Michael Hutchence – The Loved One

Dokumentation
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[Einleitung]
Eine englischsprachige Dokumentation, deutsch untertitelt, erzählt uns von Ruhm, Erfolg, Musik, Kunst und dem Leben eines Menschen, dessen Lebenswerk Musik war. Die Rede ist vom 1997 verstorbenen Australier und Lead-Singer der Band INXS: Michael Hutchence. polyband veröffentlicht hierzulande die Dokumentation „Michael Hutchence – The Loved One“ auf DVD. Wir erhielten ein DVD-Exemplar zur Rezension zwischen die Finger und konnten ungeschminkt und aus erster Reihe über die Sendung berichten. Diese Doku entstand unter der künstlerischen Ausführung von Steve Graham. Wer also Musik schätzt und INXS mochte, der muss weiter lesen…

[Inhalt]
Der charismatische Michael Hutchence war die Verkörperung des klassischen Rock-’n‘-Roll-Stars. Sein viel zu früher Tod im Jahr 1997 nahm der Welt einen einzigartigen und sehr labilen Künstler. „The Loved One“ zeigt den Aufstieg von Hutchence und seiner Band INXS aus den verräucherten Kneipen und Clubs von Sydney in die größten Arenen der Welt. Anhand der Interviews mit zahlreichen engen Freunden und Zeitgenossen erzählt dieser Film einfühlsam von dem Druck und den ganz persönlichen Dämonen, die zunächst seinen Erfolg vorantrieben und später in einem Teufelskreis aus Depressionen und schließlich seinem Tod endeten. Mit umwerfenden Aufnahmen von Michaels Auftritten auf den Bühnen dieser Welt ist „The Loved One“ ein bewegender und faszinierender Tribut an den Ausnahmekünstler und seine Band.
(Quelle: polyband)

[Kommentar]
Wenn dein Leben ein öffentliches Leben wird, dann ändern sich Dinge abrupt. Daran zweifle ich keinesfalls. Welche Implikationen diese Veränderungen mit sich bringen, vermag niemand „vorher“ abzusehen. Einzig alleine klar ist, dass sich etwas ändern wird, der Druck auf die betroffene Person steigt und das Leben ein Stück weit aus der Kontrolle geraten kann. Bei Michael Hutchence, Sänger der Rock-’n‘-Roll Band INXS, war dies – wie bei vielen Musikern bekannter und erfolgreicher Bands – der Fall. Was nun schlussendlich genau dazu führte, dass sich der noch junge Mann sein Leben nahm, bleibt wohl Spekulation.

Im Nachhinein kann man einen Menschen loben, für Dinge verurteilen, feiern, hassen und was weiß ich noch. Wehren kann er sich nicht mehr, und gesagte Dinge sind nicht mehr aus der Welt zu schaffen. So sollte man sich bei seiner Wertung auf Dinge stützen, die offensichtlich waren. Bei INXS war es der große und schnell kommende Erfolg, wie es hier in der Doku dargestellt wird. Viele persönliche Bekanntschaften melden sich zu Wort, viele persönliche Dinge werden verraten und Video-Aufnahmen fangen Momente ein, welche die Figur des Michael Hutchence zum Leben erwecken und sehr natürlich erscheinen lassen.

Als Zuschauer lernen wir ferner über Musik, die Branche, den Markt und das Handwerk gute Musik und Songs zu produzieren. Und dazu gehört scheinbar weit mehr, als nur musikalisch zu sein, singen zu können und gute Performances zu leisten. Es sind weitere Beteiligte vonnöten, wie ein Manager mit Feingefühl und das gewisse Händchen, und ein Produzent, der die korrekte Auswahl eines Songs trifft, das Timing mitbestimmt und somit maßgeblich den Grundstein für weiteren Erfolg legt. Diese Dokumentation beschäftigt sich mit INXS von der ersten Stunde an, geht über den Verlauf bis hin zum Tode von Michael Hutchence.

[Technik]
Es ist schön, wenn eine DVD den Erwartungen entspricht. Hier ist das so. Bei einer Dokumentation schraubt man mehr oder weniger bewusst ab und an die Anforderungen an die technische Umsetzung leicht herunter. Nicht vonnöten, wie polyband mit aktuellen Werken à la „Deep Ocean“ beweist. Kommen jedoch historische Materialien und Archivaufnahmen mit ins Spiel, so ist es schon so, dass wir die qualitativen Maßstäbe eines Hollywood-Titels nicht als angemessen erachten. Viel können wir zu „Michael Hutchence – The Loved One“ gar nicht an Worten verlieren. Er ist eine Mischung aus Interview-Ausschnitten in guter Qualität, welche sich mit Archivaufnahmen der Privatsammlung ergänzen. Letztgenannte sind qualitativ entsprechend nicht auf der Höhe der Zeit. Am Ende bleibt festzuhalten, dass sich der anamorphe 16:9-Transfer im Format 1.78:1 gut anschauen lässt.

„Michael Hutchence – The Loved One“ ist eine Musik-Dokumentation, wenn man so will. Entsprechend wichtig erscheint auf dem ersten Blick auch die tonale Leistung der DVD. Ganz so ist es aber gar nicht. Denn wir erhalten ja keinen Konzertmitschnitt vor die Augen und an die Ohren, sondern eine Dokumentationssendung. Und so kommt es natürlich auf die saubere und verständliche Sprachausgabe an und die musikalischen Elemente aus Ausschnitten von Konzerten oder Amateur-Aufnahmen von „zuhause“ oder „hinter den Kulissen“ können entsprechend weniger großartig daher kommen. Es handelt sich beim Ton um einen Dolby Digital 2.0-Sound in englischer Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln.

[Fazit]
Es gibt Dokumentationen über große Kriegsherren der Antike, über Diktatoren der Moderne, über Reisen in fremde Welten und über Rock-Stars. Zur letztgenannten Kategorie gehört diese DVD aus dem polyband-Angebot. Es bereite Freude sie anzuschauen, wenngleich der Hintergrund eher tragisch ist. Wer INXS mochte, der wird diese DVD sehr zu schätzen wissen. Der Inhalt von rund 75 Minuten befindet sich auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Von der Gestaltung her gefällt das Menü der Scheibe und die Bedienung geht gut von der Hand. Extras gibt es folgende:

* Interview mit Kell Hutchence (9 Min.)
* Interviews mit Freunden und Zeitgenossen (3 Min.)
* Privates Home-Video-Material von Kell Hutchence (ca. 3 Min.)
* Fotogalerie

Auch die Bonusmaterialien gefallen auf Anhieb wirklich gut. Wir erhalten einen sehr persönlichen Einblick in das Leben des Michael Hutchence durch Aussagen seiner Familie und guter Freunde. Nicht mit in die technische Wertung floss das Urteil über die ebenfalls gelungene Bonus-CD, eine Audio-Disc, ein. Sie bietet 6 Songs, davon 2 bisher Unveröffentlichte, ihre Laufzeit bemisst sich auf rund 26 Minuten. Das Set erschien am 25. Mai zu einem Preis von rund 20,- Euro. Motto: zugreifen.

Andre Schnack, 04.06.2007

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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