Der Liebhaber

Drama/Romance
Drama/Romance

[Einleitung]
Jean-Jacques Annaud brachte 1998 seinen erfolgreichen Film „Der Bär“ auf die Leinwände des Weltkinos, vier Jahre später gefolgt von „Der Liebhaber“ (L‘ Amant) in 1992. Der Film entstand nach dem gleichnamigen Marguerite Duras-Roman. Es wird ihre angebliche Geschichte erzählt, die sie in ihrem Buch als Autobiografie wiedergibt. Für die beiden Hauptrollen der sexuellen Beziehungs-Geschichte wurden die junge Jane March und der Hongkong-Chinese Tony Leung Ka Fai verpflichtet. Wir konnten uns die DVD mit dem eher unbekannten Film genauer ansehen und berichten über Inhalt, Ausstattung und Technik des Silberlings.

[Inhalt]
Saigon in den 20er Jahren: Am Ende der Schulferien kehrt das junge Mädchen, sie ist noch nicht sechzehn, aus ihrem Dorf in Indochina nach Saigon zurück, wo sie ein Gymnasium besucht und in einem Pensionat wohnt. Auf der Fähre über den Mekong begegnet die junge Weiße mit dem Männerhut zum ersten Mal dem doppelt so alten und wohlhabenden Chinesen. Obwohl die Beziehung gesellschaftlich nicht tragbar ist, entwickelt sich eine leidenschaftliche Affaire zwischen den beiden. Das Mädchen sieht sich konfrontiert mit dem eigenen Begehren, aber auch mit sozialen Schranken und der wachsenden Scham ihres Liebhabers… Jean-Jacques Annauds Verfilmung des authentischen Romans von Marguerite Duras besticht nicht zuletzt durch eine äußerst sorgfältige Ausstattung, den exotischen Schauplatz und die Suggestivkraft der Bilder.
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Jean-Jacques Annaud wendet frönt auch in diesem Film seiner Hingabe für optisch anspruchsvolle Aufnahmen und unternimmt den Versuch der Verknüpfung seiner filmerischen Eigenschaften mit einer anspruchvollen und eher untypischen, etwas prekären Geschichte einer verbotenen Liebe. Die Darstellungen der Liebesgeschichte, die eher einem jugendlichen und leichtsinnigen Abenteuer gleicht, gelang mit wirkungsvollen und sehr hochwertig inszenierten Aufnahmen, die aus aufwendigen Sets, wunderbar fotografierten Landschaftsaufnahmen und Einstellungen, die das Gefühl und den Moment glaubhaft einfangen.

Es beginnt inhaltlich mit der ersten Autofahrt und mit der ersten Berührung der beiden Hauptfiguren. Und es endet und wirkt am Ende wie ein Soft-Porno mit Durststrecken – wenn man es etwas übertrieben ausdrückt. Die emotionalen Regungen hier entstammen offensichtlich pedophilen Zügen in der eher auf das Sexuelle ausgerichteten Beziehung. Der Film startet etwas gemächlich, legt dann jedoch an Tempo zu, wobei der Betrachter ungeachtet des betriebenen Aufwandes jedoch leider an keinem Zeitpunkt des Films wahrlich in dessen Bann gezogen wird.

So bleibt eine schwierige Thematik, deren Umsetzung nicht zwangsläufig jedem gefallen wird. Da helfen auch keine langen Aufnahmen von Liebesakten und eine fremdartig anmutende Musik. Authentische Wirkung kann nicht ganz aufkeimen, ferner gibt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht ganz das her, was die Geschichte verlangt. Erzählerin beichtet die Story, was mitunter irgendwie übertrieben und merkwürdig wirkt. Die darstellerischen Leistungen gehen weitgehend in Ordnung, es handelt sich bei „Der Liebhaber“ um einen angenehmen Film, der jedoch hinter den Erfolgen „Der Name der Rose“ oder eines „Duell – Enemy At The Gates“.

[Technik]
Bei der visuellen Leistung heftete man seine Erwartungen an einen anamorphen 1.85:1-Breitbildtransfer, der um die Gunst des Betrachters buhlen soll. Die ganz unterschiedlichen Aufnahmen – helle und dunkle Innenaufnahmen, breite und von Licht erfüllte Landschaftseinstellungen – gefallen allesamt und bereiten eine spürbar angenehme Atmosphäre, welche auf einer technisch soliden Basis steht. Kontrast, Farbumfang und Sättigungsgrad gefallen dem Sujet der Geschichte und unterstreichen die Wirkung der Bilder gekonnt. Verrauschen oder andere Störungen wie Verunreinigungen der Vorlage treten nicht auf. Auch die Kompression gibt praktisch keinen Anlass zur Kritik.

Eher ruhig geht es auf dem akustischen Gebiet hier zu. Technisch wird die tonale Welt des Liebhabers in Form von zwei Dolby Digital 2.0-Soundtracks abgebildet. Es gibt wahlweise deutsche oder englische Sprachausgabe zu vernehmen. Aufnahmen in der Außenwelt gestalten sich zwar erfüllt von zahlreichen Hintergrundgeräuschen, haben jedoch nicht die erwünschte Raumwirkung anzubieten. Ähnlich sieht es auch mit der musikalischen Begleitung aus. Die Dialoge und allgemein die Sprachausgabe stimmen und erfüllen die Anforderungen der Betrachter. Eine durchschnittliche Darbietung mit Momenten, jedoch ein eher zurückhaltender Sound was die Räumlichkeit betrifft. Optionale Untertitel sind in den beiden genannten Sprachen vorhanden.

[Fazit]
Wer „Lolita“ kennt und sich diesen rund 111minutenlangen Streifen anschaut, der wird sich des Öfteren an den Film von Adrian Lyne (Lolita, 1997) erinnert fühlen. Bei „Der Liebhaber“ wurde noch eine gehörige Portion „Nahaufnahmen“ und Details beigelegt, was nicht unbedingt in einem lobenden Urteil enden muss. Beim Datenträger handelt es sich um eine einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9), welche mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren daherkommt. Die Zielgruppe wird jedoch nicht mit 12jährigen Zuschauern umschrieben, sondern zeichnet sich eher durch Menschen mit einem Alter von über 16 Jahren aus. Das Drama bietet ein angenehm gestaltetes Menü mit musikalischer Untermalung. Die Ausstattung besteht aus einer Trailer-Show (9 Trailer), einem informativen Making Of mit opulenter Laufzeit (53 Min.) und einem Trailer zum Hauptfilm. Insgesamt gut, nur der Film wird Geschmackssache bleiben.

Andre Schnack, 02.09.2004

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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