[Inhalt]
Los Angeles, 2019: Deckard (Ford), ein alter Bladerunner
der L.A. Polizei will aus dem Geschäft. Bladerunner sind Sonderkommandos
der Polizei, sie jagen Replikanten, künstliche Lebensformen,
und ziehen diese aus dem Verkehr, falls sie Probleme bereiten.
Die Technik schritt in den vergangenen Jahren weit fort und
die Replikanten haben einen Grand erreicht, an denen sie äußerlich
sowie geistig nicht mehr von natürlichen Menschen zu unterscheiden
sind. Lediglich der Umgang mit "richtigen" Menschen
anderen kann sie verraten, da sie keine Erfahrungen mit Gefühlen
haben. Ihre Erinnerungen stammen von anderen Menschen und
wurden ihnen künstlich eingepflanzt; Replikanten leben nicht
lange, ihre "Betriebszeit" wurde genetisch vorbestimmt,
als Sicherheit sozusagen. Dank der Schwäche mit Emotionen
können sie mit dem Voight-Kampff-Test entlarvt werden. Deckard
wird auf einen besonderen Fall angesetzt, eine üble Sache:
mehrere Haut-Jobs, eine Volksbezeichnung für Replikanten,
haben sich selbständig gemacht. Replikanten ist der Aufenthalt
auf der Erde untersagt, sie werden für Drecksarbeiten außerhalb
auf Minenplaneten und anderen unangenehmen Arbeiten eingesetzt.
Die besagten Reps kaperten einen Transporter und kamen
so auf die Erde, sie töteten dabei einige Menschen. Deckard
soll sie finden und aus dem Verkehr ziehen. Einer der besagten
künstlichen Lebensformen ist Roy Batty (Hauer), er ist ein
Nexus, daß am weitesten entwickelte Model. Roy weiß nicht
wie viel Zeit er noch hat und er will leben! Deshalb sucht
er einen Weg um seinen Schöpfer heimzusuchen, Dr. Eldon Tyrell
(Joe Turkel). Deckard sammelt Spur für Spur und ist den gefährlichen
Haut-Jobs auf den Fersen, macht sonderbare Bekanntschaften
und deckt verblüffende Fakten auf...
[Kommentar]
An "Blade Runner" ist einiges besonders. Er zeigt
die Dinge aus verschiedenen Sichten unterschiedlicher Personen,
sehr tiefgehend und philosophisch. Wo andere Filme mit Action
und Spannung durch Ekel den Zuschauer fesseln (Alien)
oder beinahe schon fast verwirrende, psychedelische Szenen
liefern (2001), bleibt "Blade Runner" trotz hohen
Anspruchs und einer ausgefeilten und intelligenten Story recht
überschaubar. Die umfangreiche Handlung bleibt aber nur in
der Directors Cut-Version so richtig durchsichtig. Nicht
nur der tiefgreifende Hintergrund mit den vielen Fragen zur
Ethik und der Menschlichkeit machen den Film zu dem was er
ist, denn zudem besitzt er eine ganz eigene Stimmung. Die
Atmosphäre, die durch den ständigen Regen, die dunkle Umgebung
und die allgemein häßliche Umwelt entsteht, hat einen sehr
melancholischen Charakter. Den richtigen Schliff bekommt das
Geschehen vom genialen Soundtrack von Vangelis. Natürlich
leistete aber auch Ridley Scott exzellente Dreh-Arbeit und
setzt mit sagenhaften Aufnahmen die trostlose Welt des Klingenläufers
in Szene. Ein Film der fesselt und zum Nachdenken anregt,
außerdem spielt er mit der Entwicklung und den Folgen der
Technik und Wissenschaft. Er offenbar grausame Vorstellung
einer Welt, in der keiner sicher sein kann, ob er wirklich
ein Mensch ist. Er präsentiert eine Welt, in der Leben an
Bedeutung verloren hat.
[Technik]
Sehen wir uns die Code1-Scheibe vom technischen Aspekt an,
so enttäuscht sie keineswegs. Für das hohe Alter bietet sie
ein wirklich gutes Bild. Zwar hält es in Schärfe, Farbsättigung
und Kontrasten nicht mit aktuellen Filmen mit, so glänzt es
trotzdem in klaren anamorphischen 2.35:1. Die öfter auftauchenden
Kompressionsartefakte und kleinen Bildstörungen tun dem Filmgenuß
kaum Abbruch. Die etwas blassen Farben passen sogar prima
zum ganzen Milieu des Films, vielleicht war die nüchterne
Farbsättigung auch gewollt. Neben der 2.35:1-Version befindet
sich noch eine 4:3-Fassung auf der anderen Seite der zweiseitigen
Single-Layer-Disc.
Der Soundtrack der Scheibe spiegelt auch
das schon recht hohe Alter des Films wieder, er ist leider
nur in Dolby Digital 2.0 abgemischt und ausschließlich auf
englisch vertreten. Trotz der geringen Nutzung des Surround-Kanals
entsteht eine lebendige Geräuschkulisse, die gute Filmmusik
tut ihr übriges. Untertitel sind auf englisch, französisch
und spanisch vertreten.
[Fazit]
Mit "Blade Runner" verkauft Warner Home Video einen
brillianten Film in einer angestaubten DVD-Version. Schade
das nur der Film auf der Disc ist, Bonusmaterialien sind nicht
vertreten. Lediglich kurze Informationen zur Cast&Crew
können über das schlichte Menü eingesehen werden. Der Endzeit-Thriller
läuft 117 Minuten und kostet knappe 60,- DM (25$ Listenpreis).
Ridley Scotts Epos gehört in jede gute Hausvideothek,
auch wenn man ihn schon auf VHS sein Eigen nennt, so darf
bei der DVD-Fassung bedenkenlos zugegriffen werden. Die Version
auf dem Medium der Zukunft sieht gut aus und hört sich ebensogut
an, ein besserer Bladerunner ist momentan nicht käuflich.
Urteil: sehr empfohlen!
Andre Schnack