Die Wahrheit über Franco: Spaniens vergessene Diktatur

Dokumentation/Serie
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[Einleitung]
Die Dokumentations-Reihe „Die Wahrheit über Franco: Spaniens vergessene Diktatur“ befasst sich mit dem letzten Diktatur Spaniens, Francisco Franco. Wie kein anderer spanischer Führer prägte er Land und Gesellschaft bis heute. „Die Wahrheit über Franco“ entstand unter der Regie von Isabel Andrés und Ina Kessebohm, die auch das Skript schrieben. Ich konnte mir nun diese fünfteilige Reihe im Rahmen meiner Netflix-Mitgliedschaft genauer anschauen, da ich oftmals große Freude an solchen historischen Inhalten und Themen hege.

Inhalt
Folge 1, Der Aufstieg zur Macht: Bis heute ist Spanien von der Gewaltherrschaft des Faschisten Francisco Franco, eines der brutalsten Diktatoren Europas, gezeichnet.

Folge 2, Das neue Regime: Franco ernennt sich selbst zum „Caudillo de España“ – Anführer Spaniens – und quartiert seine Familie im Palast ein.

Folge 3, Stunde Null: Am Ende des 2. Weltkrieges teilen die Alliierten die Welt neu ein – in Freunde und Freunde der Demokratie.

Folge 4, Die bleierne Zeit: Francos außenpolitische Erfolge eröffnen Mitte der 1950er-Jahre neue Perspektiven für Spanien. Francos Herrschaft ist aufs Neue legitimiert. Doch Spanien wandelt sich.

Folge 5, Die Wahrheit über Franco – Spaniens vergessene Diktatur“: Kein Staatschef in Europa hat sich so lange an der Macht gehalten wie Francisco France. Wer war dieser undurchsichtige Alleinherrscher Spaniens?
(Quelle: Netflix)

[Kommentar]
Personenkult – das ist etwas, das auf viele Menschen eine hohe Wirkung ausübt. Das ist nun keinesfalls auf die alte Geschichte beschränkt und Pharaonen oder Römischen Kaisern vorbehalten. Mussolini, Hitler und eben auch Franco sind da Namen, die neben Stalin oder Mao Zedong einfach in diese traurige Aufzählung gehören. Und diese Dokumentation führt uns vom Spanischen Bürgerkrieg in eine politische Schreckensherrschaft, die sich über vier Jahrzehnte erstreckte und unter dem Diktator grausam aufrecht erhalten wurde, der heute oft schlicht als Franco bezeichnet wird.

Was ist nun anders an dieser Dokumentationsreihe, als an anderen? Gar nicht mal so viel, aber eben der Diktator, das Land, die Leute, die Umstände – die Geschichte hat hier das Auge auf einen anderen Punkt in Europa gerichtet. Aber auch auf einen, der inmitten der Wirren des Zweiten Weltkriegs relevanten Einfluss nehmen konnte. Schlussendlich ging Franco somit als einer der am längsten machthabenden diktatorischen Führer in die Geschichte ein.

Erklärt wird uns hier der Weg zu seiner Macht über zwei Stimmen aus dem Off, eine weibliche und eine männliche begleiten das Geschehen auf dem Wiedergabegerät entsprechend und mengen historische Fakten hinzu. Wenn sie verstummen, dann setzt meist ein in Originalsprache abgefasster Interview-Ausschnitt ein und erklärt weiter. Zum gesprochenen Wort gibt es wahlweise Untertitel einzublenden. Der Aufbau und Ablauf ist interessant und unterhaltsam zugleich. Mit meines Erachtens ausreichend Objektivität wird das betrachtet, über das sogar heute noch in Spanien nicht allerorts offen gesprochen wird.

[Technik]
Wenn man Geschichte richtig gut vermitteln möchte, dann gehört eine entsprechende Inszenierung dazu, keine Frage. Wenn das Auge etwas zu sehen bekommt, fällt es dem Menschen viel leichter an etwas zu glauben. So begrüsse ich die zahllosen Aufnahmen aus Archiven oder auch Amateuraufnahmen aus so manch einem privaten Fundus. Sie sind teils noch in schwarz-weiß Bildern abgefasst, im weiteren Verlauf dann auch in Farbe. Kontrast, Sättigung, Konturenzeichnung und Detailgrad müssen bei diesen auf 16:9-geschnittenen Aufnahmen vernachlässigt werden. Aktuellere Videoschnipsel hingegen müssen sich diesen Anforderungen stellen und passieren diese auch ohne Herausforderungen.

Den Ton erleben wir wahlweise in Form einer deutschen oder spanischen Fassung, was nicht bedeutet, das diese Sprachen durchgängig gesprochen werden, sondern vielmehr den Schwerpunkt bilden. So gibt es immer dann, wenn die gewählte Sprache durch andere Bedingungen wechselt, entsprechende Untertitel eingeblendet. Optional stehen eine ganze Menge weiterer Untertitel parat. Der Ton ist zweckgebunden und vermittelt Informationen und etwas akustisches Geplänkel im Hintergrund, auf das nicht weiter eingegangen werden muss.

[Fazit]
Ich war gerne auf Mallorca Urlaub machen mit meinen Eltern als ich noch klein war. An wunderbare Momente erinnere ich mich dort zurück. Das politische System Anfang der 80er Jahre waren mit als kleiner Junge komplett egal, sie existierten nicht für mich in dieser Urlaubs-Welt dort, dazumal. „Die Wahrheit über Franco: Spaniens vergessene Diktatur“ zeigt uns ein wenig überraschendes Bild eines größenwahnsinnigen Menschenei der eben das gemacht hat, was irre Demagogen so anstellen, wenn ihnen freie Bahn gewährt wird oder sie schlichtweg machen, was sie wollen…

Italien, Spanien, Deutschland – das sind heute Länder der Europäischen Union, was Dinge wie Rechtsstaatlichkeit voraussetzt. Vor dieser heutigen Ordnung waren es Diktaturen, die unvorstellbare Dinge mit ihrer eigenen Bevölkerung anstellten, wie auch Ceaușescu in Rumänien. Es geht hier keinesfalls um das Aneinanderreihen von Francos Gräueltaten über die Jahrzehnte seiner Herrschaft hinweg, sondern um ein historisches Verständnis darüber, wie es dazu kommen konnte und eben die Hintergründe. Dabei wird keine Partei ergriffen, sondern geschildert ohne anzuprangern. Die fünfte Episode ist eine Art konzentrierte Version der vier eigenen vorherigen Episoden.

Andre Schnack, 13.03.2024

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★★☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆ 

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