Departed – Unter Feinden

Crime/Drama/Thriller
Crime/Drama/Thriller

[Einleitung]
Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich in während der Oscar-Verleihung 2007 Zeuge wurde, wie Martin Scorsese – endlich – seinen verdienten Oscar erhielt. Es war kein Oscar für „Departed – Unter Feinden“ (Originaltitel: The Departed), zumindest nicht für ihn und seine Fans, sondern die wohlverdiente und ausstehende Auszeichnung für einen der besten amerikanischen Filmemacher überhaupt. Neben „beste Regie“ wechselte auch für das „beste adaptierte Drehbuch“ von William Monahan eine Trophäe zu ihrem neuen Besitzer. Man bedenke dabei, dass es sich bei „The Departed“ um kein grundsätzlich neues Drehbuch, sondern um ein Remake des 2002 Hong Kong-Thrillers „Infernal Affairs“ (Originaltitel: Mou gaan dou). In den Hauptrollen des neuen Martin Scorsese Meisterwerks sind Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Martin Sheen und Mark Wahlberg zu sehen. Wir gingen undercover und berichten.

[Inhalt]
In South Boston hat die Polizei dem organisierten Verbrechen den Krieg erklärt. Um an den Unterwelt-Boss Costello (Jack Nicholson) heranzukommen schleusen Sie den jungen Polizisten Billy (Leonardo DiCaprio) in seinen Clan ein. Noch ahnen Sie nicht, dass sich in eine ihrer Eliteeinheiten Colin Sullivan (Matt Damon), ein Handlanger Costellos eingeschlichen hat. Bald wird beiden Seiten klar, dass sich Maulwürfe in Ihren Organisationen befinden. Colin und Billy versuchen so schnell wie möglich den anderen zu entlarven um ihre eigene Haut zu retten.
(Quelle: Warner Home Video)

[Kommentar]
Michael Mann erzählt uns mit seinem „Heat“ die Geschichte über die Besessenheit einer Sache, eines Ziels. Eine Geschichte über Figuren auf beiden Seiten des Gesetzes, kriminell und pflichtbewusst – doch stets extrem. Martin Scorsese nimmt „The Departed“ ein ähnliches Thema auf, verpackt es als Mauwurfsgeschichte mit vielen gut vorbereiteten Täuschungen und schafft damit das Erreichen von gleich mehreren Zielen. A.) „The Departed“ erzählt eine absolut spannende Geschichte, was die zweite Hälfte des Mammut-Werks angeht. B.) Mr. Scorsese zeigt erneut, wie sicher er sich im Metier von Mafia, Untergrundorganisationen und der Polizeiarbeit auskennt. C.) Er führt ein grandioses Ensemble wahnsinnig gute Darsteller auf und es gelingt ihm eine knisternde Atmosphäre voller Chemie und Authentizität zu erzeugen. All das zahlt in die Wirkung von „Departed“ ein und rühmt seine Arbeit.

„The Departed“ versteht auf vielen Ebenen zu überzeugen, wenngleich er sich einem grundsätzlichen Thema widmet und dieses über die gesamte Laufzeit auch nicht aus den Augen verliert. So fiebert der Betrachter stets mit, wie es mit Billy und Colin weitergeht, ob der fiese Costello seine Quittung erhält und wer wie und wann wo auffliegt. Der Stress der Figuren, ihr Pflichtbewusstsein, ihre innere Einstellung, die Ängste und Hoffnungen werden plastisch und intensiv genug transportiert. Allen voran durch die allesamt wunderbaren schauspielerischen Leistungen, welche den Schluss aufkommen lassen, dass nicht jedermann seines Glückes Schmied ist, sondern das man eben das ist, was man ist. Doch sollte dies eine der ausgerichteten Ziele des Films sein? Oder geht es eher um den authentischen Schulterblick in gefährliche und notwendige Polizeiarbeiten?

Erinnern wir uns an Werke à la „The GoodFellas“ oder „Casino“, so erkennt man Scorseses beinahe schon leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem organisierten Verbrechen in seinen Geschichten. Und es sind tatsächlich genau die Erzählungen, die vielen Menschen gefallen, die sie faszinieren und ein wenig verzaubern. Sie reißen den Betrachter aus dem gewohnten Umfeld, offenbaren eine scheinbar sehr attraktive Welt voller Geld, Macht und anderen Reichtümern. Doch mit immensen Gefahren und dem Risiko, dass jeder Fehler der letzte sein könnte. Dieses Gefühl transportieren die hier gewählten Charaktere auf ganzer Linie, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Jack Nicholson als lokaler Mob-Chef personifiziert (wie in Shining) einen knallharten Hund, der nicht lange fackelt.

[Technik]
„Departed – Unter Feinden“ erfreut sich einer wunderbar lebhaften Farbgebung für einen Titel, der im Sumpf des Verbrechens spielt. Wir haben es mit weniger blassen, dafür jedoch wohl gesättigten und knackigen Farbpartien zu tun, die zu keinem Zeitpunkt negativ wirken oder die gelungene Stimmung des Films gefährden. Stets offenbaren sich kontrastreiche Momente, welchen nur selten das Schwarz ein wenig zu deutlich darstellen, was zulasten des Detailreichtums des Transfers fällt. Davon ab gibt es nur noch einen wirklich nennenswerten Makel: die Kompression. Sie ist zuweilen unzureichend sauber und beschmutzt das Geschehen unnütz mit zahlreichen Artefakten. Zudem gibt es ab und an mal kleinere Verschmutzungen vor die Linse. Rasche Bewegungen gehen dem Transfer, eben durch die genannten Schwächen in der Kompression, nicht so gut von der Hand.

Tontechnisch haben wir es hier mit keiner sonderlich erwähnenswerten Glanzleistung zu tun. Wir zählen zwei Tonspuren im Dolby Digital 5.1-Gewand, eine deutschsprachige und eine weitere Spur im englischen Originalton. Beide halten sich an die grundsätzlichen Regeln des Mehrkanaltons und weisen einen insgesamt als ausreichend zu bezeichnenden Sound auf. Dieser Umstand ist geradewegs auf die Faulheit in hektischen Momenten Einsatz zu beweisen zurückzuführen. Denn über die lange Laufzeit von rund 145 Minuten gibt es wenige erinnerungswürdige Momente, die sich durch ihre Akustik auszeichnen. Zu jedem Zeitpunkt ist die Sprachausgabe klar und deutlich zu vernehmen, sie erklingt aus dem Center-Speaker. Die musikalische Untermalung ist Stimmungsunterstützer, weist jedoch keinen Sound-Mehrwert auf die Umgebungsgeräusche sind unspektakulär.

[Fazit]
Martin Scorsese fertigte mit „Departed – Unter Feinden“ einen wirklich gelungenen Thriller, der ihm letztlich das einbrachte, was ihm Fans schon seit längerem gönnen: eine Oscar-Auszeichnung für die beste Regieleistung. Und auch wir teilen diese Zuneigung zum ambitionierten Undercover-Thriller, der sich zwar über üppige 145 Minuten erstreckt und die Figurenzeichnung intensiv betreibt, dafür jedoch auch einige der besten darstellerischen Momente des letzten Jahres aufzuzeigen hat. Natürlich hat „Departed“ auch Schwächen, doch keine großen oder schwerwiegenden, die dem Sehvergnügen einen Abbruch täten. Die einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) bietet im 2 Disc Special Edition Set zusammen mit einer zweiten Disc folgendes Bonusmaterial zum Besten:

* Dokumentation „Stranger Than Fiction: Die Geschichte von Whitey Bulger“, der als Inspiration für Jack Nicholsons Rolle diente
* Dokumentation: „Crossing Criminal Cultures: Wie Gewalt und Verbrechen in Little Italy Scorseses Filme beeinflussen“
* 9 zusätzliche Szenen mit Einführungen von Regisseur Martin Scorsese
* Trailer

Für ein zwei Discs umfassendes Set liest sich das jetzt nicht gerade unheimlich üppig. Doch sind es die inhaltlichen Aspekte, welche das Bonusmaterial in ungeahnte Höhen hieven. Sie erläutern den Hintergrund des Films ein wenig, gehen mehr auf die Story ein und bieten einige interessante Aufnahmen vom Set und den Dreharbeiten. „Departed – Unter Feinden“ erschien am 13. April zu einem Preis von rund 20,- Euro. Die Altersfreigabe liegt bei ab 16 Jahren. Neben der hier getesteten DVD Fassung gibt es den Titel ebenfalls in den beiden High Definition-Formaten HD DVD und Blu-ray Disc zu erwerben. Für Scorsese-Fans gibt es keine zweite Meinung – kaufen.

Andre Schnack, 22.08.2007

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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