Les Misérables – Gefangene des Schicksals

Drama
Drama

[Einleitung]
Gleich nach „Balzac“ erscheint auch – nahezu im gleichen Atemzug – die nächste großangelegte TV-Produktion in Form einer Mini-Serie als DVD-Version, dieses Mal als umfassendes 2 DVD-Set: „Les Miserables“ von Regisseur Josée Dayan. 2000 wurde der Vierteiler abgedreht, in den Hauptrollen sind Gérard Depardieu, John Malkovich, Virginie Ledoyen, Enrico Lo Verso und Charlotte Gainsbourg zu sehen. Wir sahen uns das nahezu 6stundenlange Mammutwerk des berühmten Stück als Film einmal genauer an und nehmen Stellung zu Inhalt, Umsetzung und Ausstattung der DVD.

[Inhalt]
Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Diebstahl eines Brotes wird Jean Valjean (Gérard Depardieu) zum Verhängnis. Er wandert ins Zuchthaus, das er erst nach 20 Jahren wieder verlässt. Valjean beginnt unter anderem Namen ein neues Leben. In einer kleinen französischen Provinzstadt avanciert er zum wohltätigen Bürgermeister. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein in Gestalt von Kommissar Javert (John Malkovich). Javert, der ehemalige Leiter des Zuchthauses, setzt sich zum Ziel, Vajeans wahre Identität ans Tageslicht zu bringen. In dem Kloster von Oberin Mère Innocente finden Valjean und seine Ziehtochter Cosette (Virginie Ledoyen) Unterschlupf. Valjeans Gefühle Cosette gegenüber sind keineswegs mehr nur väterlicher Natur. Doch Cosette, inzwischen zu einer jungen Frau erblüht, verliebt sich in den Studenten Marius (Enrico Lo Verso), der mit seinen Gefährten in Paris die Revolution vorbereitet. Während die politischen Ereignisse sich überschlagen, gehen Valjean und Javert in die letzte dramatische Runde.

[Kommentar]
Nach „Der Graf von Monte Christo“ (1998) und „Balzac“ (1999) erscheint vom gleichen Filmteam die nächste Mini-Serie: „Les Miserables“. Auch hier wird erneut eine spannend und an den Fernsehsessel bindende Geschichte imposant umgesetzt erzählt. Das Drehbuch, erneut von Didier Decoin, bietet aber auch ein paar leichte Durststrecken, in denen der Film etwas an Tempo verliert. Ansonsten hinterlässt das Script einen intelligenten und wohlstrukturierten Eindruck. Die Co-Produktion von 5 Ländern wurde in Frankreich umgesetzt, der Ort, an dem auch die Geschichte stattfindet, und mit einer Vielzahl an französischen Darstellern besetzt. Gérard Depardieu und sein Gegenspieler John Malkovich beweisen Klasse und überzeugen in ihren Rollen auf ganzer Linie. Insgesamt gelang die ganze Umsetzung sehr gut. Von den aufwendigen Sets, über die sehr schönen Kostüme, bis zu den passenden Masken und der entsprechenden Ausleuchtung ist alles vorhanden und hochwertig dazu. Da macht es auch nichts, dass man z.B. praktisch keine Menschenmassen o.ä. zu sehen bekommt. Eine weitere interessante Umsetzung eines wichtigen Literaturstücks.

[Technik]
Die Technik dieser DVDs ähnelt sehr der Leistung von „Balzac“. Auch hier wurde der Bildtransfer wieder im 16:9-Format auf der DVD abgelegt und das Ratio beträgt erneut bildschirmfüllende 1.85:1. Was die Qualitäten des Bildes angeht, so können ebenfalls die Eigenschaften der „Balzac“-DVD zitiert werden. Eine knackige, saubere Farbgebung und ein ausgewogener Kontrast werden hier geboten. Ferner kann auch die Kantenschärfe begeistern, wenn sie vor allem aber in den Außenaufnahmen etwas an Qualität verliert. Das Geschehen wirkt ruhig und weitgehend sauber, nur ein bei plakativen Hintergründen sichtbares leichtes Rauschen kann ausgemacht werden. Etwas störend hingegen: eine gewisse Unruhe, ein Zittern und leichtes Nachziehen der Konturen bei raschen Bewegungen wird wahrgenommen. Zudem scheint das Bild einen leichten Stich ins Blau zu besitzen.

Ton gibt es im Dolby Digital 5.1-Tonformat auf deutscher und französischer Sprache. Zwar herrscht oft Stille auf den hinteren Kanälen, etwas Musikeinspielung und einige Hintergrundgeräusche sorgen aber gelegentlich für Aktivität. Die klare Sprachausgabe erklingt sauber aus dem Center-Speaker. Untertitel gibt es optional auf deutsch und französisch hinzuzuschalten.

[Fazit]
„Les Miserables“ bietet von der technischen Seite nicht gerade eine weltbewegende Leistung, was aber bei einem Film dieser Thematik auch nicht zwingend notwendig ist. Das Bild geht klar und der Ton ist ebenfalls in Ordnung. Das rund 355minutenlange Filmwerk wurde auf zwei DVDs (DVD Typ 9) abgelegt und ab 12 Jahren freigegeben. Die DVDs beinhalten – über das einfach gehaltene Menü zu erreichen – noch folgende Extras: einige Interviews mit den Darstellern, Hintergrundinformationen über Cast & Crew auf Texttafeln, ein Making Of und einige Produktionsnotizen, ebenfalls auf Texttafeln. Das 2 DVD-Set erschien am 17. September zu einem Preis von rund 45,- DM. Wer schon „Balzac“ mochte und etwas auf Literaturverfilmungen steht, der sollte hier unbedingt zugreifen. Alle anderen können ansonsten bedenkenlos eine Proberunde drehen.

Andre Schnack, 02.10.2001

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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