Master of the Universe

Dokumentation
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[Einleitung]
Marc Bauder, seines Zeichen deutscher Dokumentarfilme mit dem Fokus auf das globale Finanzwesen, schuf 2013 mit dem Titel „Master of the Universe“ über die Machenschaften von Banken. Ein Ex-Banker, Rainer Voss, bietet Rede und Antwort als ehemaliger Insider der Branche. Die Erkenntnisse und erstaunlichen Kennzahlen sollen hier Platz finden in einer spannenden Dokumentation. Ich konnte die Standard Definition Version des Titels aus dem Streaming Angebot von Netflix genauer anschauen und berichte aus der ersten Hand. Wenngleich ich Dokumentationen schätze, so war ich hier insbesondere gespannt auf die One-Man-Show vor der Kamera.

[Inhalt]
Durch seine Hände gingen Milliarden. Er selbst gerät ins Staunen, wenn er laut über staatliche Rettungsaktionen von Banken nachdenkt. Die Finanzwelt ist zwar gläsern, aber dennoch kaum zu durchschauen. Wer kennt sich schon aus in Finanztheorien? Reichtum, Macht und Herrschaftswissen schließen den Großteil der Bevölkerung aus. Das Jonglieren von unermesslichen Geldbeträgen bleibt einer kleinen Minderheit vorbehalten.

Der deutsche Filmemacher Marc Bauder beschäftigt sich in seinen Filmen immer wieder mit der Welt des Geldes. Sein neues Werk feierte in Locarno gerade Weltpremiere. Darin erklärt der Ex-Banker Rainer Voss eindrücklich das Innenleben von Banken. Bauder stellt die richtigen Fragen, gibt sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Sein Film ermöglicht glasklare Einsichten ins Finanzwesen. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, obwohl die Fakten alle bekannt sind.

Rainer Voss berichtet von seinem eigenen Aufstieg in den 1980er Jahren, zeitgleich mit den Banken. Der ehemalige Investmentbanker weiß, wie es sich anfühlt, »Master Of The Universe« zu sein, sehr viel Geld zu verschieben und daran selbst viel zu verdienen. Er kennt das geschlossene System von innen, war lange Zeit ein Teil davon…
(Quelle: Good Movies)

[Kommentar]
„Master of the Universe“ bietet teils nüchterne Aufnahmen. Eine angehaucht melancholische Musik begleitet das Geschehen. Viele Informationen, während die Kamera zum Beispiel über einen leeren Trading-Floor einer Bank streift, kommen zu Tage. Interviews sind die tragende Säule dieser Dokumentation. Und immer wieder mal eine Momentaufnahme der gigantischen Bankbauten und Expansionen, Veräußerungen, Zukäufen und und und. Leicht mahnend, denn die Sinnhaftigkeit dieses Systems wird durch die überwiegend interessante Informationsvermittlung infrage gestellt und der Zuschauer beginnt mit dem Nachdenken.

Der Einfluss verschiedenster Faktoren führte dazu, was wir heute in der Finanzwirtschaft erleben. Rainer Voss spendet dabei wertvolles Wissen, was mir bisher unerschlossene Zusammenhänge nahe brachte und aufzeigte, worin die ursprünglichen Herausforderungen eigentlich genau zu suchen sind, wenn wir sie nicht bereits alle schon kennen, nur eben nichts gescheites damit anstellen. Die Finanzwirtschaft hat die Realwirtschaft mittlerweile überholt, mit immens schlechten Auswirkungen. Und ein probates Gegenmittel ist noch gar nicht recht gefunden. Diese Entwicklung ist schlecht, wir sehen es praktisch jeden Tag in den Nachrichten.

[Technik]
„Master of the Universe“ ist keinesfalls das, was wir unter Blockbuster verstehen würden. Zwar war so auch keinesfalls meine Erwartungshaltung, jedoch hätte es hier und dort noch etwas mehr Qualität sein können. Die überwiegend künstlich ausgeleuchteten Sets sind meist echte Mietflächen von Banken oder eben Institutionen dieser Branche. Wenn wir Menschen zu Gesicht bekommen, so meist Herrn Rainer Voss. Das alles schaut gut aus, hat allerdings auch kaum Anforderungen zu erfüllen. Wenig Bewegungen, dafür eine hohe Bildruhe. Die Kantenschärfe ist in Ordnung, der Detailgrad ist solide und Rauschen oder Fehler und Kompressionsartefakte gibt es nicht.

Dolby Digital 5.1 Ton in deutscher Sprache. Das war es dann aber auch schon, wenn es um die Aufzählung der technischen, gebotenen Möglichkeiten geht. „Master of the Universe“ ist technisch weniger anspruchsvoll, zumeist spricht lediglich eine Person in einem berichtenden und beantwortenden Modus. Wenn es Fragen vom Filme-Macher gibt, so ertönt diese spürbar aus dem Hintergrund. Alles in allem ist das akustische Angebot in Ordnung. Richtig nennenswert hingegen auch nicht, da keine nennenswerten Surround-Einlagen stattfinden. Wie jedoch auch angesichts des Themas. Fehler oder andere Besonderheiten trete nicht auf.

[Fazit]
Mit „Master of the Universe“ erschien eine sehr interessante und mit Sicherheit etwas gefärbte Dokumentation mit einem kritischen Blick auf die Finanzwirtschaft, weltweit. Rainer Voss mit seinen Berichten anzusehen fasziniert und seine Lehren und die gewonnene Transparenz wirkt zum Teil auch sehr düster auf einen selbst. Wir alle sind gewissermaßen Bestandteil dieses Systems, und dieses System verheisst nichts gutes. Die Laufzeit bemisst sich auf rund 88 Minuten und findet Platz im Angebot des Netflix Programms. „Master of the Universe“ hat eine Altersfreigabe gemäß FSK von ab 0 Jahren, richtet sich jedoch an ein reiferes Publikum.

Andre Schnack, 07.04.2015

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆