A Little Trip To Heaven

Drama/Thriller
Drama/Thriller

[Einleitung]
Oscar Preisträger Forest Whitaker an der Seite von Julia Stiles, so predigt es die Verpackung der Kurt Media mit dem eher düstern anmutenden Cover-Design. Regisseur Baltasar Kormákur schuf „A Little Trip To to Heaven“ 2005 mit diesen beiden genannten und weiteren Darstellern in relevanten Rollen, wie zum Beispiel Jeremy Renner und Peter Coyote. Mr. Baltasar Kormákur schrieb auch maßgeblich das Drehbuch seines Stücks unter Zuhilfenahme von Edward Martin Weinmann. Weihnachten 2005 war Erstaufführung in Island und heute erhalten wir von Kurt Media die vielversprechende DVD-Fassung des Films in den Händen. Wir schauten, was der Neo Film Noir zu bieten hat und berichten.

[Inhalt]
Als der notorische Trickbetrüger Kelvin Anderson bei einem Autounfall ums Leben kommt und eine Million Dollar fällig werden, schickt die Quality Life Insurance Company ihren besten Mann. Der ruhige, Wollmütze tragende Abe Holt (Forest Whitaker) wird in der verschneiten Kleinstadt Hastings, Minnesota geschickt. Er spürt vom ersten Moment an, dass an der Sache etwas faul ist. Es beginnt ein nevernaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit Kelvins Schwester Isold (Julia Stiles) und ihrem dubiosen Ehemann Fred (Jeremy Renner). Ein Spiel, in dem Holt die Distanz zu seinen Gegenspielern verliert und nichts so ist, wie es scheint…
(Quelle: Kurt Media)

[Kommentar]
„101 Reykjavík“ gefiel mir sehr gut, war jedoch vom Filmschlag her ein ganz anderes Genre als wir es jetzt mit „A Little Trip to Heaven“ zu tun haben. Auch konnte mich die subtil humorvolle Art und Weise der Darstellung des Landlebens am Ende der Welt Islands in voller Gänze überzeugen. Gibt es davon auch im 2005 abgedrehten Crime-Noir Thriller noch etwas zu spüren? Ja, in der Tat. Denn Regisseur Baltasar Kormákur geht es auch im kleinen „Ausflug in den Himmel“ wieder ein Stück weit um Isolation, bevorzugt und im speziellen die geografische Ausprägung von Einsamkeit und Verschlossenheit. In der Darstellung dieser Belange kann auch dieses Werk vollends seinen Charme ausspielen.

Und das, obwohl der Inhalt des Films in Minnesota spielt, tatsächlich jedoch in Island gedreht wurde. Hier und dort ein zarter Einsatz von Kamerafiltern und niemanden fällt etwas negativ auf. Ehrlich, sogar unterstreicht diese visuelle Darbietung den Inhalt adäquat und verdeutlicht durch die eher gräulichen Töne die Triste und Einsamkeit der ländlichen Pseudo-Idylle. Kommen wir zu dem, was am Titel nicht so gut gelang: den Figuren. Im Grunde gibt es drei wichtige Charaktere, welche die Handlung voran treiben. Sie alle besitzen zwar eine an sich ausreichende Plastizität, können jedoch nicht genug Substanz bieten, um die inhaltlichen Schwächen aufzufangen.

Es entsteht ein Ungleichgewicht, welches den Film von seiner Grundsolidität zwar nicht zum Kippen bringt, sich jedoch negativ auf das Zusammenspiel zwischen Figuren und Inhalt auswirkt. So generieren sich farblose Strecken innerhalb der ansonsten gut aufgebauten Geschichte, die der Film nicht durch z.B. faszinierende Figurenprägung aufzufangen versteht. Wem das keinen Abbruch tut, der kann auf der anderen Seite einen kühlen und gleichermaßen spannenden Thriller bezeugen, der zeigt, warum Forest Whitaker einen Oscar verdient, Julia Stiles nicht und warum die Schwächen im Drehbuch zu suchen sind, und nicht in der Ausführung der Regie (wenngleich für beides eine Person verantwortlich zeichnet).

[Technik]
„A Little Trip to Heaven“ ist alles andere als der digitale, visuelle Himmel. Doch vieles beruht dabei auf eine Absicht der Filmemacher. So können wir dem 1.85:1-Transfer im anamorphen 16:9-Format auf Anhieb ansehen, dass er leicht verfremdet wurde. Macht ja nichts, da es sich um hochwertige Filtereinsätze handelt, welche den Film in eine gewisse Stimmungsrichtung leiten. Mithin sind der Kontrast und die Farbgebung zwar qualitativ auf einem angenehmen Niveau, können jedoch nicht gerade mit einer hohen Natürlichkeit aufwarten. Auch lässt hin und wieder ein wenig die Sauberkeit des Geschehens zu wünschen übrig, wobei wir weder nennenswerte Artefaktbildung, noch ein großes Rauschen bezeugen können und sich das Gesamtbild ordentlich in Szene setzen kann.

Tonal schüren die akustischen Seiten den Inhalt des Films. Denn die beiden Dolby Digital 5.1-Tonspuren in den Sprachfassungen Deutsch und Englisch konzentrieren sich auf subtil wirkenden Ton. Was im Klartext bedeutet, dass nur in ausgewählten Momenten die Akustik an Volumen zunimmt und etwas Effektreichtum aufweist. Räumlichkeit entsteht dabei zumeist durch die qualitativ überzeugende Abbildung der Filmmusik. Sie gibt sich ebenfalls ein wenig einsam, isoliert und spiegelt zum gewissen Grad das Empfinden der Figuren wider. Beide Mehrkanaltonspuren weisen praktisch keinerlei Fehler auf. Optional sind deutsche oder englische Untertitel einzublenden.

[Fazit]
Mit seiner FSK ab 16 Jahren schreckt der Thriller niemanden ernsthaft ein, der bereits Filme wie „Sieben“ über sich ergehen lassen hat. Die Laufzeit von rund 98 Minuten vergeht zügig und kann als kurzweilig bezeichnet werden, sie bereitet einen gelungenen Unterhaltungsverlauf der einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Diese DVD hielt man sehr einfach, neben einer gelungen gestalteten Verpackung haben wir es mit einem aufgeräumten Menü mit einfacher Navigation zu tun. Jene offenbart auch die folgenden Bonusmaterialien. Sie setzen sich aus einem Making Of und Trailern zusammen. Liest sich nicht gerade üppig, ist es auch nicht. Erscheinungstermin ist der 11. Oktober zu einem Preis von rund 15,- Euro. Wem das ein ganz guter Thriller wert ist, der kann zugreifen, ansonsten empfiehlt sich eine Probeansicht.

Andre Schnack, 16.10.2007

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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