Millenium Actress

Animation/Drama/Romance/Fantasy/Comedy
Animation/Drama/Romance/Fantasy/Comedy

[Einleitung]
Ich war überrascht und irritiert zugleich, als ich die DVD-Version von „Millenium Actress“ von universumfilm zur Rezension erhielt. Auf der einen Seite dachte ich, wie schön, ein neuer Anime; auf der anderen Seite hingegen fragte ich mich ernsthaft, um was für einen Inhalt es sich bei diesem Werk wohl handelt. Regisseur Satoshi Kon (Tokyo Godfathers) wollte mit seinem Werk weder dem klassischen Science-Fiction-, noch dem Fantasy-Genre beiwohnen und schuf einen Film, wie ich ihn als Anime bisher noch nicht zu Gesicht bekam. Unter den deutschen Synchronsprechern finden wir Namen wie Jürgen Kluckert, Magdalena Turba, Stefan Krause, Kathrin Zimmermann und Regine Albrecht. Wir sahen uns die DVD an.

[Inhalt]
Vor 30 Jahren, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, setzte die berühmte Filmdiva Chiyoko Fujiwara aus mysteriösen Gründen ihrer Schauspiellaufbahn ein Ende. Nun steht das Studio, in dem sie zur Leinwandlegende wurde, kurz vor dem Abriss. Aus diesem Anlass macht sich Regisseur Tachibana auf den Weg, die zurückgezogen lebende alte Dame zu interviewen. Er möchte eine Dokumentation über das Leben der Schauspiellegende drehen. Dazu präsentiert er ihr einen Schlüssel, der das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüftet und aufdeckt, wonach Chiyoko ihr Leben lang verzweifelt gesucht hat. Chiyokos Geschichten erwachen urplötzlich zu neuem Leben, zu phantastischen Bildern, in denen sich ganze Traumlandschaften auftun. Und Tachibana taucht ein in eine packende Reise durch Raum und Zeit, die auf virtuose Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verwebt. Ein packendes Abenteuer reinster Kinomagie beginnt…
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Wer die Werke „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Das wandelnde Schloss“ kennt, der wird sich auch bei „Millenium Actress“ sehr wohl fühlen. Die Geschichte beginnt sehr einfach, weist jedoch von der ersten Minute an intelligente Verknüpfungen von Bild und Ton auf, mehrere Handlungsebenen überschneiden sich ab und an und ergeben tolle Effekte, wie wir sie bisher eigentlich nur aus dem Kino kennen. Und dann wird auch ziemlich rasch klar, wohin die Reise geht. Es geht um eine Schauspielerin und einen Produzenten, der eine Dokumentation über den Glanz der vergangenen Tage dieser Darstellerin drehen will. Alles beginnt mit seinem Interview in ihrem versteckten Haus. In der Sprecher-Erzählweise berichtet die alte Frau von ihrer Vergangenheit und versprüht dabei einen unglaublichen Charme und fasziniert ihre Besucher und die DVD-Zuschauer.

Die Erzählung weicht einer zeitlichen Rückblende und ihre Rollen von damals erscheinen dem Betrachter wie tatsächliche Handlungen, nur eben zeitversetzt. Unheimlich abwechslungsreich durchstreift der Film auf diese Art gleich zahlreiche Genres, touchiert eine Vielzahl an optischen Stilen und berichtet in einer Wirkung, als würde es sich tatsächlich um eine wahrhaftige Schauspielerin handeln und der Produzent und sein Kameramann sind zur Aufnahme eines Interviews ins Haus der Ikone gekommen. Regisseur Satoshi Kon stellt damit unter Beweis, dass er die unterschiedlichsten Situationen und Gemütszustände filmerisch umsetzen kann. Der interessante Produzent und sein Kameramann werden dabei wortwörtlich in die damaligen Szenen katapultiert und erleben, was Chiyoko erlebte. Einen wichtigen Bestandteil von „Millenium Actress“ stellt der wunderbare Music-Score dar.

[Technik]
Die recht plakativen Bilder und die unterschiedlichen, meist einfach gehaltenen Bildelemente zeichnen sich durch eine sehr gute Wirkung aus, verfügen technisch jedoch nicht immer über die besten Werte. So fehlt es dem anamorphen 16:9-Transfer im Ratio von 1.85:1 in einigen Szenen an Kontrast und hin und wieder auch an Farbsättigung. Die Folge: ab und an blasse Gesichter, hin und wieder leichtes Überstrahlen der Farbflächen. Wie viel Absicht in diesen Phänomenen steckt, die keinesfalls extrem sind, sondern eher dem geschulten Auge auffallen, kann ich nicht sagen. Der Konturenzug zeigt sich angenehm und sauber für einen gezeichneten Film. Die Klarheit des Bilds wird vor allem in hellen und weiten Aufnahmen ein durch ein zartes Rauschen ein wenig getrübt, Kompressionsartefakte oder Drop-Outs treten nicht auf. Insgesamt eine Leistung, die im oberen Mittelfeld anzusiedeln ist.

Herzstück dieses Films – und auch der technischen Leistungen der vorliegenden DVD – ist definitiv der wunderbare und wirklich unheimlich atmosphärische Music-Score. Er lässt die Illusionen unheimlich gut und stimmungsvoll wirken, was dem gesamten Ton natürlich an sich schon aufwertet. Die Wiedergabequalität stützt diese Absicht und bietet eine gesunde Plattform, auf der sich die zahlreichen Effekte, die räumliche Musikwiedergabe und die Sprachausgabe entfalten können. In Formaten gesprochen handelt es sich dabei um das Dolby Digital 5.1-Mehrkanaltonformat, welches wir hier in wahlweise deutscher oder japanischer Sprachfassung vernehmen können. Rauschen oder andere Beeinträchtigungen treten kaum auf und die Sauberkeit der Akustik kann konsequent die Laufzeit hinüber gehalten werden.

[Fazit]
Für mich war die „Millenium Actress“ eine echte Überraschung. Inhaltlich bereitet die Geschichte Spaß und bietet sogar einiges an Innovationsgeist. Dabei ist es eher nebensächlich, dass es sich um einen animierten Film handelt. Die Laufzeit von rund 95 Minuten verfliegt wie im Fluge und wer ein Alter gleich oder größer als 12 hat, der darf sich an den tollen Bildern und der atmosphärischen Musik erfreuen. Zum Einsatz kam bei dieser DVD eine einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Der computergestützte Zeichenstil des Animes gefällt nicht nur Fans und zeigt sich massentauglich, so auch die DVD. Bonusmaterial gibt es über ein passend gestaltetes und mit Musik unterlegtem Menü zu erreichen:

* Exklusives Making Of
* Original US-Trailer
* Deutscher Trailer
* 12 Trailer aus dem universumfilm-Programm

Diese Specials besitzen eine weitere Laufzeit von rund 45 Minuten. Und insbesondere das gelungene Making Of bietet einiges an Einblick von Entstehung und den Hintergründen des Titels. „Millenium Actress“ erscheint unter dem Label ufa Anime und zwar am 7. August zu einem Preis von um die 20,- Euro. Die japanische Filmproduktion aus 2004 begeistert mit Inhalt und einer soliden Technik mit wenigen Makeln. Wer also Anime mag oder zumindest dem Thema offen gegenüber gesinnt, der wird an dieser DVD viel Spaß haben.

Andre Schnack, 28.06.2006

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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