Blade Runner: The Final Cut

Action/Drama/Science-Fiction/Thriller
Action/Drama/Science-Fiction/Thriller

[Einleitung]
Jüngst entdeckte ich einen meine Lieblinge im AppleTV Store, ehemals iTunes Store, denke ich. Die Rede ist von „Blade Runner“. Und zwar im Final Cut. Das ganze dann auch noch in vermutlich atemberaubenden 4K-Bildern. Klingt verlockend, so schlug ich zu. Der Klassier aus dem Jahr 1982 (Achtung, dass wird nun auch bald 40 Jahre her sein…) soll somit noch einmal glänzen können. Immerhin gibt es mittlerweile mit dem ebenfalls sehr gelungenen „Blade Runner 2049“ einen würdigen Nachfolger – der noch nicht einmal abschließend sein muss.

Wie dem auch sei, wir erleben Harrison Ford in einer seiner größten Rollen. Vermutlich in der größten Figur neben Indiana Jones, zumindest wenn es nach mir ginge. Er spielt Deckard, ferner sind Rutger Hauer, Sean Young, Daryl Hannah, M. Emmet Walsh sowie Edward James Olmos zu sehen. Regie, es ist bekannt, Sir Ridley Scott – dieser wird wohl 83 Jahre alt werden in 2020 – erschuf einen Film, der auf dem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von Philip K. Dick basiert. Doch nun zum Inhalt dieser Verfilmung einer beklemmenden, nah wirkenden Dystopie, in der der Mensch nicht gut davon kommt.

Inhalt
„Blade Runner“ kehrt in Form von Ridley Scotts definitivem Final Cut mit erweiterten Szenen und noch nie veröffentlichten Spezialeffekten zurück auf die Bildschirme – ein Fest fürs Auge, mit überragenden Action-Sequenzen und einem fesselnden Blick auf die Zukunft: Seit seinem Kinostart 1982 hat der Film nichts an Brisanz verloren. Ein Meilenstein in Harrison Fords Karriere ist die Rolle des Blade Runners Rick Deckard: Ford spielt ihn in diesem eleganten Film-noir-Thriller als männlichen, aber auch verletzlichen Helden. Deckard jagt flüchtige, mörderische Replikanten – und verfällt einer geheimnisvollen Frau, deren Geheimnisse seine Seele korrumpieren könnten.
(Quelle: AppleTV Store)

[Kommentar]
Es handelt sich hierbei um einen digitalen Abdruck des Kommentars meines Reviews zur HD-DVD Version des Films aus dem Jahr 2008. Am 16. Januar 2008 gab es sie noch, die High Definition-DVD, doch setzt sie sich leider nicht durch und verschwand kurze Zeit später dann auch endgültig. Wie dem auch sei, hier der Kommentar zum „The Final Cut“:

Wir möchten nicht genauer auf das eingehen, was „Blade Runner“ nun ‚ist‘ und was ihn zu einem der besten Science-Fiction-Filme macht. Auch gehen wir nicht auf die genauen Unterschiede der bisher erschienenen Fassungen und dem hier vorliegenden „Final Cut“ ein, sondern beäugen den Film aus einer objektiven Distanz als solches, was er heute ist: ein bereits seit 25 Jahren bestehendes Science-Fiction-Filmwerk, welches auch heute noch mächtig etwas zu sagen hat. Ein rassischer Film-noir der Superlative, aus heutiger Sicht. Ein stimmungsvolles Science-Fiction Endzeitdrama mit einem ungeheuerlichen Tiefgang. Aus damaliger Sicht handelte es sich um einen aufwändigen, wenngleich nicht monströsen Film, was den finanziellen und tricktechnischen Aufwand betraf. Aus heutiger Sicht kann der Film als weniger aufwändig bezeichnet werden.

Doch er ist ausgeklügelt, zumindest was die inhaltlichen Werte angeht. „Blade Runner“ im finalen Schnitt vermag die letzte inhaltlich angepasste Version zu sein, optisch ist sie nach wie vor ausgesprochen innovativ und einfallsreich, zudem komplett überarbeitet. Sie zeigt traurige und schummerig schöne Panoramen einer tristen und trostlosen Zukunft in einer urbanisierten Mega-City, in der es praktisch niemals Tag zu werden scheint; starrer Smog am oberen Ende der gigantischen Gebäudeteile inmitten großer, leerer Altbauten lässt die Stadt in einer melancholischen Atmosphäre erscheinen. Dazu gibt es Musik von Vangelis, irgendwo zwischen Blues und modernem Elektro-Music-Score anzusiedeln.

In all dem Müll dieses Zukunftsszenarios: ein tragischer Anti-Held auf der Suche nach etwas Menschlichkeit und einer Antwort auf die Frage, was es bedeutet zu leben. Es ist keine direkte Fragestellung, die es zu beantworten gilt, sondern eine komplexe Geschichte, die sich philosophierend mit dieser Thematiken auseinandersetzt. Und genau hierin liegen die Stärken von „Blade Runner“, dem man vielleicht einen sehr eigensinnigen Style vorwerfen kann, jedoch keinesfalls einen leichten Inhalt unterstellen darf. Es gibt eine ganze Vielzahl denkwürdiger Momente, ausreichend Spannung und einige sehr gut inszenierte Sets, Action-Momente und Dialoge im Programm. Die darstellerischen Leistungen, bisher unkommentiert von uns, befinden sich auf einem hohen Niveau.

It’s too bad she won’t live! But then again, who does? – Gaff

[Technik]
Das Bild wirkt hier und dort, vor allem in den weniger gut ausgeleuchteten Szenen – von denen es Unmengen gibt – etwas ausgewaschen, farblos und es fehlt ihm an Plastizität. Auch in 4K, wenn man denn einen AppleTV-Gerät und entsprechendes TV-Stück parat hält. Mir gefiel das Bild und ich freute mich erneut über ein weiteres Exemplar des Blade Runners, eben nun auch online, downloadbar und in der aktuellen Auflösung vorhanden. Das alles ist erfreulich, wenngleich der Transfer qualitativ eben altersbedingt ordentlich Federn lassen musste. Mit Sicherheit die visuell bestmögliche Fassung aktuell, neben der Blu-ray Disc mit mehr Kapazität und wahrscheinlich höhere Datenrate. 2.40:1, in 1080p und eben 4K-Technologie verfügbar nach dem Erwerb.

Den Ton erleben wir entsprechend zum Bild hochwertig in der Technik, doch auch etwas beschränkt in der Güte der Wiedergabe. Verschiedene Sprachen stehen zur Auswahl, darunter ein deutschsprachiger Mehrkanalton. Er ist gut, praktisch auf den Punkt, widmet sich auch etwas dem Hintergrund und dem Umfeld, verliert dabei aber zu keinem Zeitpunkt die Sprache aus dem Auge oder aber zeigt nennenswerte Einschränkungen in weiteren akustischen Bereichen der Wiedergabe. So richtig viel Surround ist hier auch gar nicht mit von der Partie, es macht nur manchmal den Eindruck. Auf jeden Fall gehört der einzigartige Music-Score mit seinen Elektro-Tönen zu den markanten akustischen Merkmalen des Transfers.

[Fazit]
Als ein wichtiges erzählerisches Element ist hier die Erinnerung anzusehen. Sie wird natürlich vorrangig durch das Sehen dargestellt und so auch dem Publikum nahe gebracht. Dazu ist dann handwerklich und technisch betrachtet die Leistung der eingefangenen Bilder relevant – zeitgenössisch sowie aus der Perspektive dessen, was technisch heute üblich ist. „Blade Runner“ wurde in der ersten Tagen nicht als Meilenstein oder gar Meisterstück wahrgenommen. Vielmehr als ein Experiment, welches auf der großen Leinwand zu scheitern drohte. Heute ist das anders, und der rund 118minutenlange Final Cut gilt als Meilenstein und Sir Ridley Scott wird hoch geschätzt (von den Kritikern).

Diese Version als AppleTV Download, der eben auch in 4K-Technik vorliegt, beinhaltet ebenfalls noch Extras, wie es bei den Offline-Fassungen bislang auch war, schließlich handelt es sich auch um einen diskussionswürdigen Inhalt, die Entstehung und Gedanken dahinter sehen zu können ist also noch einmal interessanter.

  • Eine Einleitung von Sir Ridley Scott
  • 3 Audiokommentare
  • Making Of „Blade Runner“ (3:34 h)
  • Zugang: Die Erschaffung (1:03 h)
  • Zugang: Die Zeitlosigkeit (41 m)
  • Zahlreiche nicht verwendete Szenen (49 m)
  • Bilder-Galerie und Trailer

Das ganze gibt es aktuell, am zweiten Februar 2020, zu preisgünstigen 3,99 Euro im AppleTV Store. Super Sache, so dass ich noch einmal zuschlug. Es ist für mich schön, die verschiedenen mit jeweils haptischen Extras ausgestatteten Edition im Regal zu haben und eben hier noch eine Fassung, die super-schnell im Zugriff ist und sogar technisch die (bereits zumeist bekannten) Materialien gut ausschauen lässt. Die Altersfreigabe liegt bei ab 16 Jahren. Nicht nur für Fans interessant. Und ja, für mich einer der besten Science-Fiction Titel mit Tiefsinn. Grandioses Stück mit einem grandiosen Rutger Hauer.

Andre Schnack, 03.02.2020

Film/Inhalt:★★★★★☆ 
Bild:★★★★★☆ 
Ton:★★★★☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★★☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆ 

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