Hanussen

Drama/History
Drama/History

[Einleitung]
1981 waren Darsteller Klaus Maria Brandauer und István Szabó bereits ein Team, und zwar im fabelhaften „Mephisto“. 7 Jahre später führte sich ihr künstlerisches Schaffen erneut zusammen. Regisseur István Szabó fertigte 1988 „Hanussen“ (Originaltitel) mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. In weiteren Figuren sind Erland Josephson, Walter Schmidinger, Grazyna Szapolowska, Ildikó Bánsági, Károly Eperjes und Adriana Biedrzynska zu sehen. Das Drehbuch entstammt der Feder von Istvan Szabo und Peter Dobai. Diese uns vorliegende DVD-Fassung erscheint aus dem Programm von universumfilm und wir konnten uns ein genaueres Bild von dem Silberling machen.

[Inhalt]
Lebensweg und Schicksal des unbekannten Varieté-Illusionisten Klaus Schneider. Aufstieg und Fall des Hellsehers Eric Jan Hanussen alias Klaus Schneider, der nach einer Kopfverletzung, die er sich im ersten Weltkrieg zugezogen hat, über telepathische Kräfte verfügt und im Berlin der 20er Karriere macht. Nachdem er den Wahlsieg Hitlers vorausgesehen hatte, wird er vom Nazi-Regime für dessen Zwecke beansprucht. Der erklärtermaßen unpolitische Hanussen gerät immer mehr in die politischen Machtkämpfe und wird sich der Gefahren und Verantwortung, die von seiner Begabung ausgehen, erst langsam bewusst. Als er dann den Reichtagsbrand von 1933 vorhersagt, ist es schon zu spät.
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Wie bereits „Mephisto“, so zeigt uns auch „Hanussen“ die Werkzeuge eines totalitären Staatsregimes. Es geht um Menschen, die sich unbewusst sehr großer Gefahr aussetzen, da sie davon ausgehen, die Situation im Griff zu haben und eine große Macht für ihre eigenen Ziele zu nutzen beabsichtigen. Dabei merken die Betroffenen – hier Eric Jan Hanussen – allerdings nicht, dass sie vom Regime instrumentalisiert werden und langsam korrumpieren und beinahe assimiliert werden. Letztlich ist es wie so häufig der Fall: die Erkenntnis tritt zu spät ein, der Schaden ist unabwendbar und der ins Rollen gebrachte Stein kann nicht mehr aus eigener Kraft aufgehalten werden.

In „Hanussen“ geht es nicht nur beiläufig, sondern sogar sehr direkt um eine vermeintliche ESP-Fähigkeit. Der gesamte Hypnose-Strang der Geschichte wirkt zu keiner Zeit deplatziert, überladen oder auf der anderen Seite zu wenig ausgeprägt. Das Gemisch stimmt und die Rechnung der Filmemacher geht auf ganzer Linie auf. „Hanussen“ kann von handwerklicher Seite her nicht sonderlich viele Punkte durch großartige Sets oder Kostüme aufweisen und gibt sich eher pragmatisch. Dies stört den verwöhnten Hollywood-Konsumenten in den heutigen Tagen natürlich schon sehr. Wer jedoch acht auf gute Filme mit guten Geschichten gibt, der wird „Hanussen“ wegen einer inhaltlichen Stärke schätzen.

[Technik]
Das Bildformat von „Hanussen“ beläuft sich auf ein 4:3-Vollbild Seitenverhältnis (1.33:1). Der Transfer kann weder vom Hocker hauen, noch baut er Frust angesichts seines Alters und Herstellungs-Aufwands auf. „Hanussen“ hat in den vertikalen Bildabschlüssen jeweils einen kleinen schwarzen Rand aufzuweisen, so etwas muss heute eigentlich nicht mehr sein. Ebenfalls muss die zu dunkle Ausleuchtung erwähnt werden, wie auch der sichtbare Rauschfaktor und die teilweise deutliche Unruhe im Geschehen. So richtig viele Bilddetails wollen folglich nicht zur Geltung kommen, wie auch keine klare Konturenzeichnung möglich erscheint und einige Elemente im Dunkel verschwinden. Zumindest die Kompression arbeitet einigermaßen unbemerkt, was dem unterdurchschnittlichen Gesamtbild jedoch nicht hilft.

Gelinde gesagt ist die Akustik von „Hanussen“ bestenfalls ausreichend. Sie wirkt blechernd, teilweise sogar einfach zu flach synchronisiert, was die technische Umsetzung eigentlich nicht einmal zu verantworten hat. Davon ab gibt es generell nur wenig musikalische Elemente, und das was es gibt, befindet sich in einer nur ausreichenden qualitativen Ausprägung auf der DVD. Es herrscht Dolby Digital 2.0 Monoton und die Formatbezeichnung ist Programm. Vernommen werden kann der pragmatische und sehr rudimentäre Sound ausschließlich in der Sprachfassung Deutsch. Untertitel sind nicht vorzufinden. Wenn es um Verständlichkeit geht, so kann der Ton das Ziel des dialogstarken Titels erreichen.

[Fazit]
universumfilm brachte und bringt dem DVD-Markt hervorragende Discs mit üppigen Ausstattungen, darunter tatsächliche und wahrhaftige Überraschungen. Meist sind Letztgenannte positiv zu werten, hier nicht. Was sich die Herren Produkt-Manager bloß dabei gedacht haben „Hanussen“ komplett ohne filmbezogene Extras ins Rennen zu entsenden, bleibt uns zumindest ein Rätsel. Es gibt eine Trailershow, basta. Das war es dann auch schon. Angesichts der Technik des in 12 Kapitel unterteilten Streifens eine eher müde DVD-Erscheinung, welche sich ausschließlich über den Inhalt zu definieren versteht. Die einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) weist eine Laufzeit von ca. 110 Minuten auf und kommt mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren daher. Erscheinungstermin ist der 20. August. Für Fans interessant. Alle anderen sollten zur Probe vorab eine Ansicht einplanen.

Andre Schnack, 15.08.2007

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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