Krupp – Eine deutsche Familie

Drama
Drama

[Einleitung]
Als großangelegte TV-Produktion liefen drei Teile zu jeweils rund anderthalb Stunden im März im TV-Programm unter dem Titel „Krupp – Eine deutsche Familie“. Regisseur Carlo Rola arbeitete nach einem Drehbuch, welches von Christian Schnalke geschrieben wurde. In den führenden Rollen der deutschen Filmproduktion tauchen auf: Iris Berben, Johannes Allmayer, Heino Ferch, Jochen Kretschmer und viele weitere. Das TV-Drama erscheint aus dem Programm von universumfilm als 2 Disc umfassende DVD-Fassung. Wir konnten uns den Dreiteiler inhaltlich, technisch und in Belangen der Ausstattung genauer anschauen und berichten aus erster Hand.

[Inhalt]
Der historische Fernsehfilm in drei Teilen erzählt die Geschichte der Familie Krupp im 20. Jahrhundert als eines der facettenreichsten Kapitel der deutschen Vergangenheit – Erfolgsstory, Skandalreport, Polit-Thriller und menschliche Tragödie zugleich.

Als Alleinerbin des „Kanonenkönigs Fritz“ erlebt Bertha (Iris Berben, Valerie Koch) als junges Mädchen die glanzvollen Zeiten, in denen Krupp unter Kaiser Wilhelm II. zur „Waffenschmiede des Deutschen Reichs“ wird. Ihre Mutter Margarethe (Barbara Auer) erzieht Bertha nach einem streng preußischen Regelsystem. Älter geworden zieht sie die Fäden im Hintergrund, da ihr als Frau, die Unternehmensführung nicht gestattet ist. Unerbittlich schwört sie ihren Ältesten Alfried (Benjamin Sadler) die vertrauten Werte ein: „Krupp“ steht über allem. Als „Kronprinz“ des riesigen Konzerns und Patenkind von Wilhelm II. wächst er isoliert von seinen sechs jüngeren Geschwistern in der Villa Hügel in Essen auf.

Er wird zeitlebens um seine persönliche Unabhängigkeit kämpfen müssen. Seine große Liebe, Anneliese (Mavie Hörbiger), hält dem Druck nicht stand und verlässt ihn schließlich; der gemeinsame Sohn Arndt (Nikolai Kinski) wächst ohne ihn auf. Alfried übernimmt mitten im 2. Weltkrieg die Unternehmensleitung – und wird von den Alliierten später als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt. Als er in den 50er Jahren sein Vermögen zurück erhält gestaltet sich der Wiederaufbau sehr mühevoll. Und so entschließt er sich, die Firma von der Familie zu trennen und in eine Stiftung umzuwandeln: eine Entscheidung, die das Ende der großen Stahldynastie besiegelt.

Historischer Fernsehfilm in drei Teilen:
1. Mit großem Pflichtgefühl
2. Von der Last erdrückt
3. Der letzte Krupp
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
„Krupp – Eine deutsche Familie“ stellt sich mit dem gesamten Komplex um die Unternehmer-Familie einer sehr schwierigen filmerischen Aufgabe. Ein hochkomplexes Thema, welches sich über Jahre hinweg entwickelt ist grundsätzlich keine einfache Darstellung in Form eines TV-Dramas. Unter dem Kostendruck in einer definierten Zeit ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, das war die Aufgabe von Regisseur Carlo Rola, der viel Erfahrungen in der Umsetzung fürs Fernsehprogramm mit sich bringt. Und er versucht letztlich den schwierigen Dreisprung aus einem langatmigen Drama, über historische Gegebenheiten hinzu einem unterhaltenden Schauspiel. Doch gelingt dies? In Zügen zu bejahen, in weiten Teilen jedoch nicht.

Warum dies? Ganz einfach, man leistete sich im oftmals umher springenden Verlauf einige Kinken. Makel, die nicht zu übersehen sind, da sie zum Teil starken Einfluss auf die Wirkung und Atmosphäre des Films haben. Es beginnt eigentlich ganz gut mit passenden und stimmungsvollen Kostümen, reicht über ausreichend zeitgenössisch dargestellte Sets und Räumlichkeiten. Es scheitert jedoch eher an den inhaltlichen Unzulänglichkeiten, die im Verlaufe der Story vonstatten gehen. Auch traf man nicht immer mit jedem Darsteller die richtige Wahl. Es sind zu wenige wirklich sinnvoll durchgezogene Handlungsstränge vorhanden, als das es zu einem klugen Gesamtbild führt.

[Technik]
Kommen wir zu den technischen Gegebenheiten, die sich bei der Ansicht des zwei Discs umfassenden Sets „Krupp – Eine deutsche Familie“ einstellen. Wir erhalten als Betrachter einen 16:9-Transfer vor die Augen. Das genaue Seitenverhältnis bemisst sich auf 1.78:1 und das Bild befindet sich anamorph auf den Datenträgern. „Krupp“ richtet sich klar an das TV-Publikum, welches auch mit eher mittelmäßiger technischer Qualität zufrieden sind. Doch braucht sich diese Leistung hier nicht zu verstecken. Es stehen neben einem gelungenen Kontrast und einer satten Farbgebung auch ausreichende Kantenschärfe und ein befriedigender Detailgrad parat. Die Gesamtwirkung, gelungen inszeniert, befindet sich im oberen Mittelfeld. Die Kompression geht sauber vor.

Schauen wir uns den Ton der Disc an, so bemerken wir seine Herkunft als TV-Produktion. „Krupp – Eine deutsche Familie“ besticht weder durch dynamische Surround-Spektakel, noch durch eine anderweitig ausgeprägte, besondere Darstellung des deutschsprachigen Sounds, der via Dolby Digital 2.0-Format ertönt. Immer wieder können wir ausreichend lebhafte Sequenzen erleben und erfreuen uns an der zeitgenössischen musikalischen Begleitung und der sauberen Sprachausgabe. Wer hingegen viel mehr Umfang und räumliche Weite erwartet, als man es aus brauchbaren TV-Spielfilmen kennt, der muss zum Hollywood-Titel greifen. Untertitel konnten wir nicht ausfindig machen.

[Fazit]
universumfilm verfügt über ein umfangreiches Video-Programm, welches sich über DVD- bis hin zu High Definition-Erscheinungen auf Blu-ray Disc erstreckt. „Krupp – Eine deutsche Familie“ gehört mit Sicherheit nicht zu den besten deutschen Filmen, kann jedoch für eine TV-Sendung in drei Teilen durchaus punkten. Die Laufzeit von rund 270 Minuten, drei Teile à 90 Minuten, findet Platz auf zwei einseitigen Dual-Layer-Discs (DVD Typ 9). Alle technischen Belange der vorliegenden DVD laufen noch recht positiv in die Gesamtwertung ein, reißen am Ende jedoch das Ruder nicht so weit um, dass ein wirklich gutes Gesamtpaket entsteht. Positiv erwähnenswert ist das Bonusmaterial, welches sich aus einem Making Of und einer Reportage mit Zeitzeugen zusammensetzt und weitere 60 Minuten Spielzeit füllt. „Krupp – Eine deutsche Familie“ erschien am 17. April zu rund 17,- Euro. Freigegeben ab 12 Jahren.

Andre Schnack, 18.05.2009

  Film/Inhalt
:
  Bild
:
  Ton
:
  Extras/Ausstattung
:
  Preis-Leistung
: