Der Kaiser und sein Attentäter

Drama
Drama

[Einleitung]
Chen Kaige schuf mit „Lebewohl, meine Konkubine“ ein gefühlvollen Film mit dem notwendigen Biss, sich gegenüber den Betrachtern erfolgreich durchzusetzen. Sein neuester Film kommt mit dem Titel „Der Kaiser und sein Attentäter“ (Originaltitel: Jing Ke ci qin wang) daher und wurde 1999 abgedreht als französisch, japanisch-chinesische Koproduktion. In Cannes gewann das Werk den Preis für die beste Filmtechnik. Wir konnten uns den Titel aus dem Programm der universumfilm genauer ansehen und bewerteten den Film mit Xuejian Li, Li Gong und Fengyi Zhang in den Hauptrollen nach Inhalt, Technik und Ausstattung. Im folgenden unsere Meinung zum vermeintlichen chinesischen Monumentalfilm.

[Inhalt]
230 vor Christus. Das Gebiet des späteren China ist in sieben mächtige Königreiche gespalten. Zwischen den einzelnen Königreichen herrscht ein grausamer Krieg um die Vorherrschaft, der das Volk in Angst und Schrecken versetzt. Der besonders kaltblütige König von Qin hat eine gewaltige Vision. Er möchte als Kaiser über ein vereintes und befriedetes Imperium herrschen. Um dies zu erlangen, zieht er mit seiner grausamen Armee durch die Lande. Aber das Leben des Königs von Qin ist ständig in Gefahr. Noch heute erzählen viele Legenden von den Attentätern, die ausgesendet wurden ihn zu töten. Meisterregisseurs Chen Kaiges grandioses Historienepos erzählt eine dieser Legenden: Zu Beginn unterstützt des Kaisers Konkubine den Traum ihres Herrschers nach Kräften. Doch im Gegensatz zu einem militärischen Übergriff ersinnt sie heimlich einen raffinierten Plan, der unnötiges Blutvergießen vermeidet. Als der Konkubine jedoch bewusst wird, welch hoher Preis für die Einheit zu zahlen ist, setzt auch sie einen Attentäter auf den König an…
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Dieses Stück von Regisseur Kaiges hat leider nicht das gewisse etwas, wie die vorherigen Werke, welche oft durch emotionale Nähe und dichte Stimmung begeistern und fesseln konnten. Dem Kaiser und Attentäter fehlt es in einiger Hinsicht an der notwendigen Aufmerksamkeit, welche beim Herstellen eines solchen großen Epos‘ an den Tag gelegt werden muss. Historische Korrektheit kann nur bedingt hier angeführt werden, denn niemanden ist ganz klar, was zur besagten Zeit genau passierte. Der aktuelle Film „Hero“ behandelt ein ganz ähnliches Thema: Chinas Vergangenheit und Weg zu einem gigantischen Reich, bzw. Staat. Zwar hat Regisseur Kaiges wichtige Themen wie Vertrauen, Kriegsführung, Verrat, Intrigen und politische Schachzüge, Macht und Korruption keinesfalls vernachlässigt, doch fehlt es der Art und Weise der Abbildung etwas an Nähe zum Betrachter.

Denn diesem fällt es zuweilen recht schwer, die komplizierten Namen der Figuren und Regionen zu behalten, das komplexe Politik-Geschehen zu verfolgen und dann auch noch die Charakter-Studien, welche man auf drei wichtige Figuren beschränkte, zu verfolgen. Hier und dort ergeben sich trotz der Stoff-Fülle noch starke Defizite im Stil. Es gibt einfach zu wenig Inszenierungsqualität bei den actionlastigen Aufnahmen. An den Sets, den Kostümen und der musikalischen Untermalung liegt es nicht. Doch die Weiten des Landes und die Pausen vor den jeweiligen Dialogen, welche sich z.B. aus Blick-Duellen zusammensetzen, nehmen zu viel Zeit in Anspruch und lassen Durststrecken auf den rund 160 Minuten Laufzeit entstehen. Ein Film, der Aufmerksamkeit und Konzentration abfordert.

[Technik]
Der Breitbildtransfer wird anamorph vollzogen und bemisst sich auf ein Ratio von 1.85:1. Das Breitbild gewinnt durch die teils weiten Aufnahmen eines riesigen Reichs und den monumentalen Kamera-Einstellungen von großen und aufwendigen Sets an Charme und Stil. Dies sagt jedoch noch nichts über die Wiedergabequalität aus. Hier und dort kann die Kantenschärfe als gut bezeichnet werden, was jedoch nicht durchgehend der Fall ist. Mag zum einen an raschen Bewegungen liegen, in denen die Konturen an Qualität verlieren, zum anderen zeigen sich jedoch ganze Aufnahmen mit zu weicher und zarter Kantenzeichnung. Hierunter leidet ein wenig der Detailreichtum und somit der Gesamteindruck des Geschehens. Kontrast und Farbgebung gehen soweit in Ordnung.

Der Sound von „Der Kaiser und sein Attentäter“ kommt im Mehrkanaltonformat Dolby Digital 5.1 daher und wurde der Disc in den Sprachen Deutsch und Mandarin gegönnt. Die nach Aufmerksamkeit ringenden Dialoge sind weitgehend verständlich und erklingen sauber aus dem Center-Speaker des heimeligen Surround-Sets. Hintergrundgeräusche und Umgebungstöne sind an keinem Lautsprecher festzumachen und Actionaufnahmen beweisen sich mit einer hohen Dynamik. Die Musik befindet sich förmlich auf einem anderen Layer und bringt von dort die passende Untermalung. Optionale Untertitel in deutscher Sprache können hinzugeschaltet werden.

[Fazit]
Inhaltlich ist der Film nicht ganz das, was er hätte werden sollen. Über eine Gesamtlaufzeit von über 153 Minuten gibt es so manche Durststrecke, geprägt von einer gewissen Lethargie. Auf der anderen Seite werden hochkomplexe Intrigen und politische Situationen abgebildet, die unterweil den Betrachter etwas überfordern, wenn dieser sich auf eine angenehme Unterhaltung eingestellt hat. Der Titel kommt auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) daher und verfügt über eine Wiedergabetechnik mit Stärken im Akustik-Segment und Schwächen im Bereich der visuellen Darbietung.

Die zusätzliche Ausstattung des Films setzt sich aus folgenden Features zusammen:

* Interview mit Chen Kaige und den Hauptdarstellern (4 Interviews mit Beteiligten, welche insgesamt rund 30 Minuten füllen)
* Making Of „Der Kaiser und sein Attentäter“ (zusammenhangsloser Zusammenschnitt unkommentierter Hinter den Kulissen-Aufnahmen, ca. 6 Minuten)
* Trailer

Die Laufzeit des Bonusmaterials bemisst sich auf ca. 52 Minuten, laut der Verpackungsangabe. Die Altersfreigabe des Titels wurde mit FSK ab 12 Jahren festgesetzt. Mit dem 5. Januar liegt die Veröffentlichung der DVD-Erscheinung schon ein wenig in junger Vergangenheit. Wer Dramen mag, die Züge eines monumentalen und laufzeitstarken Epos tragen, der kann hier einmal reinschauen. Denn es wird eine durchaus interessante und insgesamt verlockende Alternative zum typischen Hollywood-Kino geboten.

Andre Schnack, 09.03.2004

  Film/Inhalt
:
  Bild
:
  Ton
:
  Extras/Ausstattung
:
  Preis-Leistung
: