Der Aufstieg des Geldes – Die Währung der Geschichte

Dokumentation
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[Einleitung]
An reine Zufälle will ich oftmals nicht glauben. Jetzt, inmitten einer drohenden und globalen Finanzkrise der weltweiten Märkte, möchten uns auch das TV-Programm sowie einige Studios etwas unterstützen und Nachhilfe im kleinen Finanz-Einmaleins bieten. Wie konnte es soweit kommen? Oder noch besser, wie funktioniert überhaupt der globale Finanzmarkt? Das ist dann und in diesem Format auch kein Thema mehr, welches ein Peter Zwegat in einer 40minutenlangen Sendung mithilfe eines Flip-Charts bearbeiten kann. Nein, hier müssen größere Kaliber her, Filme wie „Kapitalismus“ oder auch „Let’s Make Money“ sollen die Menschen wachrütteln und appellieren an die eigene Meinung, um sich einer etwaigen Ohnmacht zu entziehen.

In diesem Review widmen wir uns einer dreiteiligen Dokumentation mit dem Titel „Der Aufstieg des Geldes“. Es handelt sich dabei um eine Sachsendung, die aus dem Angebot von polyband erscheint und als Bestandteil des BBC Programms 2009 den Emmy Award für die beste Dokumentation erhielt. Die Sendung entstand nach dem gleichnamigen Bestseller von Niall Ferguson. Wir nahmen uns gespannt dieser Veröffentlichung an und berichten aus erster Hand. Besser, könnte das Timing für eine solche Sendung kaum sein.

[Inhalt]
Die vierteilige Reihe ist eine fesselnde Dokumentation über die Entstehung und Entwicklung des internationalen Finanzwesens. Niall Ferguson geht der anhaltenden Finanzkrise auf den Grund: angefangen bei der US-Immobilienkrise, der Globalisierung und den gegenseitigen Abhängigkeiten der Wirtschaftssysteme bis hin zu verschiedenen Anlageformen an den Börsen und dem Rückbau des Sozialstaates. Bei all diesen Problemen liefert die Geschichte der Finanzmärkte einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis – und vielleicht zum Weg aus der Krise? Ferguson reist an die wichtigsten Schauplätze und beleuchtet historische sowie aktuelle Ereignisse der Weltwirtschaft: Denn nur wenn man die Geschichte des Finanzmarktes kennt, kann man die aktuelle Krise vollständig verstehen.
(Quelle: polyband)

[Kommentar]
Ich kann solche Sendungen sehr gut sehen. Ob es sich dabei inhaltlich um die spanische Immobilienblase oder aber die Kreditkrise der USA dreht. Oder aber um den „beinahe-Bankrott“ einer ruinierten Supermacht (fortan ohne Weltpolizeistatus), oder aber um Finanzsysteme in der Bankenwelt, welche unser tägliches Handeln gewissermaßen mitbestimmen, jedoch keinesfalls sinnvoll sein müssen. Und dennoch befolgen wir sie. All solche Dinge sind es, die auch in dieser Dokumentation über die Logik des Finanzmarktes (und vieles mehr) aufgezeigt und ad absurdum geführt werden. Stets mit einem Lächeln auf dem Mund und spitzer Zunge entführt die Sendung in eine pervertierte Welt, die unser Leben bestimmt. Wahnsinn, denn wenn man versucht die Flughöhe zu erhöhen…

… dann kann aus der erhöhten Perspektive eine Erkenntnis gewonnen werden: viele Dinge hängen unmittelbar, andere mittelbar zusammen und folgen teils wirren Abläufen und verlieren dabei teils sogar ihren ursprünglichen Sinn. Es gelang den Machern die Dokumentation sehr aussagekräftig zu gestalten, trotz der oftmals recht schwierigen Erklärungen stresst der Umfang nicht das Publikum. Technisch gelang die Reihe ebenfalls gut, die gewählten Sets und Bilder sind thematisch passend und es gelingt der Dokumentation einen eigenen Charme aufzubauen. Kombiniert mit kurzweiligen Stillen und einem tollen Music-Score besticht „Der Aufstieg des Geldes“ seine Zuschauer souverän.

[Technik]
Beim eingesetzten Bild-Transfer handelt es sich um ein 1.78:1-Format. Alle 16:9-Aufnahmen sind entsprechend anamorph abgefasst und frönen ein entsprechend breites Dasein. Auch für die heutigen Dokumentationen gibt es noch keine 16:9-Garantie, daher erwähnen wir dies hiermit. „Der Aufstieg des Geldes“ passt sich gut in die aktuellen Erscheinungen fürs Heimkino ein und gefällt von erster bis zur letzten Minute. Insbesondere für die Interview-Aufnahmen gilt ein sehr hoher Qualitätsstandard. Für einen gelungenen Kontrast, eine saubere Farbgebung und eine hohe Kantenschärfe ist gesorgt. Kompressionsartefakte sind nicht auszumachen. Alles ins allem ein ordentlicher Transfer.

Besonders viel Aufmerksamkeit müssen wir uns nicht nehmen. Auch nicht sonderlich viel Zeit. Umfang wurde bei der Ausgestaltung der akustischen Seiten der Erscheinung nicht sonderlich groß geschrieben. So finden wir lediglich einen deutschsprachigen Ton vor. Abgefasst ist dieser im Dolby Digital 2.0-Format, weitere Tonspuren gibt es nicht auf dem Datenträger vorzufinden. Oftmals dringen die englischen Originalstimmen aus dem Untergrund – leiser als der deutsche Overlay – empor, was überhaupt nicht weiter stört. Untertitel sind der DVD-Veröffentlichung leider nicht gegönnt.

[Fazit]
„Der Aufstieg des Geldes“ kommt mit einer Gesamtspielzeit von rund 180 Minuten daher. Vier Episoden zu jeweils rund 45 Minuten ergeben den Umfang der Dokumentation, der hier aus dem Angebot von polyband unter dem BBC Label erscheint. Im Anblick der stark wachsenden High Definition-Veröffentlichungen bleibt eine Standard-Technik-Erscheinung hier und dort hinter den Erwartungen zurück. Allerdings ist dies hier gar nicht großartig der Fall. Denn die Bilder ähneln im großen und ganzen denen, die wir täglich im Abendprogramm der TV-Sender vor die Augen bekommen. Erscheinungstermin der einseitigen und zweischichtigen DVD (Typ 9) war der 29. Juli, es handelt sich um ein Info-Programm. Wer etwas Allgemeinwissen auffrischen oder ausbauen möchte, hier zugreifen.

Andre Schnack, 23.08.2011

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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