Der Blaumilchkanal (E. Kishon Jubiläums-DVD-Edition)

Satire/Comedy
Satire/Comedy

[Einleitung]
Jedem mit einem guten Allgemeinwissen sagt der Name Ephraim Kishon mit Sicherheit etwas, erinnert an gute Bücher und einen gewissen Geist, der Seele des feinsinnigen Humors einer Satire. Anlässlich des 80ten Geburtstages des beliebten Satirikers erscheint eine 5er DVD-Box mit seinen fünf größten Filmen. Im Zuge der Erscheinung der Ephraim Kishon Jubiläums-DVD-Edition erhielt die dvdcheck.de Redaktion eine Promotion DVD mit dem Werk „Der Blaumilchkanal“ (Originaltitel: Te’alat Blaumilch) von 1970 zugesandt. In den Hauptrollen sind Bomba Tzur, Nissim Azikri, Shraga Friedman, Gideon Singer, Mosko Alkalai, Albert Cohen und Oded Teomi zu sehen. Wir berichten über die Qualitäten der Disc.

[Inhalt]
Dem geistig verwirrten, aber harmlosen Blaumilch (Bomba Tzur) gelingt der Ausbruch aus der Anstalt, er entwendet einen Presslufthammer und beginnt in den frühen Morgenstunden die wichtigste Straßenkreuzung Tel Avivs aufzureißen. Niemand ahnt oder weiß, wer für das Verkehrschaos zuständig ist – die Polizei? Die Stadtverwaltung? Die Landesbaubehörde? Die Kompetenzstreitigkeiten erlauben es Blaumilch, sein Werk ungestört fortzusetzen, zu dem er nie einen offiziellen Auftrag erhielt. Die Behörden treten die Flucht nach vorne an, geben das in den Graben einströmende Wasser als Touristen-Attraktion aus: Tel Aviv als ‘Venedig des Nahen Ostens‘. Die Offiziellen der Stadt feiern noch das Werk als ihren Verdienst, da beginnt Blaumilch bereits an der nächsten Kreuzung von neuem mit seiner Arbeit…
(Quelle: SPVision, SPV)

[Kommentar]
Hier wird ein ganz anderes Kino geboten, als jenes, das wir aus der Film-Küche Hollywoods bereits so kennen, schätzen und lieben. Aber das dies eher eine Frage der Gewohnheit und nicht der Qualitativ ist, beweisen immer wieder Titel aus eher unbekannten Gebieten. An dieser Stelle will der sehr passend formulierte Verpackungstext zitiert werden: „Der vor allem so erfolgreiche Schriftsteller Kishon, mit über 40 Millionen verkaufter Büchern weltweit, mit zahlreichen Preisen überhäuft, konnte auch mit seinen Filmen fast alle Preise gewinnen die zu vergeben sind. Dazu zählen 3 Golden Globes, 2 Golden Gate Awards, 2 Oscar Nominierungen und der Gewinn der Goldenen Kamera.“

In „Der Blaumilchkanal“ geht es um die Verwirrung und Panik, die ein einzelner Mann anrichten kann, in dem er ganz einfach etwas tut, dass das System – hier bestehend aus Staat, Stadtverwaltung und jedem einzelnen Beamten und Offiziellen – nicht vorgesehen hat. Einen Moment der fehlenden Aufmerksamkeit, und schon droht der Kollaps. Es beginnt ein Kreislauf, ein Apparat zu arbeiten, der jedoch plötzlich wider den Erwartungen nicht an der Basis ansetzt und die Ursache bekämpft, sondern sich fleißig müht, rasche Ergebnisse zu zeigen, Herr der Lage zu werden und sich so auf die Symptome stürzt. Das Ergebnis schlägt sich im nahezu perfekten Chaos und einer Katastrophe nieder, in denen Unschuldige die Schuld erhalten, ignorante Unbeteiligte hoch gelobt und die Ursache niemals beseitigt wird. Facettenreiche und intelligenten, humorvolle Satire.

Ephraim Kishon führte Regie und schrieb auch das Skript zum ursprünglichen Bühnenspiel. Er leistete eine ganz wunderbare Arbeit. Subtil vorgehend, wenig stressig und überladen an unpassenden Einstellungen wurde mit einfachen Mitteln eine wirkungsvolle und unterhaltsame Inszenierung getroffen, die viele hinkende Vergleiche zu Hollywood-Pendants egalisiert. Die darstellerischen Leistungen sind sehr wichtig. Durch einprägsame Gestiken der beteiligten Mimen und immer wieder auftauchenden, abwechselnden Nahaufnahmen der Gesichter werden die Darsteller auf die Probe gestellt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, wie sich der eingesetzte Soundtrack hören lässt. Man darf auf die anderen Teile der Edition gespannt sein.

[Technik]
Entsprechend dem Alter und dem Herstellungsaufwand erwartet den Betrachter ein Geschehen im 4:3-Vollbild-Format. Dieser 1.33:1-Transfer zieht leider gewisse Negativaspekte durch die gesamte Laufzeit mit sich. An dieser Stelle sei gar nicht der erdige Unterton der Farbgebung gemeint, sondern eher das stets auftretende, etwas störende Zittern und Rauschen im Geschehen. Die Konturen hinterlassen einen unruhigen Eindruck und das Farbspektrum wirkt beschränkt. Dennoch gibt es auf der Habenseite einen ausreichenden Kontrast, genügend Bilddetails und eine erkennbare Plastizität zu nennen. Punkte können durch das Fehlen von altersbedingten Verunreinigungen verbucht werden. Die Kompression schreitet konsequent ans Werk und gibt kaum Artefakte weiter.

„Der Blaumilchkanal“ entspricht nun wirklich nicht den Anforderungen an einen DVD-Ton. Doch wäre diese Erwartungshaltung auch komplett fehl am Platze. Denn hier wird ein nunmehr 34 Jahre alter Film geboten, dessen technische Herstellung unter anderen Umständen stattfand, so dass sich mit einem Dolby Digital 2.0-Soundtrack in deutscher Sprache zufrieden gegeben werden muss – und kann. Denn die Sprachausgaben verzerren manchmal in den Höhen, können jedoch zweifelsohne als klar und deutlich zu verstehen bezeichnet werden. Die musikalische Untermalung zeigt sich von einer zurückhaltenden Seite. Wenn Musik einsetzt, ertönt sie von fern und etwas blechernd. Untertitel gibt es in farbigen Lettern in der deutschen Sprache.

[Fazit]
Als Teil der Jubiläums DVD Edition steht dieser Film mit seinen DVD-technischen Leistungen gut da. Inhaltlich kann nur Lob ausgesprochen werden. Es handelt sich um einen wunderbaren Film auf einer Lauflänge von rund 135 Minuten. Die einseitige, zweischichtige Promo-DVD, welche uns zum Test vorlag (DVD Typus 9) bereitet Lust auf mehr und lässt Satire-Appetit aufkeimen. Gestillt werden kann dieser Hunger durch die komplette Edition, die mit 5 Titeln daher kommt und mit fairen 50,- Euro zu Buche schlägt. Die Alterfreigabe wurde dabei auf ab 6 Jahren festgesetzt. Die Lauflänge der gesamten 5 Filme bemisst sich auf rund 498 Minuten. Als Bonusmaterial erhalten wir:

* Ephraim Kishon Interviews und Hintergrundinformationen zu jedem Film,
* die erwähnten, deutschen Untertitel für Gehörlose,
* Filmografien und Biografien im 16seitigen DVD-Booklet.

„Diese Film-Klassiker sind nun in überarbeiteter, nie da gewesener Bildqualität in dieser einmaligen Jubiläums DVD Edition versammelt“ – nicht ganz. Zwar kann die Qualität gefallen, so hoch gelobt werden sollte sie jedoch nicht, da sie sich in einigen Bereichen technisch hinter anderen Filmen gleicher Entstehungszeit befindet. Davon ab jedoch eine interessante und gute Erscheinung.

Andre Schnack, 25.08.2004

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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