Making A Murderer – Staffel 1

Dokumentation
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[Einleitung]
Bei „Making A Murderer“ handelt es sich um eine TV-Serien, produziert von Netflix, ergo mit US-amerikanischen Mitteln. Mittlerweile ist es überhaupt nichts ungewöhnliches, dass große Streaming-Anbieter sowie auch Händler wie amazon entsprechend eigene Inhalte produzieren und entsprechend vermarkten. So auch „Making A Murderer“ von Netflix, nur eben nicht fiktiv, sondern im Sinne eines Dokumentarfilms. Eines sehr langen eben. Beim üblichen TV-Programm handelt eine Episode einen Kriminalfall ab. Hier sind es 10 Episoden zu einem Fall. Ich konnte mir die TV-Serie genauer anschauen und mein Interesse war geweckt.

[Inhalt]
Ich gehe davon aus, ohne mich auszukennen, dass es immer wieder Fälle geben wird, bei denen im Ergebnis jemand falsches seiner Freiheit beraubt wird. Menschen machen Fehler. Ob „Making A Murderer“ nun tatsächlich davon erzählt? Es kann gut sein. Und ja, die Geschehnisse um Steven Avery sind durchaus verworren und geben Anlass zur genaueren Untersuchung. Doch am Ende weiß wahrscheinlich nur Steven Avery genau darüber Bescheid, was geschah. „Making A Murderer“ zeigt auf, was andernorts so geschehen kann, wenn Menschen ihre seelischen Abgründe offenbaren, aus welchen Gründen und Motiven heraus auch immer. Spannend ist hier eben die Unsicherheit über die Qualität der ermittelnden Behörden.

[Kommentar]
Bei mir ganz subjektiv und persönlich hoch im Rang: „Medical Detectives“, eine ebenfalls sehr erfolgreiche TV-Serie, nur eben nicht mit den fiktiven Gedanken anderer Menschen als Story, sondern mit der harten Realität. Kriminalfälle, die durchs Involvieren der Kriminaltechnik – oftmals im Nachhinein – gelöst und zu den Akten gelegt werden können. Dabei kommt es nicht selten vor, dass wir es mit Menschen zu tun bekommen, die bis zur ‚Entdeckung‘ neuer und etwa entlastender Beweise kommt, die zu unrecht im Gefängnis sitzen. Darum geht es auch in „Making A Murderer“, einer Netflix Original Produktion über den Fall des Steven Avery.

Steven Avery wurde zu Unrecht ins Gefängnis gesteckt. Dies konnte – und diese Frage stellt sich hier – vielleicht auch deshalb geschehen, da er eine weniger positive Vorgeschichte hatte. Er ist nicht der klügste Kopf, risikobereit, machte oftmals dumme Dinge. Auch mit juristischen Folgen. So könnte es sein, dass die Beteiligten auf der „richtigen Seite des Gesetzes“ es sich einfacher gemacht haben, als es notwendig gewesen wäre. Der schwierige Kampf gegen Zweifel, die Vergangenheit und die Eindrücke und Vorbehalte Dritter sowie den Drang ein möglichst normales Leben zu führen – das ist der Stoff aus dem „Making A Murderer“ ist.

[Technik]
Wir bekommen einen Breitbild-Transfer vor die Augen, der sich auf einem 16:9-Wiedergabegerät zwar vom Seitenverhältnis her wohl fühlt, der sich jedoch nicht sonderlich viel aus einer hohen Qualität beim Abspielen machen sollte. Denn die zahlreichen Archivaufnahmen und Materialien minderer Güte verleihen dem Geschehen nicht die besten Noten. Klar, dafür gewinnt er alle Punkte im Bereich der Glaubwürdigkeit und Authentizität. „Making A Murderer“ lebt von den Materialien, da es sich ausschließlich im Dokumentar-Quellen handelt und nur sehr weniger, z.B. Animationen auftreten. Kontrast, Farbgebung und Kantenschärfe sind auf bestenfalls durchschnittlichen Niveau, stellenweise. Kompressionsfehler fallen nicht auf.

Der Sound des Titels ist erwartungsgemäß etwas ruhigerer Natur. „Making A Murderer“ bietet hier das, was man erwartet, nicht mehr und auch nicht weniger. Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch gibt es im Stereo Format im Angebot. Ebenfalls können die Sprachen als Untertitel aufgefunden werden, wobei hier Französisch entfällt und stattdessen Niederländisch auf den Plan tritt. „Making A Murderer“ hat tonal nicht wirklich viel zu bieten, soviel sollte klar sein. Geht es doch hier mehr oder weniger rein um die Vermittlung von Informationen. Und dazu reicht das gebotene Programm noch allemal aus.

[Fazit]
Was bleibt nun nach der Ansicht von rund zehnmal eine knappe Stunde Laufzeit hängen (547 Min., 9,2 Std.)? Vieles, wie ich denke und resümiere. Denn neben menschlicher Fehlbarkeit ist es doch vor allem die Vorsicht, die hier gestärkt wird. Denn auch ein Rechtssystem schützt nicht vor fehlender Gerichtsbarkeit und schlichtweg falschen Urteilen. Und wenn sich betroffene auch juristisch zur Wehr setzen, so geraten viele Menschen unter Druck und die Situation kann einen sehr unschönen Verlauf nehmen. So wie hier. „Making A Murderer“ wirft genau diesen Blick am Beispiel des Steven Avery auf ein System, dem wir alle gerne vertrauen wollen. Eine gelungene Netflix Dokumentar-Serie.

Andre Schnack, 28.12.2015

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★☆☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆