The Blair Witch Project

Horror/Thriller
Horror/Thriller

[Einleitung]
„The Blair Witch Project“ gehörte 1999 nicht nur den Kinoüberraschungen schlechthin. Vielmehr war der Film und der um ihn erschaffene Mythos, gekonnt durch die modernen Medien inszeniert, in aller Munde. Für die jungen Macher des Werk zahlte sich das aus, der Film wurde ein großer Erfolg. Nun erscheint endlich die DVD-Fassung des Horrorstreifens in Deutschland als Code2-DVD von Kinowelt. Das Gimmick an der hier getesteten Special Edition: sie beinhaltet exklusiv die DVD-Fassung des Films „The Last Broadcast“, die einzeln nicht zu erwerben ist.

[Inhalt]
Die drei jungen Filmstudenten, Heather Donahue (Heather Donahue), Michael C. Williams (Michael Williams) und Josh Leonard (Joshua Leonard) planen ein gemeinsames Projekt im Rahmen ihres Studiums: sie wollen eine Dokumentation über die Legende der Blair-Hexe drehen. Schauplatz ist Maryland, Burkittesville, nahe des Black Hill Walds. Hier soll angeblich einst eine Hexe für Tote und Leid gesorgt haben, die Legende berichtet über zahlreiche merkwürdige Vorkommnisse. Die Drei machen sich auf, ausgerüstet mit zwei Kameras und einem DAT-Recorder sind sie fest entschlossen dem Mythos der „Blair Witch“ auf die Spuren zu kommen. Erst befragen sie die örtliche Gemeinde und einige sich außerhalb des Orts aufhaltende Bewohner der Gegend. Schließlich schnüren sie ihre Überlebensausrüstung und schlagen Richtung tiefer Wald ein!

Abgeschlossen von der Außenwelt und jeder Zivilisation dringen sie immer weiter in die grünen Weiten um Burkittesville. Jeder Schritt, jeder Ton und jede Aktion wird auf Band aufgenommen. Anfänglich noch spaßig stellt sich das Unternehmen leider als Alptraum heraus, besonders die Nächte jagen den jungen Filmern Angst und Schrecken ein. Schließlich verliert die Truppe die Orientierung, verläuft sich und taucht nie wieder auf! Was geschah in den Wäldern? Spuckt es dort wirklich? Ein Jahr später werden die Aufnahmen gefunden, das Resultat: „The Blair Witch Project“.

[Kommentar]
Wenn man von diesem Film, dieser „Dokumentation“, spricht, so kommt man nicht darum herum, auch den ganzen Mythos um die „Blair Witch“ zu erwähnen. Geschickt und gut positioniert veröffentlichte man unter der eigenen Website (www.blairwitch.com) schon Monate vor dem Kinostart Filmschnipsel und eine ganze Menge Hintergrundwissen. Letzteres wurde sehr bedacht und sorgfältig entwickelt, dabei ist zu bedenken: nichts an und um die Blair Witch ist auch nur im Geringsten der Wahrheit entsprechend! „The Blair Witch Project“ ist als ganzes zu sehen, es handelt sich nicht nur einfach um einen sehr gelungenen Horrorfilm, sondern um ein Phänomen. Die Geschichte und der Verlauf sind nicht unbedingt spektakulär, doch die Machart und der Stil sind einfach grandios. Durch die typischen Aufnahmen im Stile einer Dokumentation bekommt der Film einen sehr eigenen Charakter und Charme, an jeder Aufnahme haftet tatsächlich vermeintliche Authentizität. Das Werk kommt gänzlich ohne Special-Effects aus, es lebt gerade von den qualitativ „schlechteren“ Aufnahmen und schreibt sich so noch mehr Wert zu. Das Ziel des Films ist keine pure Unterhaltung, eher tendiert der gruselige Spuck in Richtung psychologische Einschreckung und Horror. Trotz der Tatsache, dass man oft praktisch kaum etwas zu sehen bekommt, scheint das spukende Böse existent! Ein sehr besonderer Film mit einer besonderen Entstehungsgeschichte und Werbekampagne. Absolut sehenswert.

Exzellente Technik
Exzellente Technik

[Technik]
Technisch muss man diese DVD aus einem ganz anderen Punkt als gewöhnlich betrachten. Denn aus dem größten stilistischen Mittel des Films, dem Dokumentationscharakter, ergeben sich verständlicherweise starke Einbussen in Sachen Bild und Tonqualität im Vergleich zu anderen aktuellen DVD-Titeln. Insbesondere die visuelle Darbietung lässt sich mit gigantisch aufgepeppten Blockbusterneuerscheinungen auf DVD kaum vergleichen. Für die Umstände und die eingesetzten Mittel wird allerdings eine sehr hohe Qualität geboten, mehr ist aus der 16mm- bzw. Hi8-Kamera mit Sicherheit nicht herauszuholen gewesen. So weißt das 4:3 Vollbild (1.33:1) rundum entsprechend gute Werte auf, die Schärfe, der Kontrast und die Natürlichkeit der Farbaufnahmen überzeugen. Fehler wie Kompressionsartefakte oder andere Einbussen treten nicht auf.

Zum Bild gesellt sich der passende Ton. Zwei Soundtracks werden geliefert: der englische Originalton, abgemischt in Dolby Surround; und der deutsche Ton, abgemischt im Dolby Digital 5.1-Format. Einen großartigen Effektehagel bekommt der Betrachter selbstverständlich nicht geboten, stattdessen jedoch einige sehr wohl platzierte und sehr gut abgemischte, direktional angesteuerte Surroundeffekte. Generell lässt sich der Ton gut hören, besonders die klare und deutliche Sprachausgabe vermag zu überzeugen. Deutsche Untertitel sind optional einzuschalten.

[Fazit]
Insgesamt leistet die DVD von „The Blair Witch Project“ eine rundum gute Darbietung, visuell sowie akustisch. In Anbetracht des Ausgangsmaterials eine gute Leistung. Zuviel Nachbearbeitung wäre bei diesem Film, der gerade von seinem Doku-Charakter lebt, sicherlich auch fehl am Platze. Die einseitige Dual-Layer-Disc mit dem rund 78 minutenlangen Gruselfilm bietet auch inhaltlich noch einige Überraschungen. Das Menü der Disc wurde teilweise mit Sound unterlegt und bietet durch eine durchdachte Struktur rasch Zugriff auf alle Optionen, unter den Special Features befinden sich: ein Audiokommentar mit dem Regisseur und dem Produzenten, ein Interview mit Daniel Myrick und Eduardo Sanchez, neu entdecktes Filmmaterial, eine Dokumentation über den Blair Witch-Kult namens „Curse of the Blair Witch“, drei Kinotrailer, zusätzliche Hintergrundinfos und ein DVD-ROM Bereich mit Weblinks. Zusammen mit der DVD „The Last Broadcast“ erscheint diese Special Edition zu einem Preis von sehr fairen 59,95 DM in einem schmucken Sammelschuber. Sie wird am 09. Mai veröffentlicht. Die Rechnung der Macher von der Blair Witch ging auf – der Film wurde sehr erfolgreich. Die Rechnung der DVD-Spezialisten bei Kinowelt wird ebenfalls aufgehen, denn dieses Set hat das Zeug zum Hit! Empfehlenswert.

Andre Schnack, 07.05.2000

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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