Betty Would Go

Dokumentation
Dokumentation

[Einleitung]
Unter dem recht frischen polyband Label Mind & Sport erscheint aus dem Angebot des Hauses ein Titel, der sich primär an Wasserratten und wahrscheinlich noch viel mehr Menschen richtet: „Betty Would Go“. Im ersten Moment schaut es so aus als wäre es ein Film über’s Surfen, doch vielleicht steckt noch viel mehr dahinter. Ich hatte die Möglichkeit diese Dokumentation und Special Interest-Veröffentlichung in Form eines Streamings genauer anzuschauen. Tatsächlich handelt es sich bei „Betty Would Go“ um ein rein digital vertriebenes Produkt von polyband. Die deutsche Filmproduktion von 2020 entstand unter der Regie von Andrea Hausstätter.

Inhalt
„Betty“ – Bettina Kohl, klein (1,51m) quirlig, 52 Jahre und Stand Up Paddle-Amateurin träumte davon Windsurf-Profi zu werden. Aber dann kam das Leben, die Arbeit, Familie und Schicksalsschläge dazwischen. Sie surfte die Wellen des Lebens mit allen Höhen und Tiefen. Die Überwindung von Krisen, wie Depressionen und den Freitod ihrer Mutter, machten sie stärker und dann kam ein Punkt, an dem ein alter Traum wieder aufblitzte…

Sollte sie es mit über 50 tatsächlich noch einmal wagen? Als einer der besten SUP-Surferinnen Deutschlands qualifiziert sie sich für die Weltmeisterschaft in China. Ganz nach ihrem Motto „Aufgeben ist keine Option“ lernt Bettina Kohl, durch ihre Leidenschaft Ängste zu überwinden und den Mut zu finden, eine Herausforderung anzunehmen, um etwas Neues und Sinnhaftes zu schaffen.
(Quelle: polyband)

[Kommentar]
Es ist der zweite Teil der vierten Minute; eine qualitativ minderwertige Amateur-Aufnahme ist zu erkennen, fahle Farben und wenig Schärfe. Ein kleines Segelboot dümpelt vor der Küste von Strande/Schilksee. Nicht nur der Austragungsort einer Olympiade in den 70er Jahren, sondern auch der Ort, an dem ich selbst jahrelang lebte. Ich lebe auch heute noch am Meer und schätze dies, wenngleich ich es nur selten besuche. Ich weiß, sollte ich wegziehen, werde ich das Meer vermissen. Das Gefühl, das Meer, den Pazifik oder irgendein anderes nicht-stehendes Gewässer vor meiner Türe zu haben gibt mir ein Gefühl, dass ich nicht missen möchte.

Auch Bettina Kohl wird dieses Gefühl kennen. Wahrscheinlich viel mehr, viel intensiver, denn ich bin keine Wasserratte mehr, habe nichts mit Segeln am Hut und bin ansonsten auch nicht ständig schwimmen oder aber in unmittelbarer Nähe des kühlen Nass. Am Ende geht es – ich bitte dies nicht falsch zu verstehen – jedoch mehr oder weniger beispielhaft um die Geschichte von Bettina Kohl. Und um das Thema der persönlichen Selbstverwirklichung. Sie (Betty) steht für viele Menschen, die sich mit einer gewissen Leidenschaft einem Sport widmen und diesen aus Gründen ausüben, die andere Menschen nicht unbedingt immer nachvollziehen können, weil sie eben noch nicht der gewissen Faszination unterliegen.

Für viele ist das alles nur Theorie. Mit dieser Produktion hingegen bekommt diese Faszination und der Sport dahinter (oder darin) ein Gesicht und eine Geschichte. Das macht es unheimlich viel einfacher, gepaart mit vielen Interviewausschnitten, das Thema greifbar zu machen. Vielleicht sogar ein wenig nachzuempfinden, was die Sportler und Messias der Wellen fühlen, wenn sie auf der Stirn des Meeres reiten. Neben einigen deutschsprachigen Sportlern kommen auch einige internationale hier zu Wort und äußern sich über andere Personen, das Wesen des Wellenreitens und die dabei entstehenden Gefühle, welche diese Leidenschaft füttern und unterhalten.

[Technik]
Bei Streaming-Produkten ist die Bitrate auf Grund der Bandbreite des entsprechenden Anschlusses, über den das Video bezogen wird, eine andere als bei optischen Datenträgern, wie der DVD oder aber der Blu-ray Disc. High Definition gehört zwar im Streaming unlängst dazu, allerdings ist nach wie vor die pure Datenmenge in Kombination mit dem Abnehmer ein Risiko für die abgelieferte Bildqualität. „Betty Would Go“ hat einen gewissen visuellen Charme. Es ist die Mixtur der Bilder und Aufnahmen, von Action-Cam- bis professionellen Interview-Einfängen ist vieles dabei. Die Wiedergabegüte ist hochwertig, dennoch nicht jene eines Kinofilms. Sauberkeit und Bildruhe sind mit auf dem Brett…

Vielleicht ist der Ton hier eine Schwachstelle, wenn man den Titel denn unter anderen Gesichtspunkten beäugt als man das vielleicht tun sollte. Dies ist keinesfalls derart zu verstehen, als das Menschen keine Ahnung davon haben, was ein guter, oder besser adäquater Ton ist für eine Dokumentationssendung dieses Schlags. Vielmehr will ich zum Ausdruck bringen, dass „Betty Would Go“ funktioniert und abläuft ohne das man den Ton als solches wahrnimmt, also weder positiv noch negativ. Er leistet eben das, was man erwartet und macht zu keinem Zeitpunkt auf sich aufmerksam.

[Fazit]
2011 erschien das Buch „Eddie Would Go – Die Geschichte von Eddie Aikau“ von Autor Stuart Holmes Coleman über die hawaiianische Surflegende und den Pionier des Big Wave Surfing. Der Name für diese Dokumentation gewählte Titel ist nunmehr kein Zufall mehr, sondern eben genau die Kombination aus dieser Analogie und der Kurzform, dem Rufnamen von Betty. Wer sportinteressiert ist, der wird sich bestimmt hier pudelwohl fühlen. Doch am Ende ist diese Dokumentation gar mehr als die Sendung über eine Sportleidenschaft.

Die Laufzeit des als Info-Programm eingestuften Inhalts liegt bei 96 Minuten. Dieses Streaming-Produkt von polyband erscheint unter dem Label Mind & Sport und kann über die Plattformen amazon prime, Google Play, Apple iTunes oder aber auch maxdome angeschaut werden. Erschienen am 31. Juli 2020.

Andre Schnack, 03.08.2020

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆ 

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