Virunga

Dokumentation
Dokumentation

[Einleitung]
Offen gestanden schaue ich mir sehr gerne Dokumentarfilme an. Auch darf es dabei um globale Themen gehen, deren Brisanz der Menschheit offenkundig nicht ganz klar ist. Was ich nicht wirklich gerne mag sind Sendungen, die das Leid von Tieren thematisieren. Doch gehört das eben auch dazu, es gehört zum Menschen, da er so handelt. In „Virunga“ geht es um Afrika, Berggorillas und den Umgang des Menschen mit diesem wunderbaren Tier und seinem Lebensraum. Ich konnte mir diese 2014 produzierte Dokumentation aus dem Streaming-Programm von Netflix genauer anschauen und berichte über das Werk von Regisseur Orlando von Einsiedel.

[Inhalt]
„Rebellen, Wilderer, Ölunternehmen – der Berggorilla hat viele Feinde, doch nur einen einzigen Freund: die Parkranger.“ – wie bitter ist denn das? Diese Berggorillas stellen keine natürliche Gefahr für uns – den Menschen – dar. Doch es ist alles gesagt, wenn wir die drei erstgenannten Begriffe lesen, den Rebellen, Wilderer und Ölunternehmen sind Bestandteil des weltumspannenden und sehr unausgewogenen Wirtschaftssystems, welches wir nett formuliert Kapitalismus nennen. Darum geht es letztlich auch in „Virunga“. Auf der Suche nach Antworten und vielleicht Lösungen.

[Kommentar]
„Virunga“ beschäftigt sich mit einem sehr wenig populären Thema, obwohl es nach wie vor aktuell ist. Die Folgen korrumpierter politischer Systeme, Jahrzehnte lange Gewalt und bürgerkriegsähnliche Zustände. Fehlendes Augenmaß im Umgang mit der Natur und und und. Zahlreiche Gründe führen zu dem Ergebnis, welches „Virunga“ uns zeigt. Am Ende sterben Tiere aus und Menschen machen damit auf irgendeine Art und Weise Profit. So sind eben Menschen. Könnte man meinen und das Thema rasch abhaken. Darum geht dieser Dokumentarfilm schon sehr genau auf einige Details ein, denn so einfach abzuhaken ist das alles nicht.

Wir sehen also im großen und ganzen eine Dokumentation über Gorillas, jedoch auch eine Sendung, die sich mit Krieg auseinandersetzt. Krieg, wie wir ihn in vielen afrikanischen Staaten in einer Gewalt zu sehen bekommen, die bemerkenswert ist. Die Machart ist dabei das, was ich als Old School bezeichnen würde. Typische Elemente einer Dokumentation kommen hier zum Einsatz, unabhängig des gewählten Themenkomplexes. Und letztgenannter ist kein leichter hier. Denn geht es doch darum anderen verständlich zu machen, wie tiefgreifend und umfassend die Probleme dieser Länder sind. Und das der Tierschutz da dann zu kurz kommt, ist praktisch schon eine menschlich-logische Reaktion. Das trägt dann zum Teil dramatische Früchte und tragische Entwicklungen nehmen ihren Lauf.

[Technik]
Technisch gibt sich er 1.78:1-Transfer ganz gut und überzeugt uns mit sehr authentischen Bildern. Allerdings muss man auch festhalten, dass die Standard Definition-Aufnahmen nicht derart detailliert ausfallen, wie ich mir das eigentlich gewünscht habe. Liegt aber ganz oft einfach darin begründet, dass wir Materialien vor die Augen bekommen, die wirklich schon einige Jahre auf dem Buckel haben und auch nicht unter den besten Umständen entstanden sind. Rauschen und Verunreinigungen sind in den aktuelleren Bildern nicht auffallend. Kontrast und Farbgebung sind soweit in Ordnung und Kompressionsartefakte treten nicht auf.

Ton gibt es im Untergrund oftmals in der Originalsprache sein, was allerdings nicht zwangsläufig englisch bedeutet. Davon ab ertönt dann im Overlay eine deutsche Synchronfassung, wahlweise auch Englisch oder Spanisch. Gleich zehn Untertitelspuren sorgen für mehr Aufschluss, wenn dies gewünscht ist. „Virunga“ ist eben eine Dokumentation, und da kommt es vorrangig auf die Sprachausgabe als Transportmittel für die Informationen an. Davon ab kann der Ton mit einer stimmungsvollen Musik aufwarten, was der Atmosphäre zusätzlichen Schub verleiht. Rauschen oder Fehlbildungen sind nicht mit dabei.

[Fazit]
Mit solchen Dokumentationen sammelt man nicht nur Freunde. Denn viele haben ein Interesse daran, dass sich die Situation nicht verändert. Die Gorillas ziehen dabei natürlich bedingt stets den kürzeren. In „Virunga“ wird auf rund 100 Minuten Laufzeit dargestellt, wie es hinter den Kulissen aussehen kann und das nicht nur Ignoranz gegenüber diesen wunderbaren Tieren ein treibender Grund dafür ist, dass sich nach und nach die Bestände dieser Wesen reduzieren. „Virunga“ erscheint als Netflix Dokumentarfilm online. Das Streaming-Produkt entspricht weitgehend den gestellten Erwartungen und begeistert inhaltlich, wenngleich es auch sehr traurig, aufwühlend und tragisch ist, was wir hier vor die Augen bekommen.

Andre Schnack, 09.06.2015

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★☆☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆