Das Wiegenlied vom Totschlag

Western
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[Einleitung]
Aus der Sparte Western kommt von BestBuyMovie dieses Werk von Regisseur Ralph Nelson aus dem Jahr 1970, „Das Wiegenlied vom Totschlag“ (engl. Originaltitel „Soldier Blue“). In den Hauptrollen sind Candice Bergen (Gandhi), Peter Strauss (Keys To Tulsa) und Donald Pleasence (Fatal Frames) zu sehen. Wir sahen uns die Code2-DVD des Western-Spektakels genauer an.

[Inhalt]
1864 im noch jungen Amerika wehren sich Tag für Tag die eingeborenen Indianer gegen ihre Weißen Unterdrücker. Bei vielen Soldaten ist der Gedanke sehr tief im Kopf verankert, dass die sonst so friedlichen Indianer blutrünstige, unmenschliche Kreaturen sein, die es zu vertreiben gilt. So empfinden die blaugekleideten Verteidiger „ihres Landes“ keine Reue und keine Gnade gegenüber den Rothäuten. Auch Honus Gent (Peter Strauss) denkt ähnlich und läuft im Gleichschritt gegen die Indianer. Eines Tages wird sein Zug überfallen, 22 Mann werden von den Eingeborenen dahingeschlachtet. Zusammen mit einer Reisenden namens Kathy Maribel Lee (Candice Bergen), genannt Cresta, gelingt ihm die Flucht. Nun schlagen sich die ungleichen Beiden durch die sengende Hitze und kommen sich dabei etwas näher. Scheinbar lebte Cresta lange Zeit bei einem Indianerstamm, sie versucht Honus von einer etwas anderen Denkweise zu überzeugen, was ihr aber nicht gelingt. Schließlich gelingt es Cresta und Honus einen anderen Zug Soldaten zu erreichen. Diese bereiten sich auf den bevorstehenden Angriff auf ein Indianerdorf vor. Cresta will die Indianer warnen, denn der befehlshabende Colonel Iverson (John Anderson) will ein Massaker veranstalten…

[Kommentar]
Ein bemerkenswerter Film wenn darum geht, die Western-Realität einmal anders, etwas kritischer darzustellen. Nicht nach dem meist vermittelten Schablonenbild „Indianer sind böse und die Weißen die Guten“ – ganz im Gegenteil. Dieser Film nimmt kein Blatt vor den Mund und stellt das damalige Handeln der blauen Truppen Amerikas etwas realistischer, gleichzeitig damit auch brutaler und unschöner da. Er zeigt es aus der Perspektive, dass die Indianer nun mal die rechtmäßigen Bewohner des Landes sind, nicht die eingewanderten Weißen. Der Film wurde aufwendig inszeniert, es gibt sehr schöne Landschaftsaufnahmen, eine gute Geschichte und ein spannender Verlauf. Es gelingt dem Western den Betrachter vor den Fernseher zu binden, für einen Film dieses Genres bietet er zudem viel Tiefgang. Einige Szenen sind sogar sehr witzig und unterhaltsam, denn die Beziehung der beiden Hauptakteure beschwört einige komische Aufnahmen. Dieser Stil ändert sich spätestens in der zweiten Hälfte gen Ende des Films, denn der historisch korrekte Teil der Erzählung ist alles andere, aber nicht zum Lachen. Ein bewegender Film der Einblick in ein nicht ganz so glanzvolles Amerika gibt. Sollte man gesehen haben.

[Technik]
Die Technik dieser DVD ist leider nicht ganz so bemerkenswert wie der beinhaltete Film an für sich. Dennoch wird in Anbetracht des Alters des Films eine überdurchschnittliche Leistung geboten; in Sachen Bild leistet die Disc sogar recht gute Dienste. Letzteres wurde im Breitbildformat von 1.85:1 auf die DVD gebannt, nur leider nicht anamorph erweitert. So leidet selbstverständlich etwas die Genauigkeit und die Schärfe, sprich es befinden sich weniger sichtbare Details im Geschehen. Ansonsten gibt es keinen Anlass zur Klage: Kontrast, Farbumfang und die Natürlichkeit der Farbtöne überzeugen und das Dargestellte hinterlässt einen zufriedenstellenden Eindruck. Kompressionsartefakte oder Störungen die vom Mastering der DVD herrühren bleiben aus, lediglich eine gewissen Unruhe und einige Verschmutzungen sind dem Bild anzukreiden.

Soundtechnisch wird nichts spektakuläres geboten, die Ohren des Betrachters werden durch einen Dolby Digital 2.0 Ton beglückt. Dieser erreicht eine ausreichend bis gute Leistung und überzeugt mit etwas räumlicher Tiefe und einigen netten Nutzungen des hinteren Kanals, genau wie den klaren, fehlerfreien und stets verständlichen Sprachausgaben. Uns viel nur ein leichtes Hallen ab und an auf, diese kann aber leicht überhört werden und tut dem Spaß am Ton keinen Abbruch. Weitere Sprachfassungen oder Untertitel sind auf dieser DVD nicht vorhanden.

[Fazit]
„Das Wiegenlied vom Totschlag“ hat mich inhaltlich wirklich sehr angenehm überrascht. Erwartete ich doch einen weiteren „Standard“-Western, so wurde mir hier durch den etwas anderen Verlauf und die Kritik im Film gegenteiliges gezeigt. Positiv überrascht kann dieser Film auch jeden Nicht-Western-Fan bedenkenlos ans Herz gelegt werden. Neben der 109 minutenlangen Erzählung einer wahren Begebenheit (vom 29. November 1864) befinden sich als Zusatzmaterial auch noch ein paar informative Texttafeln auf der einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Diese geben allerdings lediglich Informationen über die Hauptdarsteller frei. Als weiteres Gimmick befinden sich 10 Trailer weiterer Erscheinungen aus dem E-M-S- und BestBuyMovie-Programm auf der Disc. Für einen fairen Preis von rund 40,- DM kann man da nichts sagen. Ein sehr guter Film auf einer technisch überdurchschnittlichen DVD.

Andre Schnack, 30.03.2000

  Film/Inhalt
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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