Talk Radio

Drama
Drama

[Einleitung]
Oliver Stone-Filme sind Geschmackssache, keine Frage, wie alle Filme. Doch ich bin der Meinung, dass es sich definitiv um überwiegend hochwertige und meist gute Produktionen handelt. Da mag natürlich eine sehr künstlerische und viel geschätzte Vision wie „Natural Born Killers“ eine Ausnahme darstellen. Wie dem auch sei, mit dem Titel „Talk Radio“ erschien 1988 ein mit düsterer Stimmung anmutender Film über das Leben eines Radio-Sprechers. Das Skript schrieben Eric Bogosian und Oliver Stone. In den Hauptrollen des Dramas können Eric Bogosian, Ellen Greene, Leslie Hope, John C. McGinley und Alex Baldwin gesehen werden. Wir konnten uns die DVD aus dem Programm von universumfilm genauer anschauen und berichten.

[Inhalt]
Der meistgehasste Radio-Moderator Barry Champlain (Eric Bogosian) geht bis an die Grenze und schafft sich zahlreiche Feinde. Barry ist der König des „Konfrontationsradios“, einer aggressiven, provokativen Nacht-Talkshow in der Barry gegen alles und jeden zu Felde zieht. Die Einschaltquoten seiner Show sind derart hoch, dass ein namhafter Sender, der sein Programm landesweit ausstrahlt, die Sendung kaufen will. An diesem Abend häufen sich die Drohanrufe, ein Studiogast erweist sich als Psychopath, Barry scheint die Kontrolle zu verlieren. Seine Ex-Frau Ellen (Ellen Green) ruft an und gesteht ihm ihre Liebe. Der Moderator aber gewinnt neue Kraft allein dadurch, dass er sie vor den Kopf stößt und zurückweist. Er beendet die Sendung erfolgreich, doch auf dem Parkplatz, vor der Fahrt nach Hause, lauert ihm ein fanatischer Hörer auf.
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Man könnte sich beim Lesen der Inhaltsangabe an einen Film mit dem Titel „König der Fischer“ erinnern, der in einigen Merkmalen Analogien aufweist. Auf der anderen Seite handelt es sich um die eigensinnige Geschichte eines etwas anderen Mannes, die so gar nicht mehr zu „König der Fischer“ passt. Der hier vorliegende Oliver Stone-Film weist nicht nur durch seine klasse Kameraarbeit Qualitäten auf, sondern besticht vor allem durch einen glaubhaften, sehr guten Hauptdarsteller und den ebenfalls gut besetzten Nebenrollen. „Talk Radio“ erzählt die Geschichte eines Großmauls, dass sich wörtlich in den Tod redet. Apropos, neben einem Schauspiel diente auch das Buch „Talked To Death: The Life And Murder Of Alan Berg“ von Stephen Singular als Vorlage. „Talk Radio“ entstand somit entfernt auf der Basis einer tatsächlich eingetretenen Geschichte.

Dem Thriller wird leider etwas an Spannung dadurch geraubt, dass der Titel des Buchs, welches als Vorlage diente, bereits den Ausgang erraten lässt. Ferner gestaltet sich der Pressetext der Inhaltsangabe ebenfalls sehr aufschlussreich, was das Ende des Films angeht. Allerdings schafft Stone es dennoch eine spannende Geschichte aufzubauen. Was letztlich daraus resultiert, dass wir mit den freakigen Anrufern und den durch die Großstadt „versauten“ Hauptpersonen konfrontiert werden und so eine leicht beklemmende Atmosphäre entsteht. Figur Champlain schürt diese knisternde Spannung mit seiner Umgangsform und ist das Öl im Feuer. Wenngleich einem die Themen des Plappermauls – Kritik an der Politik, Rassismus und den Schwächen anderer – nicht gefallen, so bietet der Film ein plastisches Bild eines deutlichen Charakters.

Die Umsetzung gelang sehr gut. Immer wieder haben wir es mit sehr dunklen Einstellungen zu tun. Es scheint, als würde Barry ausschließlich inmitten tiefer Nacht arbeiten. Das Studio, die Außenaufnahmen und auch der Rest wirken in der Gestaltung schlüssig und der Stimmung des Films zuträglich. Bei der Auswahl der Darsteller bewies das Produktionsteam ebenfalls ein glückliches Händchen. Das Augenmerk bei der Ansicht von „Talk Radio“ sollte auch der wirklich guten Kameraarbeit zugehen, denn sie wirkt aufgrund zahlreicher Innenraum-Einsätze und einem teils dynamischen Schnitt sehr frisch. Ein weiterer interessanter Aspekt im Inhalt: Barry nimmt viele der für die Geschichte relevanten Informationen während einer Radio-Übertragung auf, andere erhält er z.B. per Post, ebenfalls während er „on air“ ist.

[Technik]
„Talk Radio“ ist schon ein paar Jahre alt, um genauer zu sagen ganze 17 Lenze, und zeigt uns eigentlich traurigerweise, wie Filme auf DVD nicht aussehen sollten. Denn der hier präsentierte 1.78:1-Transfer hat eigentlich nichts mit dem DVD-Medium zu tun, bis auf die anamorphe Codierung des Bilds. „Talk Radio“ wird durchgehend von einem starken, dynamischen Rauschen gestört. Immer wieder gibt es auch stehende Rauschmuster. Ob hier die bestmögliche Vorlage zur Produktion der DVD zum Einsatz kam mag ich nicht zu beantworten, allerdings ist das Ergebnis in Form dieses Bilds nun wirklich nicht schön. Unscharf und mit starker Körnung behaftet kann kein Blumentopf gewonnen werden. Der Kontrast geht in Ordnung, doch durch das starke Rauschen verschwimmen auch immer wieder die Konturen und die Detailzeichnung leidet sehr. Schade.

Tontechnisch stellt sich „Talk Radio“ ebenfalls nicht gerade als vorbildlich dar. Zwar liefert man einen Dolby Digital-Ton mit zwei Kanälen, doch kann keine nennenswerte Räumlichkeit entstehen. Der Dolby 2.0-Sound beschränkt sich stark auf die Lautsprecher-Front und die Sprachausgabe. Jene kann wahlweise in deutscher Synchronfassung oder im englischen Originalton angehört werden. Verständlichkeit ist gegeben, nur selten schwindet etwas Sprachqualität zugunsten der restlichen Ton-Elemente, wie den zögerlichen Hintergrundgeräuschen und der adäquaten musikalischen Untermalung. Man kann zufrieden sein, sollte die Ansprüche jedoch nicht zu hoch ansetzen. Untertitel blendet man wahlweise in deutscher Sprache für Hörgeschädigte ein.

[Fazit]
„Talk Radio“ stellt vom Inhalt her eine gute Geschichte dar. Professionell umgesetzt besticht der Film auch durch seine gute Kameraarbeit auf einer Lautzeit von insgesamt rund 105 Minuten. Platz gefunden hat die ganze Geschichte auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Leider kommt es bei dieser Erscheinung nicht nur im technischen Segment bei der Bild-Darstellung zu Abstrichen, sondern auch die Extras-Ausstattung schaut mehr als mau aus. Vorzufinden sind über das sehr einfach gehaltene Menü lediglich 7 Trailer zu weiteren DVD-Erscheinungen aus dem Hause universumfilm. Mehr gibt es nicht auszumachen. Wer darüber hinwegsehen kann und sich auf eine unzureichende, visuelle Darbietung einlässt, der kann seit dem 24. Oktober diese ab 16 Jahren freigegebene DVD im Handel erwerben.

Andre Schnack, 22.11.2005

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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