Felicia, mein Engel

Thriller
Thriller

[Einleitung]
Kinowelt präsentiert uns Atom Egoyans „Felicia, mein Engel“ (Originaltitel: „Felicia’s Journey“) von 1999 mit Bob Hoskins und Elaine Cassidy in den Hauptrollen. Der seichte Thriller mit Atmosphäre und Spannung lockt mit einer interessanten Geschichte und bietet eine gelungene Alternative zum sonstigen Standard aus den Küchen Hollywoods. Wir nahmen die DVD-Fassung unter unsere Fittiche und berichten über ihre Stärken und Schwächen.

[Inhalt]
Durch den Rückspiegel beobachtet Kantinenwirt Joseph Ambrose Hildicht (Bob Hoskins) verstohlen das junge irische Mädchen: Felicia (Elaine Cassidy) ist in England auf der Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Hilditch könnte ihr helfen, wie er schon vielen verlorenen Mädchen vor ihr geholfen hat. Er gibt ihnen ein zu Hause, stellt Nachforschungen an, tröstet sie und macht sie abhängig von seiner Güte – und er tut alle, damit sie sein Haus nie wieder verlasse. Langsam startet er den Wagen und fährt ihr nach.

[Kommentar]
„Felicia, mein Engel“ hat schon wirklich etwas faszinierendes, etwas schreckliches, terrorisierendes und doch nicht gleich greifbares. Und das ist es auch, was den Film bzw. die Geschichte auszeichnet. Dieser Terror, der nicht durch Schockeffekte, Blut und sonst übliche Elemente entsteht, erzeugt eine sehr spannende, etwas paranoide Stimmung. Eine Atmosphäre wie sie zu vergleichen ist mit Stephen King Werken, z.B. „Misery“. Doch grenzt sich Egoyans Werk angenehm dazu ab und steht als sehr eigenes Werk da. Insbesondere durch die guten darstellerischen Leistungen gewinnt die Geschichte an Authentizität. Ferner spielt sich der Streifen recht gewaltfrei ab, was auch zur Glaubwürdigkeit beiträgt und den „Horror“ noch etwas steigert. Die wunderbare musikalische Untermalung steigert die Angst, die beim Zuschauer im späteren Verlauf für Felicia entsteht. Ein sehr ruhiger aber geladener Thriller mit einer sehr gespannten Atmosphäre. Sehenswert.

[Technik]
Zur Technik des Silberlings: präsentiert wird das Bild durch einen Breitbildtransfer im Originalratio von 2.35:1. Der für 16:9-Geräte erweiterte (= anamorph) Transfer kann als Allrounder bezeichnet werden. Denn in allen Gebieten leistet er mindestens ausreichende Dienste. Eine hohe Anzahl an Bilddetails resultiert aus der gelungenen Schärfe, ferner wird ein lebhafter Kontrast mit natürlich wirkenden Farben geboten. Fehler im eigentlichen Sinne (Kompressionsartefakte, Treppeneffekte) treten nicht auf, nur ein etwas störendes Bildrauschen beeinträchtigt das Sehen gelegentlich leicht.

Der Sound des Films wurde in Form zweier Dolby Digital 5.1-Tonspuren festgehalten und auf der DVD abgelegt. Es gibt eine deutsche Synchronfassung und eine englisch Originaltonspur. Beide tun sich in der Qualität nicht viel und reizen leider auch nicht das gebotene Potential des Mehrkanaltonformats aus. Denn auf den hinteren Kanälen herrscht überwiegend eisige Stille. Lediglich einige Hintergrundgeräusche und die leise Musik dringen dem Zuschauer von hinten ins Ohr. Sprachausgabe und Dynamik stimmen, für direktionale Soundschmankerl fehlt es hier aber an Möglichkeiten. Es bleibt zu sagen: ein guter rausch- und fehlerfreier Ton. Beim deutschen Ton sind optionale deutsche Untertitel vorhanden, beim Originalton werden diese zwangseingeblendet.

[Fazit]
„Felicia, mein Engel“ ist mit Sicherheit kein Film für jedermann. Dennoch kann die hohe Qualität dieses Filmwerks kaum kritisiert werden, nur wird nicht jeder diese Geschichte mögen. An der technischen Umsetzung des Films auf das DVD-Medium gibt es kaum etwas zu bemängeln: Bild und Ton stimmen und sorgen für einen gelungenen Filmspaß. Zudem gibt es neben dem 111 minutenlangen Thriller auch noch etwas an Bonusmaterialien; und die wären: 2 Trailer des Films, 3 Interviews, 8 minutenlanges Making Of, eine 18 minutenlange Behind The Scenes-Featurette, mehrseitige Hintergrundinformationen und eine Fotogalerie. Die DVD ist zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 49,95 DM ab dem 07.11. käuflich zu erwerben. Der hier abgedruckte Test behandelt die gleichausgestattete Rental DVD, die seit dem 29.08. auszuleihen ist. „Felicia, mein Engel“ – ein spannendes Psychogramm; empfehlenswert.

Andre Schnack, 11.09.2000

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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