Reservoir Dogs

Crime/Thriller
Crime/Thriller

[Einleitung]
Schon nahezu sechs Jahre ist es nun her als Regisseur und Drehbuch-Autor Quentin Tarantino sein Leinwand-Debüt mit „Reservoir Dogs“ gab. Tarantino erwies sich als beständig und gegen vielen Erwartungen nur eine Eintagsfliege zu sein drehte er mehrere erfolgreiche Filme hintereinander. Neben „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“ zählt auch der aktuellste Titel „Jackie Brown“ zu seinen besten Werken. Juni ’97 erschienen die „Reservoir Dogs“, die mittlerweile Kultstatus genießen auf DVD. Für den Vertrieb zeichnet sich Live Entertainment verantwortlich.

[Inhalt]
Joe Cabot (Lawrence Tierney) ist so etwas wie ein Freizeit-Gansterboß. Er und sein Sohn „Nice Guy“ Eddie (Chris Penn) suchen sorgfältig einige Leute für einen Überfall aus; die Typen sollen einen guten Ruf als Diebe haben. So sammeln sie sechs Ganoven an, Joe erläutert ihnen seinen Plan: Ziel des Raubüberfalls ist ein Juwelier, der an dem Tag des Verbrechens eine besonders wertvolle Lieferung erhält, um diese Klunker sollen die bösen Jungs den Juwelier erleichtern. Die angeheuerten Schurken kennen sich nicht, und das soll auch so bleiben. Es wird abgemacht, daß keine persönlichen Gespräche stattfinden, auch die richtigen Namen aller Beteiligten bleiben geheim. Dafür bekommen alle Decknamen: Mr. White (Harvey Keitel), Mr. Orange (Tim Roth), Mr. Blonde (Michael Madsen), Mr. Pink (Steve Buscemi), Mr. Blue (Edward Bunker) und Mr. Brown (Quentin Tarantino) sollen den Auftrag ausführen. Als es dann soweit ist verläuft aber auch nichts nach Plan, dabei war alles genaustens vorbereitet. Als ein Angestellter des Juweliers den Alarm auslöst gerät die Situation vollends außer Kontrolle: Angestellte sowie Zivilisten sterben, auch das Team der sechs kriminellen Farben verliert Mitglieder. Zwei sterben noch am Schauplatz des Verbrechens, einer wird bei der Flucht schwer verletzt. Sofort wird jedem für sich klar: es gab einen Maulwurf, eine Ratte im Nest – einen Verräter! Die überlebenden Gangster machen sich auf zum vereinbarten Treffpunkt. Dort kommen sie nacheinander an und gehen die Tat noch einmal im Kopf durch und beraten was zu tun ist. Jeder weiß, daß jemand aus der Gruppe ein Verräter ist, nur keiner weiß wer es ist…

[Kommentar]
Das spannungsgeladene Spiel ums Entlarven des Verräters wurde grandios verfilmt. Die Idee hinter dem Film hat einfach Klasse. Zur guten Handlung, in der nur wenige Schauspieler und Orte auftauchen, gesellt sich die typische Art von Tarantino Filme zu drehen. Die unterschiedlichen Charaktere wurden sehr detailliert ausgearbeitet und die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Die speziellen Schnittmittel und Kamerafahrten gehören ebenso zum Elementarbereich Tarantinos, wie der gehobene Grad an Brutalität und eine Brise tiefschwarzen Humors. Viel passiert wahrlich nicht während der knappen 100 Minuten Spielzeit, die meiste Zeit wird durch Dialoge belegt, die eine oder andere heftige Actionszene sorgt für Abwechslung. Und nicht nur deswegen muß der Betrachter gut aufpassen, denn die zahlreichen Rückblenden, sei es vor die Tat, zu den Vorbereitungen oder zur Tat selbst, fallen nicht immer leicht zu verknüpfen. Der Film beginnt mit der Flucht der Überlebenden des Massakers vom Diamantenraub. Zwischendurch werden die wichtigsten Personen charakterisiert, der Aufbau des Films erinnert an das Lesen eines Buches, er ist sozusagen in Kapitel unterteilt. Neben den gelungenen Aufnahmen sorgt ein kräftiger Soundtrack für die nötige Hintergrundmusik, nicht immer zimperlich untermalt er die bedrohliche Stimmung und schürt die aufkommende Paranoia-Atmosphäre.

[Technik]
Das neu gemasterte Bild in 2.35:1 zeigt leider einige Schwächen. Aber vielleicht liegt es auch an dem schon recht alten Filmmaterial. Der Film war auch eher eine Low-Budget Produktion und hält letztlich auch deshalb nicht in der Bildqualität mit anderen mit, die Basis war einfach nicht so hochwertig. Trotzdem wird ein überdurchschnittliches Bild geboten. Zwar fallen gelegentliche Kompressionsartefakte ins Auge und das Geschehen scheint ständig mit einem leichten Griseln unterlegt zu sein, dennoch sind Farbe und Grad der Schärfe in Ordnung. Nur schade, daß das Bild nicht 16:9erweitert auf die zweiseitige Single-Layer-Disc gebannt wurde. Auf der zweiten Seite befindet sich eine beschnittene Version des Films im Pan&Scan-Format.

Der nagelneu abgemischte 5.1 Dolby Digital Sound macht sich erst richtig bei der Musik bemerkbar. Dort spielten die Filmemacher etwas mit der Technik, einige Szenen bilden wahrlich eine Einheit von Bild und Ton. Die gute Untermalung der Musik wird in dialogschwachen Szenen schnell dominant und erklingt eindrucksvoll aus allen Lautsprechern. Sie verbindet geschickt bestimmte Szenen und Situationen miteinander. Musik in einer Lagerhalle, die Kamera folgt einem Kerl nach draußen, dort spielt keine Musik; Ortswechsel in ein Auto mit einigen Personen, die Musik aus der Halle dringt hier gerade aus dem Autoradio – witzig gemacht. Das Potential von Dolby Digital 5.1 wird allerdings nicht gerade ausgeschöpft, einige nette Effekte der Surroundlautsprecher sorgen für Raumklang.

[Fazit]
Eine DVD mit positiven sowie negativen Seiten präsentiert uns Live Entertainment mit den „Reservoir Dogs“. Der Film hat Klasse, die Umsetzung auf das neue Medium begeistert aber nicht so richtig. Weder Sound noch Bild hauen vom Hocker. Leider sucht man auch vergebens nach Bonusmaterial, außer einem Trailer und einigen Hintergrundinformationen spendierte man der Scheibe leider nichts, schade! Dafür ist der Preis von 50,- DM (25$ Listenpreis) aber auch nicht zu hoch gegriffen, Tarantino-Fan’s zugreifen.

Andre Schnack, 29.03.2002

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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