Time

Crime/Drama/Serie
Crime/Drama/Serie

[Einleitung]
Sprüche, Weisheiten und Quatsch in Bezug auf die Zeit (als solche) gibt es zu genüge. Ein moderner Philosoph stellte fest, dass einer der größten Irrtümer der Menschen sei, dass sie Zeit hätten. Und mein Schornsteinfeger meinte jüngst zu mir, dass es doch schön wäre, wenn alles so gut laufen würde wie die Zeit. „Time“ aus dem polyband Angebot unter dem Label der BBC Produktionen, nimmt dieses Thema nicht nur im Titel auf. Die TV-Serie über einen inhaftierten Lehrer und seine Erfahrungen beim „Zeit im Gefängnis absitzen“ entstand 2021 mit Sean Bean sowie Stephen Graham in den führenden Rollen und ich konnte den Vierteiler nun auf DVD anschauen.

Inhalt
Der ehemalige Lehrer Mark Cobden hat den Tod eines Unschuldigen zu verantworten. Gequält von Alpträumen über seine Tat, tritt er reuevoll seine 4-jährige Haftstrafe an. Eric McNally ist ein ergebener Gefängniswärter, der alles tut, um seine Insassen zu beschützen. Aber als ein gefährlicher Sträfling droht, jemandem aus Erics engstem Umfeld etwas anzutun, steht er vor einer unmöglichen Entscheidung.

Time erzählt unerschrocken aber letztlich doch hoffnungsvoll eine tragische Geschichte über Strafe und Buße.

Die Episoden:
1. Zwischen den Fronten
2. Hass ist das Gesetz
3. Täter und Opfer
4. Am Ende des Weges
(Quelle: polyband)

[Kommentar]
Gedanken an großartige Gefängnisdramen wie „Die Verurteilten“ oder aber „Die letzte Festung“ sowie natürlich „Im Namen des Vaters“ kamen hoch, als ich den Text über „Time“ von der BBC las. Eine TV-Serie mit einem Darsteller, den ich sehr gerne sehe: Sean Bean. Ein Thema, dass dramatisch und tragisch zugleich ist und mit tollen darstellerischen Leistungen aufwarten kann. Dem wollte ich nachgehen und verlor mich bereits innerhalb der erste Episode in der Welt von „Time“. Diese Welt ist keine schöne, denn sie folgt der Logik im Gefängnis, abgeschnitten von der Außenwelt in immerzu gleichen Innenräumen.

Dies kann beklemmend wirken und ohnehin ist festzuhalten, dass die Macher hier eine besondere Atmosphäre erschufen, die uns ansatzweise nachfühlen lässt, wie sich Hauptfigur Mark Cobden wohl fühlen mag. Doch reine Zeit absitzen ist nicht, denn auch im Knast herrscht kein stressfreies oder geruhsames Sein, ganz und gar nicht. So legt die TV-Miniserie viel Wert auf die Beziehung der Figuren untereinander, allen voran jenen des einsitzenden Mark und dem Wächter Eric – ebenfalls ganz hervorragend gespielt von Stephen Graham. Neben den Erlebnissen im Bau geht es hier jedoch auch darum, wie ein Mensch mit etwas fertig wird und es überwindet, sich selbst verzeiht und sein Leben wieder in den Griff bekommt. Hoffnung – eine der großen Überschriften hier.

[Technik]
Hochwertig angelegt und allem Anschein nach mit ausreichend Mitteln produziert, so war der erste Eindruck von „Time“ auf mich. Klar, Zugpferde sind die beiden Hauptfiguren hier, ihre realen Alter-Egos – Sean Bean und Stephen Graham – leisten vom ersten Moment bis zum Abspann der vierten und letzten Episoden ausgezeichnete Arbeit. So schaut es praktisch auch beim visuellen Geschehen aus. Die oftmals künstlich ausgeleuchteten Sets haben eine leicht fahle Farbgebung, richtig fröhliche, bunte Farben bekommen wir eigentlich kaum zu Gesicht. Von der Konturenzeichnung und dem Detailgrad kann man zwar nicht schwärmen, dennoch befinden sich alle Werte auf einem adäquaten Niveau und werden fehlerfrei ausgespielt.

Neben dem 16:9-Geschehen in anamorpher Codierung im Ratio 1.78:1 gibt es auch einen Dolby Digital 2.0 Ton in wahlweise Deutsch oder dem englischen Originalton im Programm. Untertitel können wahlweise in englischen Lettern eingeblendet werden. Auf beiden Seiten der Gitter klingt es gut und fehlerfrei, Rauschen oder andere Stressfaktoren gibt es nicht. Stets verständlich und auch deutlich in der Ausspielung entzückt die Sprachausgabe, ansonsten gibt es noch ein wenig Hintergrundgeräusche und natürlich eine die Tragik der Geschichte untermalende Musik.

Sean Bean gefiel mir schon immer ziemlich gut. In „Ronin“ von John Frankenheimer aus 1998 empfand ich ihn als gut, in „Game of Thrones“ hingegen eben noch viel besser. Hier spielt er eine tragische Figur, die vor allem mit sich und dann mit dem Umfeld im Gefängnis kämpft. Auch das weitere Cast überzeugt und wir treffen einige unangenehme Menschen hier hinter den Gefängnismauern. Diese Atmosphäre des Knast-Betriebs und der Parallelwelt ‚da draussen‘ wirkt stimmungsvoll, intensiv und natürlich beklemmend auf das Publikum. Schlussendlich geht es aber eigentlich ‚nur‘ darum, wie man mit seiner Schuld sich selbst gegenüber fertig wird – gute TV-Serie!

[Fazit]
„Time“ hat einen simplen Titel und keinen simplen Inhalt. Die Themen Buße, Schuld, Sühne und Hoffnung begleiten die Menschheit seit eh und je. Hier gelang ein Vierteiler, der sich mit dem Thema Schuld und Buße befasst, dabei aber auch den harten Alltag eines Gefängnisses schildert. Auf viermal 45 Minuten entführt uns das Macher-Team hinter der Kamera in eine unschöne Welt, dennoch mit einer Spur Hoffnung und dem, was man das Licht am Ende des Tunnels nennt. Das Amaray-Case enthält eine einseitige und mit zwei Schichten ausgestattete DVD (Typ 9) und die drei Stunden Material fühlen sich wohl auf der Disc. Veröffentlicht am 24. Juni zu einem Preis von rund 16,- Euro. Gut anzusehen.

Andre Schnack, 18.07.2022

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★★☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆ 

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