Die letzte Schlacht

Dokumentation/Drama
Dokumentation/Drama

[Einleitung]
Neben den mittlerweile zahlreich erschienenen Dokumentationen über das Dritte Reich, die Politik der Nazis und über die einzelnen Charaktere des Terror-Regimes von vor 50 Jahren gesellen sich auch Kino-Filme wie „Der Untergang“ oder „Der Pianist“, welche einen unterschiedlichen Fokus legen, sich im Kern jedoch mit den Geschehnissen in Deutschland um 1945 beschäftigen. Media Cooperation One bringt uns mit der DVD-Version des Doku-Dramas „Die letzte Schlacht“ einen Titel auf den Markt, der sich inhaltlich zwischen Dokumentation und Spielfilm befindet.

[Inhalt]
April 1945: Die 2,5 Millionen Mann starke Rote Armee rüstet sich zum Ansturm auf Berlin. Das Ende eines Reiches, das tausend Jahre überdauern sollte und nach 12 Jahren in einer Orgie von Gewalt und Feuer unterging, nimmt seinen Lauf. Das Dokudrama „Die letzte Schlacht“ zeichnet anhand von detaillierten Einzelschicksalen die Historie der letzten 13 Tage vom 20. April bis zum 2. Mai 1945 nach. Ergreifende Spielszenen, bisher unbekanntes Archivmaterial und zahlreiche Zeitzeugen lassen ein eindringliches Bild von den letzten Kriegstagen entstehen. Deutsche und Russen, Soldaten und Zivilisten, Frauen und Kinder – nicht wenige berichten zum ersten Mal ihre ganz persönliche Geschichte: Eine junge Krankenschwester, die aufopferungsvoll schwerverletzte Soldaten pflegt, ein Nachrichtensprecher, der bis zuletzt Propagandaberichte liest, ein russischer General, dem es in erster Linie um das Wohl der Bevölkerung geht…
(Quelle: Media Cooperation One)

[Kommentar]
Der Unterschied zwischen einer Dokumentation und einem Doku-Drama ist einfach und rasch greifbar. Denn das Doku-Drama unterscheidet sich im Wesentlichen in zwei Merkmalen von der reinen Dokumentation. Zum einen kommen oftmals viele nachgestellte Szenen zum Einsatz oder aber die gesamte Produktion wurde mit einem gewissen Spielfilm-Charakter ausgestattet. Zum anderen kommen in einem Doku-Drama zumeist keine Sprecher zur Vermittlung des Informationsgehalts vor. „Die letzte Schlacht“ gehört deutlich zu den Doku-Dramen, wenngleich sich auch des gewichtigen Wortes von Zeitzeugen bedient wird. Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christoph Blumenberg bekam als redaktionellen Leiter den renommierten Historiker Guido Knopp mit an die Seite.

„Die letzte Schlacht“ bietet einen hochwertigen Einblick in die letzten Tage Berlins, in die letzten Tage eines Deutschlands, welches die Welt veränderte und einen wahnsinnigen Krieg anzettelte. Der Schwerpunkt hier liegt bei der Vereinfachung vom Wissenstransfer. Man könnte meinen, es wird die Hülle eines Spielfilms genutzt, um als Katalysator zu dienen. Dabei ist Geschichte von sich aus doch unheimlich interessant und spannend. Und dieses Werk versetzt den Betrachter in eine vergangene Zeit und versucht nicht aufgrund verbogener Wahrheiten zu glänzen. Ganz im Gegenteil. Wie eine Dokumentation mit Fakten und wissenswerten Informationen aufwartet, so tut es auch dieser Film. Nur mit dem Unterschied, dass er professionell aufgemacht wie ein TV-Spielfilm wirkt. Hin und wieder ertönt eine Stimme aus dem Off, wenn sich die Zeitzeugen zu Wort melden.

Ganz und gar nicht fiktiv, sondern sauber und sorgsam recherchiert zeigt sich der abgebildete Inhalt der Geschichte, die zwischen dem 20. April bis zum 02. Mai 1945 in Berlin spielt. Unter Bildern einer drohenden russischen Truppen-Invasion Berlins zeigt „Die letzte Schlacht“ Einzelschicksale aus der Bevölkerung und dem Regime. Nicht veröffentlichte Berichte von Zeitzeugen und Archivmaterialien lassen ein eindringliches und authentisches Bild der letzten Kriegstage entstehen. Dabei setzte man auf namhaften deutsche Darsteller. Mit Tim Bergmann, Tom Schilling, Florian Lukas, Fabian Busch und Tobias Schenke sind nur die bekanntesten Namen genannt.

[Technik]
Technisch betrachtet haben wir es mit der Leistung einer guten, gelungen produzierten TV-Sendung zu tun. Es gibt ein anamorphes Breitbild im Format 1.78:1 geboten, welches sich auf der gesamten Fläche eines 16:9 TV-Geräts ausbreitet. Die Anforderungen an den Kontrast und die Farbsättigung werden weitgehend erfüllt, können es jedoch nicht ganz mit der Güte einer aktuellen Kino-Auskopplung aufnehmen. „Die letzte Schlacht“ kommt ohne nennenswerte Einsätze von Filtern oder künstlerischen Verfremdungen aus, die Ausleuchtung der Sets gefällt und sorgt für ein angenehmes Sehvergnügen. Rauschen und andere Verunreinigungen fallen zwar ins Auge, stören den Sehspaß jedoch nur bedingt. Hin und wieder können der optischen Leistung auch Kompressionsartefakte angekreidet werden. Die gebotene Qualität zahlt in die Zufriedenheit des Betrachters ein.

Akustisch bieten Kriegsfilme normalerweise eine mehr als geeignete Spielwiese für Mehrkanaltonformate. Allerdings spricht das nicht für „Die letzte Schlacht“. Denn hier wird das Primärziel Wissensvermittlung nicht aus dem Fokus verloren, mithin ergeben sich nur selten Aufnahmen großer Action und die Dialog-orientierten Aufnahmen überwiegen. „Die letzte Schlacht“ befindet sich im Dolby Digital 5.1-Format auf der DVD, und zwar ausschließlich in deutscher Sprachausgabe. Neben letztgenannter Dialog-Trächtigkeit treten zahlreiche Hintergrundgeräusche und eine musikalische Untermalung auf. Seitens der Wiedergabe-Qualität kann kein großer Makel festgestellt werden. Das Thema Surround hingegen fällt eher ernüchternd aus.

[Fazit]
MC One bringt mit der DVD „Die letzte Schlacht“ einen technisch soliden und inhaltlich interessanten Titel auf den deutschen DVD-Markt. Die im Bund mit dem ZDF entstandene Produktion bietet Spielfilm-Charakter und viel passiv Wissenswertes auf einer Laufzeit von rund 103 Minuten, abgelegt auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). „Die letzte Schlacht“ kann seit dem 20. Oktober im Handel erworben werden. Die Altersfreigabe des Films liegt laut FSK bei ab 12 Jahren. Das ordentliche Menü beinhaltet Zugriff auf folgendes Bonusmaterial:

* Audiokommentar
* Trailer
* Making Of (3 Min.)
* Zeitzeugen Kurzbios
* 7 Interviews (jeweils einige Minuten)
* Entfallene Szenen
* Fotogalerie
* Programmhinweise

Die obligatorischen Programmhinweise, die Fotogalerie und Trailer verdienen heutzutage eigentlich keine gesonderte Erwähnung mehr. Der Audiokommentar, das Making Of und allen voran die Interviews mit den Zeitzeugen haben es hingegen definitiv verdient, denn sie bieten „echten“ Einblick in die Entstehung und in die damaligen Geschehnisse und Gegebenheiten. Schade, dass es keine Untertitel auf der Disc vorzufinden gibt. Der Preis der DVD liegt bei rund 15,- Euro.

Andre Schnack, 15.11.2005

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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