Mein Gott, Willi!

Comedy
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[Einleitung]
Mit „Sketch Up“ fiel er der politischen Welt Deutschland oftmals in den Mund, nahm Dinge aufs Korn, die nicht jeder auszusprechen wagte. Die Rede ist von Dieter Hallervorden, der nicht nur geübter Komiker ist, sondern auch studierter Politologe und intelligenter Spaßmacher. Durch diverse Comedy-Auftritte und zahlreiche mehr oder weniger erfolgreiche Filme machte er sich einen unvergesslichen Namen in der filmerischen Landschaft des Deutschen Kinos. Werke wie „Didi, der Doppelgänger“ erreichten schlussendlich Kultstatus und unterhalten mit ihrem zeitlosen Humor noch heute. Grund genug dem Talent weiterhin Tribut zu zahlen, dachte sich das junge Label Turbine Medien GmbH und schuf mit Vertrieb AL!VE die Dieter Hallervorden Collection, aus der wir uns mit dieser Review dem Film „Mein Gott, Willi!“ widmen wollen.

[Inhalt]
Der erfolglose Schauspieler Willi Gimmel (Dieter Hallervorden) hält sich als Souffleur am Theater über Wasser. Als er die Anstellung verliert, wird er kurzerhand von einem Kaufhaus als „Schauspieler“ engagiert. Er soll den Blitzableiter für verärgerte Kunden mimen, damit diese den Eindruck bekommen, das Geschäft würde ihre Beschwerde ernst nehmen. Fortan schlüpft Willi von einer Verkleidung in die nächste. Doch in welcher Abteilung er auch auftaucht, hinterlässt er Chaos. Seine Frau Mama (Gudrun Genest), bei der er noch immer wohnt, glaubt weiter an eine große Bühnenkarriere ihres gehorsamen Sohnes. Von seinem Doppelleben ahnt sie nichts. Als Willi auch noch die attraktive Bardame Rosi (Rotraud Schindler) kennen lernt, gerät sein Leben endgültig aus den Fugen…
(Quelle: fairmedia)

[Kommentar]
Dieter Hallervorden ist nicht nur ein schlaues Köpfchen, sondern ebenfalls ein sehr guter und versierter Komiker. Vor rund 20 Jahren hat Herr Hallervorden nicht nur TV-Shows aufgemischt, sondern auch seine frohe Kunde in zahlreichen TV- und Kinofilmen zelebriert und damit vor allem das heimatliche Publikum in seinen Bann gezogen. Dies durch viel Humor und seinem sehr eigenen Charme. So entstanden grandiose Filme wie „Didi, der Doppelgänger“ oder „Eine Nervensäge gegen Alle“. Auch „Mein Gott, Willi!“ gehört dazu und zählt zu den Werken, in den ein für Hallervorden bekanntes und bewährtes Filmmuster erkennbar ist. Dazu gehört natürlich auch die Art und Weise des Humors, an der jedermann für sich entscheiden muss, ob man ihn lustig und unterhaltsam oder aber als albern empfindet. Es ist eine Mischung aus dümmlicher Albernheit und einer Portion Sarkasmus, angereichert um einige Slap-Stick-Einlagen. Nicht selten steckt dabei mehr hinter den Witzen, als im ersten Moment erkennbar zu sein scheint.

Von der Ausgestaltung her lädt „Mein Gott, Willi!“ nicht mehr so ein wie dazumal und der Zahn der Zeit nagte nunmehr jahrelang an der Filmproduktion und ihrer nicht mehr so aktuellen Geschichte. Dennoch – und nun kommen wir zum zeitlosen Charakter – hielt sich der Humor ausreichend frisch und kann auf ganzer Linie überzeugen, was auch nur durch Dieter Hallervorden ermöglicht wird. Kein anderer könnte die Grimassen und Kommentare so setzen, wie er es in seinen Filmen praktiziert. Kein anderer konnte sich eine solche Geschichte ausdenken und diese entsprechend darstellen und maßgeblich schauspielerisch bestimmen. Genug des Lobs, denn letztlich ist und bleibt die Art der humoristischen Umsetzung Geschmackssache, denn vielen ist Herr Hallervorden eine Spur zu albern, anderen unsympathisch. Ich denke hingegen, der Mann schafft mit seinem Film eine leichte und gut bekömmliche Unterhaltung im Stile eines deutschen 80er Jahre Films.

[Technik]
Frisch und neu, das sind Adjektive, welche das Ergebnis einer restaurierten Filmfassung treffend beschreiben sollten, wenn man seine Arbeit gut gemacht hat. Und das hat Turbine Medien augenscheinlich. Verständlicherweise haben wir es hier mit einem 4:3-Vollbild zu tun (1.33:1). Seine Leistungen auf dem Gebiet der farblichen Darstellung gehen in Ordnung, wirken nur hin und wieder etwas angestaubt. Der Kontrast trägt dies und kann ein wenig mehr aus dem Bild holen. In den Kategorien Kantenschärfe und Detailreichtum hingegen bricht die Leistung ein und man sieht die Spuren des Alters. Rauschen und körnige Momente sind nicht schön, gehören jedoch leider auch – wenngleich seltener als ohne Restauration – zum Programm. Weitgehend befreite man „Mein Gott, Willi!“ von lästigen Verunreinigungen und konnte eine adäquate Kompression realisieren.

Tontechnisch gibt es wenig zu vermelden, denn den Sprung weg vom deutschsprachigen Mono-Ton hat die DVD nicht geschafft. Wobei ein solcher Aufwand wahrscheinlich in keiner Relation zum Ergebnis gestanden hätte. Letztlich handelt es sich um eine Comedy, die zumeist in geschlossenen Räumen abläuft und nur wenige Anforderungen an einen restaurierten Ton stellt, so dass man sich seitens Turbine erfolgreich auf das Bild konzentrierte. Wir haben es in „Mein Gott, Willi!“ mit zahlreichen Dialogen zu tun, nur selten wird Musik zum Geschehen eingespielt, von Hintergrundgeräuschen mal abgesehen passiert tonal recht wenig im Untergrund des monauralen Soundtracks, so dass nicht von Räumlichkeit oder Weite die Rede ist. Untertitel gibt es in deutsch für Hörgeschädigte.

[Fazit]
Reklamationswesen mal anders – in „Mein Gott, Willi!“ bietet Dieter Hallervorden seine Verwandlungskünste zum Besten und gestaltet einen frischen und abwechslungsreichen Blödel-Klamauk, der für die Zeit und den Hauptdarsteller typisch ist. Im Ergebnis können praktisch nur lobende Worte für die 1980 abgedrehte TV-Produktion fallen, welche Turbine technisch hochwertig auf dieser DVD ablegte. Die Laufzeit der einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) bemisst sich auf rund 88 Minuten. Das Menü wirkt ansprechend und bietet Zugriff auf folgendes Bonusmaterial-Repertoire:

* Grußwort von Dieter Hallervorden
* Audiokommentar mit Dieter Hallervorden, Regisseur Ralf Gregan, Darsteller Rainer Brandt und „Bang Boom Bang“-Regisseur Peter Thorwarth
* Hinter den Kulissen des Audiokommentars
* Ralf Gregans Super8-Material von den Dreharbeiten
* Biografien von Stab & Besetzung
* Umfangreiche Hallervorden Trailershow
* Bonusfilm: „Onkel & Co. – Ein Vermögen unterm Teppich“ von 1981. Mit Dieter Hallervorden als Meisterdetektiv. Regie: Ralf Gregan (60 Minuten)

Ferner liegt dem Amaray-Case noch ein von Renato Carsaro gemaltes Cover bei. Die Extras sind unterhaltsam und geben aufschlussreiche Informationen rund um den Film preis. Von der gesamthaften Gestaltung her können Technik, Extras und Verpackungspräsentation punkten und der Dieter Hallervorden Collection von Turbine und AL!IVE einen guten Zuwachs bieten. Der Veröffentlichungstermin war der 4. September, rund 16,- Euro verlangen Händler für den Silberling. Die Altersfreigabe liegt bei ab 6 Jahren und Fans von Hallervorden werden keinen Bogen um diese Veröffentlichung machen können.

Andre Schnack, 06.09.2006

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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