Die Spiegel Affäre

Dokumentation/Thriller
Dokumentation/Thriller

[Einleitung]
Es mag ein Zufall sein, oder aber ein guter Marketing Manager sah den Bezug zur aktuellen politischen Lage. Denn so wie es scheint, gibt es Anzeichen dafür, dass wir in einem neuen kalten Krieg leben. Doch unabhängig vom interpretatorischen Freiraum der geopolitischen Lage entfaltet sich die verfilmte Historie. So beschäftigt sich diese Standard Definition DVD Erscheinung mit dem Titel „Die Spiegel Affäre“ mit einer heißen politischen Zeit in Deutschland inmitten der bedrohlichen diplomatischen Eiszeit Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Regie führte dabei Roland Suso Richter und in den führenden Rollen sehen wir Sebastian Rudolph und Francis Fulton-Smith. Ich konnte mir ein genaues Bild machen und berichte im folgenden.

[Inhalt]
Die Besetzung der SPIEGEL-Redaktion am 26. Oktober 1962 ein Kampf um Demokratie, Moral und Ethik in Politik und Wirtschaft. Seine Hauptprotagonisten: Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein – zwei – politische ‚Alphatiere‘, die sich gegenseitig nichts schenken.

Wegen eines kritischen Artikels über die „Abwehrbereitschaft“ der Bundeswehr waren unter maßgeblicher Veranlassung von Verteidigungsminister Strauß Verleger Augstein und Chefredakteur Ahlres wegen „Landesverrates“ verhaftet und die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins tagelang von der Polizei besetzt und durchsucht worden. Massenproteste im In- und Ausland führten zu einer Regierungskrise und letztendlich zum Rücktritt von Strauß. Die Verfassungsbeschwerde des „Spiegel“ wegen des Verstoßes gegen die Pressefreiheit wurde jedoch abgewiesen.
(Quelle: EuroVideo)

[Kommentar]
Ich mag diese Themen unheimlich gerne. Vor allem, wenn die Darreichungsform der Film ist. Wenn es sich dann noch um eine Dokumentation handelt – umso besser. Dieser Film zeigt ein weiteres Mal das Potenzial, welches darin haust, dass ein paar wenige Menschen sehr viel Einfluss und Macht genießen und auch für ihre persönlichen Ziele missbrauchen. Das ganze dann eben an dem Beispiel der innerdeutschen Auseinandersetzung und der Meinungsverschiedenheit zum Thema der offensiven Atomraketenpolitik. Dazumal gerieten wir im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder. Die politisch begründete Angst zum Spielball der Weltmächte USA und Russland zu werden war groß. Der Druck bestimmt auf einzelnen Menschen nahezu gigantisch, ein spannendes Thema.

[Technik]
Technisch ist es nicht derart, als wäre der Anspruch an Bilder solcher Filme allzu hoch. Doch kehrt sich dies nicht negativ auf die Leistungen aus. Ganz andersherum ist es eher der Fall. Die Macher haben versucht das beste aus dem Material herauszuholen vor dem Hintergrund eines mit Sicherheit begrenzten Budgets gelang ihnen das auch gut. Der Transfer erfolgt mittels anamorpher Bilder im Format 1.78:1 und gefällt dabei auf Anhieb. „Die Spiegel Affäre“ bietet somit keine große oder nennenswerte Angriffsfläche und kann die Zuschauer für sich gewinnen. Doch kommen praktisch auch keine besonderen Herausforderungen auf den Transfer zu, keine raschen Schnitte oder Darstellungen, die das Bild fordern. Soweit alles gut.

Der Ton macht die Musik. Doch hier ist das ein wenig anders. Denn politisch getriebene Geschichten haben es oftmals so an sich, das hier keine brachialen Effekte oder Faktoren auftreten, die eine gekonnte Abbildung erfordern. Was keinesfalls die Eigenschaften des deutschsprachigen Stereotons infrage stellen soll. Leistet er doch stets dort gute Dienste, wo es auch notwendig ist. Es ist eben nur recht wenig notwendig. Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss. Rauschen oder andere Verunreinigungen treten nicht auf den Plan.

[Fazit]
Passend zu den geopolitischen Geschehnissen der aktuellen Zeit ist es doch keine Überraschung, dass wir „Die Spiegel Affäre“ (90 Min.) nun am 8. Mai im Handel vorgesetzt bekommen. Für kleines Geld, gerade einmal knapp 12,- Euro gibt es eine gute Zeit mit guter Unterhaltung. Und eben einer Berichterstattung, die der nächsten Generation zeigt, was für eine Zeit es war, damals im Kalten Krieg. Die Altersfreigabe liegt bei ab 0 Jahren, doch die politische Reife bestimmt hier natürlich das Interesse daran sich so etwas auch anzuschauen. Mir gefiel das alles gut, und ich habe darüber nachgedacht, ob auch heute noch die Leute ob eines solchen Themas auf die Straße gehen würden oder nicht viel passieren wird…

Andre Schnack, 20.05.2014

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★☆☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆