Lucky

Comedy/Drama
Comedy/Drama

[Einleitung]
Regisseur John Carroll Lynch arbeitete nach einem Drehbuch des Autoren-Duos Logan Sparks und Drago Sumonja. Vielleicht arbeitete er auch mit dem ältesten Cast, welches jemals das Antlitz eines Sets verschönert hat. Vor der Kamera haben wir es zu tun mit: Harry Dean Stanton, David Lynch, Ron Livingston, Ed Begley Jr., Tom Skerritt und weiteren. Den Film gibt es nun taufrisch, jung sozusagen, aus dem Angebot von AL!VE AG und ich zähle zu den Glücklichen. Jene, die den Titel in Form eines Review-Links sichten konnten. Die Qualität ist am ehesten vergleichbar mit der DVD, der Ton ausschließlich in Englisch. Ich war gespannt und hoffte auf eines dieser kleinen, unbedeutend erscheinenden Film-Stücke, die sich bei genauerer Betrachtung als Juwel entpuppen…

[Inhalt]
Lucky ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen.

Voller lakonischem Humor und Country-Song-Melancholie ist LUCKY eine rührende Hommage an den Hauptdarsteller Harry Dean Stanton, gespickt mit liebenswert, skurrilen Nebenfiguren (u. a. gespielt von David Lynch). Vor der weiten amerikanischen Landschaft inszeniert Schauspieler John Carroll Lynch in seinem Regiedebüt einen poetischen Film, der das Leben feiert. LUCKY wurde auf dem Filmfestival von Locarno mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet und sorgte bei Branche und Publikum gleichermaßen für eine wahre Euphorie.
(Quelle: AL!VE AG)

[Kommentar]
Die Frage, wie sich vielleicht der viel jüngere Darsteller des Film-Opas in seiner Rolle wohl fühlte, stellt sich nicht. Denn Harry Dean Stanton ist Baujahr 1926, damit ist alles gesagt. Er stellt den schrägen, alten Vogel extrem gut dar und man nimmt ihm die Figur des Lucky sehr gut ab. Schrullig, niemals dumm, vielsagend ohne zu sprechen. Das ist Lucky als Sinnbild fürs Altern, für Routine und die Erkenntnis des Abenteuers. Ein Roadmovie ohne Road und doch mit viel Charme und Stil, einer bändigenden Figur und dem Erzähltempo eine vor sich her plätschernden Baches. Man muss da mögen, ich fand es großartig.

Ein wenig wie in „Trees Lounge“ von und mit Steve Buscemi ist das Tempo hier nicht ausschlaggebend, wenngleich Zeit schon einen tiefgreifenden Faktor innerhalb der Erzählung einnimmt. Herrliche Dialoge, die ich mir im englischen Original ansah, mit deutschen Untertiteln. Das war eine gute Erfahrung. Eine langsame Kameraführung zeigt uns den total unspektakulären Alltag des greisen Eigenbrötlers Lucky. Dazu gibt es Musik aus dem mittleren Westen, großartige und simple Klänge füllen die ansonsten staubige und eintönig wirkende Umgebung, durch die Lucky schlendert. Hin und wieder gibt es Situationen und Einstellungen, die ausschließlich von der Optik, den Figuren und ihren Dialogen lebt. Keine Musik, kaum andere Geräusche. Irgendwie echt gut, der Film.

[Technik]
Ich dachte mir schon, dass es in diese Richtung geht. Wir müssen im Hinterkopf behalten, dass wir es mit einem handwerklich betrachtet sehr einfach hergestellten Titel zu tun bekommen. „Lucky“ hat viele ruhige Sequenzen, behäbige Kamerafahrten (durchaus nennenswerter Länge!) und bietet viele Momente ganz allein mit der Hauptfigur. Das ist alles technisch ansprechend gestaltet, stellt eben auch diesen anamorphen 2.35:1-Transfer vor keinerlei nennenswerte Herausforderungen. Das kann der Transfer hier alles einfach so komprimiert abspielen und alle scheinen erst einmal zufrieden. Auch die Kompression haut niemandem vom Hocker, so leistet sie sich jedoch auch keine Makel.

Die musikalische Begleitung erinnerte mich viel, eigentlich durchweg an die Musik eines Westerns. Nur etwas ruhiger, ganz entspannt und wenig weit gefächert im Klang. Höhen, Tiefen, alles wirkt sehr einfach gehalten und doch unheimlich atmosphärisch und wirkungsvoll. Nur wenige Hintergrundgeräusche gibt es, was auch schlichtweg daran liegt, dass wenig im Hintergrund und in der Umgebung von Lucky passiert. Technisch betrachtet gibt sich der Ton im deutschen Format Dolby Digital 5.1 sowie einer englischen Tonspur (getestet), ebenfalls in DD 5.1. Untertitel sind ausschließlich in deutschen Lettern hinzu zu schalten.

[Fazit]
Ich möchte dem zustimmen, was als zweiter Teil unter dem eigentlichen Inhalt des Films oben abgefasst steht. Diese rund 85 Minuten Laufzeit sind sehr wertvoll, sie sind gut gemacht und zeigen eine Geschichte, die das Leben auf ihre Art und Weise feiert. Mit viel Gefühl und tollen Einstellungen und noch besseren Darstellern vergeht die Zeit wie im Fluge. Der Film hat eine FSK von ab 0 Jahren und bietet sich auf einer einseitigen DVD mit einer Schicht (Typ 5). Erscheinungstermin ist morgen, der 3. August 2018 zu einem Preis von rund 14,- Euro. Wer eigenwillige, doch starke Filme mit einem Hauch des Independent Kinos zu schätzen weiß, der wird hier ebenfalls bestens bedient sein.

Andre Schnack, 02.08.2018

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆