Cass – Legend of a Hooligan

Biography/Crime/Drama
Biography/Crime/Drama

[Einleitung]
Hooligans, für mich ein Phänomen, dass ich bislang nicht in der Lage war zu verstehen. Unerschlossen bleibt mir der Hintergrund und die Intention rivalisierender Banden, die dafür bekannt sind Fussballspiele als Anlass für Schlägereien zu nehmen. „CASS – Legend of a Hooligan“ beschäftigt sich mit einer Größe dieses Milieus und basiert auf einer wahren Geschichte. Diese setzte Jon S. Baird 2008 filmerisch um und arbeitete dabei zusammen mit Mike Ridley und Cass Pennant am Drehbuch. Um die letztgenannte Person dreht sich dieser Streifen maßgeblich, wir konnten uns den Titel mit Nonso Anozie, Natalie Press, Leo Gregory und Gavin Brocker in den führenden Rollen genauer anschauen. Diese DVD erscheint von NewKSM im Vertrieb von KSM.

[Inhalt]
Cass, ein jamaikanisches Waisenkind, wächst im London der 50er Jahre auf, in einer Zeit lange vor political correctness. Jeden Tag wird er wegen seiner Herkunft und Hautfarbe von seinen Mitschülern und Lehrern verprügelt und diskriminiert. Eines Tages – er ist bereits ein junger Mann – explodiert Cass und beschließt, nie wieder das Opfer zu sein. Mit Gewalt und Hass verschafft er sich den Respekt, der ihm so lange verwehrt blieb, im Kampf fühlt er sich gut, das macht ihn stark und mächtig. Als Fan von West Ham United steigt er schnell zum Anführer einer Hooligan-Bande auf – ein großer, starker, schwarzer Mann als Führer einer weißen Gang! Damit wird er auch zum bevorzugten Ziel der Polizei, bis eines Tages die Gewalt eskaliert…
(Quelle: NewKSM)

[Kommentar]
NewKSM schreibt über ihre Auskopplung: „Knallharter britischer Hooligan-Film, der unbequeme Fragen stellt, unter die Haut geht und beim Zuschauer noch lange Nachwirkungen haben wird.“ – das trifft nur nicht auf alle genannten Aussagen zu. So ist insbesondere der Punkt des Fragens jener, der unzureichend ausgearbeitet wirkt. Natürlich liegt hier auch eine große Schwierigkeit des Films. Denn der Betrachter soll sich schließlich mit einigen Figuren identifizieren, bzw. anfreunden, gleichermaßen ist es so, dass genau diese Figuren „schwere und schlimme Jungs“ sind. Diese Situation ist also nicht simpel aufzulösen. „Cass“ versucht dies auch nicht, als ob man in der Riege der Filmemacher bewusst diesen Konflikt aus dem Weg ging.

Nach der Ansicht stellen wir fest, dass dieser Film durchaus zeigt, was andere Titel vermieden haben. Ob dies nun die Anteile an Gewalt und Brutalität sind oder aber ein paar (leider zu rare) Einblicke in die Denke solcher Menschen, diese Szenen und Situationen zeichnen „Cass“ positiv aus. Auch die Machart der Inszenierung ist gelungen und hinterlässt einen ausreichend authentischen Eindruck, der Realismus aufkeimen lässt und glaubhafte Momente schürt und unterstützt.

[Technik]
Der Bildtransfer erfolgt mittels eines anamorphen Breitbildformats mit dem Seitenverhältnis 1.78:1. Gut gelungen sind nicht nur die zeitgemäßen Sets und Kostüme, sondern auch der etwas fahlere Stil und die teils zart verwaschenen Farben. Das mündet ebenfalls in einer authentischen Ausstrahlung, die insbesondere Kennern des Genres zusagen wird. Auf weniger Gegenliebe stößt der nur unzureichende Schärfegrad und ein leichter Schleier aus zartem Grau. Davon ab regiert der Standard und es sind keinerlei positive oder besonders negative Aspekte weiter erwähnenswert. Das Defizit an Schärfe kann leider letztlich von keiner positive Eigenschaft kompensiert werden. Die Kompression geht in Ordnung, ist aber abgeschlagen im Mittelfeld.

Ton ist im Mehrkanaltonformat Dolby Digital 5.1 vorhanden, wahlweise in den Sprachfassungen Englisch und Deutsch. Dazu sind wahlweise deutsche Untertitel hinzu zu schalten. Qualitativ befindet sich das Angebot auf Mittelfeldniveau. Es rauscht nicht, knackt nicht oder gibt sonst irgendwelche Störungen. Allerdings tönt es auch nur etwas einfallslos aus den angeschlossenen Lautsprechern. So richtig räumliche Stimmung will da nicht aufkommen, so bleibt es bei einer eher durchschnittlichen Räumlichkeit und einigen sinnvollen Hintergrundgeräuschen sowie der klaren Sprachausgabe.

[Fazit]
Was halten wir also abschließend von „Cass“? Es gibt einige Mitbewerber um den Titel des besten Hooligan-Films, von „The Football Factory“ bis zu „Romper Stomper“ über „This is England“. NewKSM veröffentlicht einen durchaus interessanten Titel hier auf einer Standard Definition DVD mit einer Laufzeit von rund 102 Minuten. Dem Set im Amaray Case liegt ebenfalls noch eine weitere DVD mit dem Bonusmaterial zum Film bei, diese enthält folgende Features:

– Audiokommentar (englisch, deutsch untertitelt)
– Keep off the Grass (deutsch, 28 Min.)
– Behind the Scenes (englisch, deutsch untertitelt, 29 Min.)
– Cass Pennant: In his own words (englisch, deutsch untertitelt, 24 Min.)
– Kurzfilm „It’s a casual life“ (englisch, deutsch untertitelt, 12 Min.)
– Production Story
– Bildergalerie
– Trailer (10+)

Zu erreichen sind die Materialien über ein einfach gehaltenes Menü, das sich ebenso einfach bedienen lässt. „Cass“ kann somit in Sachen Ausstattung durchaus überzeugen und durch die Materialien einen guten Einblick in diese etwas merkwürdige Subkultur bieten. Eine Laufzeit von rund 1,5 Stunden füllen die Extras. Sämtliche Inhalte sind FSK ab 18 Jahren, also ohne Jugendfreigabe. Zusätzlich gibt es noch ein Wende-Cover. Der Erscheinungstermin liegt mit dem 3. Mai bereits ein wenig zurück.

Andre Schnack, 17.08.2010

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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