Am Anfang war das Feuer

Adventure/Drama
Adventure/Drama

[Einleitung]
Jean-Jacques Annaud zeigte uns mit „Der Bär“, zu was die Natur in der Lage ist für Bilder und Geschichten zu zeigen und zu erzählen. Das war 1988, und bereits 7 Jahre zuvor drehte der französische Filmemacher mit „Am Anfang war das Feuer“ (Originaltitel: La guerre du feu) einen Film über die ersten Menschen, denen noch kein uns verständliches Wort gelang und dem Feuer hinterher liefen. Jean-Jacques Annaud arbeitete dabei mit Drehbuchautor Gérard Brach zusammen, dessen Arbeit auf einem Roman von J.H. Rosny Sr. basiert. Von Concorde Home Entertainment kommt nun diese Neuauflage des Titels mit 2 DVDs Umfang. Wir konnten uns das Produkt genauer anschauen.

[Inhalt]
Vor 80.000 Jahren befindet sich die Menschheit an der Schwelle zur Zivilisation, erste Siedlungen entstehen, an den Lagerfeuern, die den Menschen Wärme und Schutz bieten, entstehen die ersten primitiven Kulturen. In seinem Oscar-prämierten Abenteuer lässt Regisseur Jean-Jacques Annaud die Steinzeit wiederauferstehen – aufwändig und detailgetreu ausgestattet, authentisch erzählt und spannend inszeniert. Für das bis heute einzigartige Filmprojekt schuf Romanautor Anthony Burgess eigens eine aus hundert Lauten bestehende Urzeit-Sprache, Verhaltensforscher Desmond Morris entwickelte die dazugehörige Körpersprache.

Das faszinierende Meisterwerk des Abenteuerfilms erscheint in der ungekürzten Originalversion und ist ab 26. November 2009 als DVD sowie erstmals auch Blu-ray Disc erhältlich! Beide Versionen enthalten umfassende Bonusfeatures mit einer Laufzeit von mehr als sechzig Minuten, außerdem den großartigen Audiokommentar von Jean-Jacques Annaud, der interessante Einblicke in eine außergewöhnliche Filmproduktion erlaubt und faszinierendes Wissen über den Aufbruch der Menschheit bereit hält.

Vor 80.000 werden drei Männer vom Stamm der Ulam ausgesandt, um Feuer zu finden. Denn die Flamme, die Wärme und Schutz vor wilden Tieren gewährleistete, ist erloschen. Naoh, Amoukar und Gaw werden auf ihrer Suche von Säbelzahntigern, Mammuts und fremden Stämmen bedroht. Sie retten die junge Frau Ika aus den Händen von Kannibalen. Die neue Gefährtin kennt sich in der Kunst des Feuermachens aus und schließlich entwickelt sich eine tiefere Bindung zwischen Naoh und Ika.
(Quelle: Concorde Home Entertainment)

[Kommentar]
Es ist ein Film, in dem im wahrsten Sinne des Wortes die ersten Menschen die Hauptrolle spielen. Geredet wird ausschließlich in einer aus heutiger Sicht allgemein unverständlichen Sprache Stück im gesamten Film. Gestikuliert und gebrüllt hingegen wird sogar mehr, die Prioritäten des damaligen Alltags waren ebenfalls allen klar bekannt und sind der gut erzählten Geschichte abzulesen: es ging ums Überleben, nicht mehr und nicht weniger. Dabei ging so manch einer vor die Hunde (ebenfalls zuweilen im wahrsten Sinne des Wortes…) und erlebte kein sonderlich nennenswertes Alter. „Am Anfang war das Feuer“ berichtet aus Tagen längst vergangener Zeiten über Menschen, deren höchstes Gut eine brennende Flamme darstellt. Natürlich geschieht seit Anbeginn auch gleich der Super GAU, die Flamme erlischt und das Drama beginnt…

Am Ende langt die gebotene Story komplett aus und bietet immerhin viel Spannung und einige befremdlich ehrlich und authentisch wirkend inszenierte Situationen, wie sie das Leben (auch bereits in der Urzeit) so spielen kann. „Am Anfang war das Feuer“ berichtet aus der begleitenden Perspektive im jetzt der Ur-Menschen, Feuer war unheimlich wertvoll und unbedingt zu schützen. Welch Situationen solche Abhängigkeitsverhältnisse mit sich bringen, dass zeigt uns Jean-Jacques Annauds Film sehr klassisch, toll umgesetzt und mit viel Stimmung ausgestattet. Die eingebrachten Mühen und Vorbereitungen kommen durch die guten Extras der Discs zur Wirkung. Dazu jedoch unter dem Fazit mehr.

[Technik]
„Am Anfang war das Feuer“ besticht nicht mit Frische und ist auch nicht mit einer sonderlich nennenswerten Kantenschärfe gesegnet. Es ist eher das Gegenteil der Fall, denn oftmals rauscht es in den anamorphen 16:9-Aufnahmen nennenswert, die 1.85:1-Bilder sind zuweilen recht unscharf und es entsteht nicht immer die Voraussetzung für eine sonderlich gute Bewertung. Wie schade auch, dass neben Rauschen auch die Bilddetails zusehend nicht immer ausreichend und überzeugen können. Alles in allem für einen Film seines Alters eine sehr ordentliche Darbietung, mehr war mit Sicherheit nicht aus dem Material heraus zu holen. Zu Zeiten der High Definition-Offensive und den Blu-ray Discs hingegen eine eher als durchschnittlich zu bewertende Leistung, was nicht am Einsatz des Veröffentlichers liegt, sondern auf das MAterial zurück zu führen ist.

Was soll ich zum Ton schreiben. Es handelt sich technisch betrachtet um Sound im Format DTS und Dolby Digital 5.1-Format, zur genutzten Sprache (sehr alt) geben die Bonusmaterialien mehr Aufschluss. Somit beschränkt sich die verständliche tonale Abbildung weitgehend auf die Hintergrundgeräusche und die musikalische Begleitung. Beiden gebührt fortan intensiveres Augenmerk, denn die Ohren konzentrieren sich auf den Rest des Programms. Der geht weitgehend in Ordnung, haut jedoch keinesfalls vom Hocker. Es bleibt beim Standard. Untertitel: keine vorhanden.

[Fazit]
Es bleibt ein leicht fader Beigeschmack. Denn das, was sich angekündigt anfühlte wie eine komplett restaurierte und wundersam ausgestattete Sonder Edition entpuppt sich als aufgewärmte Neuauflage inmitten des Jahresendgeschäfts. Doch das hat Gründe und für Fans des Werks soll dies kein verhinderndes Urteil sein, denn sie werden durchaus zufrieden gestellt. Die Laufzeit des Titels auf der einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) bemisst sich auf rund 96 Minuten, eine weitere Stunde füllt das Bonusmaterial, welches sich aus den folgenden Features zusammensetzt:

– Audiokommentar von Jean-Jacques Annaud
– Interview mit Jean-Jacques Annaud
– Original-Kinotrailer
– Making-of
– Programmtipps

Das ganze Programm ist sehr fixiert auf den Regisseur als Person im künstlerischen Sinne. Dies stört mich beispielsweise gar nicht, kann jedoch den Spaß reduzieren, da zu hohe Erwartungen unerfüllt bleiben. „Am Anfang war das Feuer“ besitzt in dieser Fassung zwei Discs, auf der ersten den Hauptfilm und auf der zweiten Disc die vorgenannten Extras. Insbesondere der Audiokommentar (ich hörte ihn noch nicht in seiner kompletten Laufzeit) ist ausgesprochen informativ und unterhaltsam. Erscheinungstermin der ab einer Altersstufe von 16 Jahren freigegebenen DVD war der 26. November 2009. Der Preis liegt bei 15,- Euro. Wer den Klassiker mag, der sollte sich dieses 2 Disc Set genauer anschauen.

Andre Schnack, 12.01.2010

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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