La Gomera – Verpfiffen & verraten

Comedy/Crime
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[Einleitung]
„La Gomera – Verpfiffen & verraten“ lautet der 2019 abgedrehte Titel, der sich im Original „The Whistlers“ nennt. Corneliu Porumboiu führte Regie und schrieb ebenfalls das Drehbuch zu „La Gomera“, der wiederum 2019 als rumänisch-deutsch-französisch-schwedische Ko-Produktion abgedreht wurde. In den führenden Rollen sehen wir ein Cast, das sich zusammensetzt aus Vlad Ivanov, Catrinel Marlon, Rodica Lazar, Agustí Villaronga, Sabin Tambrea und weiteren hierzulande eher unbekannten Mimen. Dieser Titel erscheint im Angebot von Almode Film hierzulande als DVD-Fassung. Ich hatte die Möglichkeit den Streifen genauer anzuschauen, bevor er Ende Mai veröffentlicht wird.

Inhalt
Der Polizist Cristi (Vlad Ivanov) lässt sich mit der Mafia ein und fliegt auf. Nun folgen ihm verdeckte Ermittler auf Schritt und Tritt und hören seine Wohnung ab. Daher gibt sich die schöne Gilda (Catrinel Marlon) als seine Geliebte aus und drängt ihn zu einer Reise nach La Gomera. Cristi soll die geheime Pfeifsprache der Inselbewohner lernen, damit er trotz Überwachung mit der Gaunerbande kommunizieren kann.

Pfeifend versuchen sie den Matratzenfabrikanten Zsolt (Sabin Tambrea) aus dem Gefängnis zu befreien, denn der ist der einzige, der weiß, wo die 30 Millionen des letzten Coups versteckt sind. Doch alle Beteiligten spielen ein doppeltes Spiel und bald geraten die Ereignisse außer Kontrolle.
(Quelle: Alamode Film)

[Kommentar]
„La Gomera“ is visuell durchaus frisch und ansprechend gestaltet. Einige wohlplatzierte Schnitte, dazu ausreichend Spannung, wenngleich praktisch kaum Tempo oder Action zutage kommen. Die Darsteller waren zumindest mir allesamt komplett unbekannt. Doch der Originaltitel, den empfand ich als viel stärker, als die lokalisierte Version, die hierzulande eben auf „La Gomera“ fiel. „The Whistlers“ passte inhaltlich besser, so meine Meinung. Aber immerhin besteht der Bezug zwischen der Pfeifsprache und der Insel La Gomera, wo eben diese Sprache noch beherzt genutzt wird. Diese Pfeifsprache zieht sich wie eine Art roter Faden durch die Geschichte.

Der gesamte inhaltliche Komplex über die Figuren und ihre illegalen Machenschaften gefiel mir ebenfalls gut und erinnerte mich an den großartigen „Sexy Beast“ mit Sir Ben Kingsley und Ray Winstone sowie Ian McShane. Ein vergleichbares Niveau hingegen erreicht dieser Film hier leider nicht ganz. Mir fehlte dazu etwas Charme und zwischenmenschlicher Kitt bei den Figuren und ihren Darstellern. „La Gomera“ ist jedoch überraschend komplex und versteckt dies zu Beginn hinter seiner einfach und doch unverständlich wirkenden Erzählweise. Wir scheinen irgendwo zu beginnen und es scheint sich auch irgendwo hin zu entwickeln. Der Zusammenhang bleibt noch weitgehend unklar und kommt erst nach und nach zum Vorschein.

Schlussendlich löst sich das meiste jedoch auf und doch bleibt ein leichter Geschmack der Unsicherheit, da hier ja praktisch jeder jeden irgendwann irgendwie verrät. Interessant und etwas eigensinnig empfand ich auch die musikalische Begleitung, denn sie erfolgt maßgeblich in Form von klassischen Opernstücken. Das passt auch zum extrem trockenen Humor, wenn er denn mal spürbar durchkommt. Der Betrachter wird praktisch in allen Belangen des Films stets etwas im Dunkeln gelassen. Das macht jedoch hier auch gewissermaßen den Reiz aus.

[Technik]
Die kanarischen Inseln, hier eben La Gomera, wurden auch tatsächlich zum Filmen des Films besucht. So auch Bukarest. Und ich kann nur bestätigen, dass dem Film und seinem Charme dies alles gut tut und mit Sicherheit auch die Glaubhaftigkeit bei der Ansicht schürt, ohne dass es dabei aktiv zur Geltung kommt. Alles wirkt eben ziemlich passend und die technische Darbietung tut auch genau das, was sie soll: sie unterstützt den gezeigten Inhalt, und das in einer rundum gelungenen Darbietungsgüte. Mir lag lediglich der Screener als Stream-Variante zur Ansicht vor, dennoch ist das Bild ausreichend scharf, die Kontraste farbenfroh und die Ausspielung sauber und auch in den schattigen Momenten ausreichend detailreich.

Neben dem gelungenen Bild mit einer sauberen Kompression stellt sich ein Ton, der sich recht einseitig, oder besser, etwas eingeschränkt gibt. Immer dann, wenn die musikalischen Akzente gesetzt werden, hinterlassen diese auch Eindruck. Denn sie wirken etwas voluminöser, praktisch aus dem Off und somit auch etwas räumlicher. Hintergrundgeräusche und Töne aus der unmittelbaren Umgebung verkommen eher zu einem notwendigen Beiwerk, ohne dabei sonderlich zu glänzen. Doch die Dialoge, die ruhigen Momente und all das, was nicht ausgesprochen ist, hinterlässt einen sehr soliden und ordentlichen Eindruck. Neben dem anamorphen Breitbild im Format 1.77:1 gibt es im Endprodukt Dolby Digital 5.1-Sound in Deutsch sowie Rumänisch, Englisch und Spanisch. Untertitel: Deutsch.

[Fazit]
„La Gomera“ war für mich eine sehr positive Überraschung und erinnerte mich sehr schön an meinen Faible für Genre-Kino. Denn das ist der eigensinnige Titel definitiv, ohne dabei den Mainstream und somit auch eine breite Masse im Publikum auszuschließen. Die Laufzeit von rund 94 Minuten findet Platz auf einer Standard Definition-DVD, die mit einer Altersfreigabe von ab 16 ins Rennen startet. Erscheinen wird der Titel am 29. Mai 2020 mit den folgenden Ausstattungsmerkmalen im Gepäck: ein Wendecover, Trailer sowie ein Interview mit dem Regisseur stellen die Extras. Wer sich gerne Neo-Noir Titel gibt und auch auf eine Spur „besonders“ bei einem Film steht, der ist hier genau richtig. Mir gefiel „La Gomera“ pfeifend gut.

Andre Schnack, 25.05.2020

Film/Inhalt:★★★☆☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆ 

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