sind wirklich gut. Alle Beteiligten machen eine gute Figur in ihren teilweise schwierigen Rollen. Und doch ist da immer wieder Hoffnung, die zumindest hin und wieder durch den tiefgründigen und augenscheinlich ganz gewöhnlich anmutenden Humor durchscheint. Das sind die Seiten des Films, die ihn sehr einzigartig machen. Effekte, spektakulärer Szenerien, all das gibt es hier nicht. Dafür jedoch intelligente Dialoge, die sich mit schwierigsten Themen und Ethik befassen.

[Technik]
Die mir vorliegende Film hat inhaltlich viel Gewicht und auch Aussage und bietet Stoff für Diskussionen. Die technischen Aspekte hingegen sind eher unauffällig, durchschnittlich, solide und doch so, dass sie überzeugen ohne dabei weder negativ, noch positiv aufzufallen. Die Präsentation erfolgt auf Basis eines 16:9-Transfers, in 1080p (1.78:1). Alle Werte sind in Ordnung, die Farben sind irgendwie alltäglich und alles wirkt ausreichend natürlich und klar, sauber und fehlerfrei. Auch bin ich mit dem Gesamteindruck und der Kompression absolut einverstanden.

Wir finden deutschen und hebräischen Ton im Dolby Digital 5.1-Format vor. Die Akustik ist dialoglastig ohne lästig. Wir erleben einen feinen Ton, was das Zusammenspiel von musikalischer, melodischer Unterhaltung (keinesfalls zu tragisch oder übertrieben) und feinfühlig gesetzten Umgebungsgeräuschen, die keinesfalls allzu sehr auf sich aufmerksam machen. Die ist ein Film der leisten Töne, in absolut jeder Hinsicht. Der Witz und Intellekt des Plots zeigt sich in der wunderbaren Melodie, die minimalistisch das Geschehen deutlich unterstreicht. Technisch sauber und fehlerfrei zudem.

[Fazit]
Am Ende ist es eben in jeder Hinsicht der Faktor Mensch, der hier wieder für das Tohuwabohu in einem jeden (eigenen) Leben verantwortlich ist. Verantwortung und Ethik spielen auf der Laufzeit von rund 92 Minuten eine große Rolle. Dabei geht es gar nicht so sehr um eine einzelne Figur, sondern um einige. Und nicht „nur“ um Sterbehilfe, sondern das gemeine und soziale Zusammenspiel von Menschen. Menschen, die nicht mehr sein wollen und nach Abschied sinnen.

Der iTunes Download-Titel bietet keine Extras oder sonstige Beigaben. Erhältlich ist „Am Ende ein Fest“ bereits seit einiger Zeit ab einer Altersfreigabe von ab 12 Jahren online und in anderen technischen Produktformen. Ein irgendwie schwieriger Titel, gut gemacht, zum Nachdenken anregend und mit einem zeitlosen Thema ausgestattet.

Andre Schnack, 11.07.2017

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆