Zwei Brüder (Deluxe Edition)

Adventure/Drama/Family
Adventure/Drama/Family

[Einleitung]
Bei einem meiner eher spärlich gesäten Ausflüge ins Lichtspielhaus erhaschte ich als Teil der Vorab-Verbraucherinformation eine Vorschau auf einen neuen Film von Jean-Jacques Annaud – „Zwei Brüder“ (Originaltitel: Two Brothers). Nun erscheint hierzulande aus dem Programm der universumfilm die DVD zum Film. Es gibt neben der Rental- und Verkaufs-Version noch eine Deluxe-Erscheinung, welche wir im folgenden Review besprechen. Der 2004 abgedrehte Titel unter Regie von Herrn Annaud entstand nach seinen und den Vorstellungen von Alain Godard, die inhaltlichen Dialoge kommen von Julian Fellowes. In den Hauptrollen sind Guy Pearce, Jean-Claude Dreyfus, Freddie Highmore, Oanh Nguyen und Philippine Leroy-Beaulieu zu sehen.

[Inhalt]
Die beiden Tigerbabys Kumal und Sangha verbringen eine unbeschwerte Kindheit zwischen Tempelruinen im asiatischen Dschungel – bis sie das Schicksal voneinander trennt: Der Kunsträuber Aidan McRory dringt in die Idylle ein, erschießt den Tiger-Vater und nimmt Kumal bei sich auf. McRory schließt den draufgängerischen kleinen Tiger in sein Herz, trotzdem verkauft er ihn an einen Zirkus. Inzwischen gerät auch der schüchterne Sangha in Gefangenschaft und wächst als Spielkamerad des Gouverneurs-Sohns Raoul auf. Doch nach einem Unfall gerät Sangha in die Hände eines skrupellosen Mannes, der wilde Tiger für grausame Wettkämpfe abrichtet und Sangha zu einer blutdurstigen Bestie erziehen will.

Ein Jahr später treffen die ausgewachsenen Brüder wieder aufeinander – als erbitterte Gegner eines öffentlichen Schaukampfes. Aus dem einst so mutigen Kumal ist ein gedemütigtes Zirkustier geworden, der ehemals sanftmütige Sangha hingegen wird zunehmend bösartiger. Nun sollen sich die Tiger in der Arena vor einer großen Zuschauermenge bis aufs Blut bekämpfen. Doch die Brüder erkennen sich wieder und besinnen sich auf ihre Familienbande. Wird den majestätischen Tieren die gemeinsame Flucht zurück in ihre Heimat, den Dschungel, glücken?
(Quelle: universumfilm)

[Kommentar]
Ein großen Teil des Films kommen die Bilder ohne Sprache aus, es scheint keine Handlung zu geben. Lediglich die musikalische Seite, ein oftmals ruhiger und doch dynamisch und abwechslungsreicher Soundtrack, sorgt dann für die passende Untermalung und schürt die Stimmung. Ohnehin hat der Film etwas sehr atmosphärisches. Er dokumentiert förmlich einige sehr schön eingefangene Momente der tapsigen und wirklich süßen Tiger-Babys. Auf der anderen Seite befinden sich wunderschöne Landschaftsaufnahmen und optische Leckerbissen prägen viele Minuten der Laufzeit des Films. Sie entführen den Betrachter in eine fremde Welt – wie schon andere Annaud Werke (Der Bär, Der Name der Rose) es vermochten.

Das dabei die Story, der eigentliche Schwerpunkt einer verfilmten Geschichte, etwas kurz kommt scheint die Macher nicht sonderlich zu stören. Konsequent hielt man einen durchaus unterhaltsamen Grad an Substanz, bleibt dabei jedoch recht verständlich und auch für Kinder durchaus nachvollziehbar. Die einzelnen Figuren gestaltete man sehr einfach und sie wurden klischeehaft plastisch gestaltet. Stellt man jedoch Ansprüche, so wird einem das einfache Hintergrundschema der Geschichte nicht gerade befriedigend. Aber das macht nichts, denn selbst grandiose Werke wie „Der Bär“, ebenfalls von Jean-Jacques Annaud, brillierte durch bildstarke Präsentation und eine eigene Poesie, ohne viele Worte zu verschwenden.

[Technik]
Die „Zwei Brüder“ präsentieren sich im anamorphen Breitbildgewand im Format 2.35:1 und entsprechen somit den Ansprüchen weiter Landschaftsaufnahmen und wunderbarer Urwald- und Savannen-Bilder, die bildgewaltig und ansprechend wirken. Die Farbgebung befindet sich im Rahmen der Anforderungen, die ein grünes, üppiges Buschwerk und staubtrockene Steppen stellen. Der Kontrast sorgt für ausreichende Trennschärfe zwischen den unterschiedlichen Aufnahmen und erzeugt in Kombination mit dem Schärfegrad für ein gutes Maß an Bilddetails. Nur selten verschwinden von diesen welche im Dunkel und Schwarz der Schattenbereiche. Störungen oder Verunreinigungen sind rar, jedoch wird ein wahrnehmbares Rauschen registriert. Dieses kann in Anbetracht der überwiegend guten Werte nur zur geringen Abwertung führen.

Tontechnisch brüllen die Tiger mehrkanalig in Dolby Digital 5.1, wahlweise in deutscher oder englischer Sprachausgabe. Es handelt sich um einen dialogschwachen Film, somit gewinnt die Wiedergabe der Hintergrundgeräusche und Musik an Bewertungspotential. Diese Chance weiß sich der Transfer nicht zu verbauen und offeriert bei der Räumlichkeit und Weite des Tons adäquate Leistungen. Gewinnt das Geschehen an Dramatik oder Spannung, so spielen Musik und Hintergrund mit. Etwaige Dialoge bleiben dabei verständlich und klar aus dem Center-Speaker wahrzunehmen. Optionale Untertitel gibt es in beiden genannten Sprachen.

[Fazit]
„Zwei Brüder“ besitzt in dieser Deluxe Edition eine Laufzeit von rund 101 Minuten und befindet sich auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Auch bei der zweiten DVD handelt es sich um den gleichen Typus. Der Abenteuer-Film über die familiäre Verbundenheit und Freundschaft zweier Raubkatzen-Geschwister und deren Lebensgeschichten versteht nicht nur die Erwachsenen zu berühren, sondern bietet guten Stoff für die kleineren unter uns. Die Altersfreigabe des Titels wurde bei der Stufe „ab 6 Jahren“ festgesetzt. In Anbetracht einiger Aufnahmen erscheint das auch als angebracht. Über ein einfach gehaltenes Menü werden auf beiden Discs Zugriff auf Einstellungen und das üppige Bonusmaterial offeriert:

* Audiokommentar von Jean-Jacques Annaud
* Making Of „Zwei Brüder“
* Animierte Fotogalerie
* Internationale Poster
* Trailer

Verteilt auf den beiden DVDs entsteht ein insgesamt guter Eindruck der Deluxe-Version von „Zwei Brüder“, die technischen Faktoren sind stimmig und Inhalt und Ausstattung bereichern die DVD-Sammlung ebenfalls, sofern man denn weiß, worauf man sich bei dem Film einlässt. Für mich persönlich erachte ich „Der Bär“ als wertvoller und lehrreicher, „Zwei Brüder“ jedoch richtet sich eher an ein junges Publikum und bietet dort kindgerechte Unterhaltung. Das Bonusmaterial füllt opulente 232 Minuten Laufzeit. „Zwei Brüder“ erschien am 11. April im Handel und wird jüngere Betrachter gut – und auf Kinderniveau anspruchsvoll – unterhalten.

Andre Schnack, 25.05.2005

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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