Zwei Minuten Warnung

Drama/Thriller
Drama/Thriller

[Einleitung]
Mit den US-amerikanischen Film-Titeln der späten 70er Jahre verbinde ich nicht nur mein eigenes Geburtsjahr, vor allem jedoch den Hang zu Stücken mit einem sehr spürbaren Zeitgeist und Charme. In einer Reihe nenne ich dazu gerne John Carpenters „Sie leben!“ oder „Das Ende“ sowie Regisseur Larry Peerce‘s Thriller „Zwei Minuten Warnung“ (Originaltitel: Two-Minute Warning) nach einem Drehbuch von Edward Hume. Die Roman-Vorlage schrieb George LaFountaine. In den führenden Rollen sehen wir Charlton Heston, John Cassavetes sowie Beau Bridges und weitere. Diese Standard Definition Fassung erschien 2009 im Vertrieb von Koch Media. Wir schauten hin.

[Inhalt]
In dem spannungsgeladenen Actionfilm mit Charlton Heston dringt ein wahnsinniger Scharfschütze in ein vollbesetztes Football-Stadion ein – die Katastrophe scheint vorprogrammiert. Es ist Sonntag und diesen Tag wird keiner der 90.000 Besucher des Football Spiels vergessen, denn sie alle lernen das Grauen des Todes kennen.

Durch das Fadenkreuz seines Präzisionsgewehrs beobachtet der Mörder die Welt um sich herum, doch eine Fernsehkamera entdeckt ihn und sofort wird das S.W.A.T. Team Spezialwaffen und Taktik aktiv. Der verantwortliche Polizeicaptain, Peter Holly (Charlton Heston) glaubt zu diesem Zeitpunkt noch an einen glücklichen Ausgang. Wenige Minuten später wird er eines Besseren belehrt. Der Mordschütze beginnt gezielt ins Publikum zu schiessen…
(Quelle: Universal Pictures Corp. / CIC)

[Kommentar]
Was für ein alter Film, meinen die einen. Was für ein Klassiker, sagen andere. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit, oder? Genau beantworten und analytisch herleiten will ich dies gar nicht. Denn aus heutiger Sicht kommt eine Dimension hinzu, die vor 30 Jahren noch nicht derart öffentlich diskutiert wurde in den Medien: die schier grenzenlose Bewaffnung von US-Bürgern… Charlton Heston war und ist für mich ein rotes Tuch. Der Mann hat gute Filme gemacht, stand aber praktisch wie kaum ein anderer für die NRA – die National Rifle Association. Doch nun zum Film…

Viele gelungene Elemente finden sich hier. Der Schnitt des Films von Eve Newman und Walter Hannemann wurde mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Was zeichnet „Zwei Minuten Warnung“ noch aus? Viel Spannung durch gezielt eingesetzte Elemente, wie die Darstellung des genauen Vorgehens des Killers, ohne dabei sein Gesicht zu sehen. Oder aber die Tatsache, dass es in einem Stadion zugeht, also isolierte Abgeschlossenheit. Auch die zeitgenössischen Faktoren spielen eine große Rolle dabei den Charme des Titels mächtig auszubauen.

Coole Sonnenbrillen und ein stets smarter und markiger Charlton Heston und keinerlei übertriebene visuelle Effekte stehen für den Film. Ein klarer Ablauf und der nahezu ausschließliche Einsatz von Musik zur Steigerung der Spannung sprechen ebenfalls für sich. All das gefällt mindestens gut und ist simpel gehalten. Die gezeigte Handlung wechselt zwischen den verschiedenen Personen und bringt immer wieder die unterschiedlichen Stimmungen zum Ausdruck. Beispiel: sobald der Bösewicht vor der Kamera agiert, wechselt die Musik in einen Modus, der unheimlicher und spannungsgeladen wirkt.

[Technik]
Zu Gesicht bekommen wir einen 16:9-Transfer, anamorph erweitert, im Format 1.77:1. Alles soweit sehr üblich für einen Titel aus den späten 70er Jahren. Wir bemerken von Beginn an die Faktoren, die auf das damalige Equipment zurückzuführen sind. Etwas fahle und oftmals Farben, die mit einem zart braunen, trockenen Stich daher kommen. Der Detailgrad ist aus heutiger Sicht nicht mehr in Ordnung und reicht grad so aus. Er lässt sich mit einem gelungenen TV-Bild vergleichen, welches mit einer nur bedingt guten Kantenschärfe gesegnet ist. Hier und dort sehen wir ein wenig Rauschen und die Konturen wirken zerfranst. Kompression? Soweit in Ordnung.

Der Ton der Disc ist altersbedingt nur mäßig gut. Oder eher so, er erfüllt die minimalen Anforderungen und wird dem gebotenen Inhalt meines Erachtens nicht gerecht. Das ist natürlich etwas schade, jedoch hat man natürlich immer ein wenig den (hier nicht unbedingt angemessenen) Vergleich zum aktuellen Kino im Hinterkopf. Immerhin bewegen sich die Sprachausgabe und die wenigen musikalischen Einstellungen im akzeptablen Bereich. Alle anderen Dinge wirken bemüht, jedoch technisch nicht gut umgesetzt. Räumliche Tiefe tritt nicht ein.

[Fazit]
Wir bieten hier einem tollen Film in einer nicht so tollen technischen Darstellung die Stirn. Worauf kommt es an und wie kann mit dem Ton gelebt werden? Ich gebe Entwarnung, dieser Einsatz ist geglückt. Die tolle Old School Action und der meinerseits wenig geschätzte und doch überzeugend spielende Charlton Heston holen technische Defizite wieder raus und somit auch die Kohlen aus dem Feuer. Die Laufzeit von rund 115 Minuten verrinnt rasch und findet Platz auf einer einseitigen und zweischichtigen DVD des Typus 9. Erhältlich seit dem 27. Februar 2009 und ab einem Alter von 16 Jahren gemäß FSK. Preislich mittlerweile schon oftmals unter 8 Euro zu haben…

Andre Schnack, 05.08.2013

Film/Inhalt:★★★★★☆ 
Bild:★★★☆☆☆ 
Ton:★★☆☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★★☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆