Jeffrey Epstein: Stinkreich

Dokumentation/Serie
Dokumentation/Serie

[Einleitung]
„Jeffrey Epstein: Stinkreich“ ist nicht nur eine Dokumentation, sondern gleich eine ganze Mini-Serie aus dem Netflix Programm. Das Thema ist der Titel und der Titel ist Programm. Es geht um den ehemaligen Investmentbanker und Finanzier Jeffrey Epstein und sein verkorkstes Werk, das er vielleicht einmal luxuriöses Leben nannte, oder was auch immer. Netflix ist kein Stoff zu dumm, kein Inhalt zu kritisch, um daraus etwas zu produzieren, was die Kundschaft unterhält und neue User lockt. In Ermangelung an potentiellen Alternativen schaute ich mir diese TV-Serie aus dem Netflix-Programm genauer an und berichte aus der ersten Hand.

Inhalt
Diese Dokuserie erörtert anhand von Berichten von Opfern die Frage, wie Jeffrey Epstein seinen Missbrauch mithilfe von Geld und Einfluss so lange geheim halten konnte.
(Quelle: Netflix)

[Kommentar]
Diese TV-Serie ist genau eine solche Produktion, der ich mit tiefer Skepsis gegenübertrete. Warum ist einfach zu erklären, denn für mich stellen insbesondere Netflix Originals aus dem Genre der Dokumentationen vor allem eines dar: Sensationslust und vermeintlich einseitigen Darstellung, um möglichst auffällig zu sein, um herauszustechen und als Magnet für neue Kunden eingesetzt zu werden. „Jeffrey Epstein: Stinkreich“ interessiert mich allerdings vom Thema. Denn meine Meinung, gebildet aus meinem persönlichen und bisher überschaubaren Wissensfundus, ist jene, dass dieser Fall ein Komplettversagen des US-Justizsystems darstellt. Macht und Geld – das sind eben nun einmal die fundamentalen Werte des US-amerikanischen Digitalkapitalismus’. Dabei sind es nicht einmal Werte.

Am Ende schaffen solche Sendungen eines immer, wenngleich es in den seltensten Fällen überhaupt beabsichtigt war. Sie geben einem Verbrecher, selbst nach dem Tod, eine gewisse Aufmerksamkeit und Bühne, die unverdient ist. Zumindest zeigt dieser Fall, wie mies die Mechanismen des amerikanischen Justiz-Systems arbeiten können und was Geld und Macht eben in solchen Systemen bedeuten. Einzig gut an diesem Werk hier ist, dass es gewissermaßen wie eine Warnung funktionieren kann und ebenfalls weitere Opfer und Verstrickungen bislang verdeckter Hinterfrauen und Männer offenlegen kann. Denn die im Dunkeln sieht man nicht und es gilt die Bösen zur Schau zur stellen, zu bestrafen und sie dann zu vergessen.

Denkt man auch nur ein bisschen darüber nach und schaut zu, was heute in den USA los ist rund um Corona- die anstehende Wahl im November und die Entwicklung aussenpolitisch, so wird einem bange… Zurück zum hier. „Jeffrey Epstein: Stinkreich“ ist abgefasst in vier Sendungen, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten auseinandersetzen. Aufbau und Ablauf sind gut gelungen und erzählen kurzweilig hässliche Aspekte eines Verbrecherrings und seinen vermeintlichen Kopf, einen pädophilen, kranken reichen Amerikaner. Am Ende kommen sie alle zu Fall. Wie Epstein, der schlussendlich tot im Gefängnis in seiner Zelle vorgefunden wurde. Fremdeinwirkung? Viele Fragen bleiben eben offen…

[Technik]
In die Bewertung fließt natürlich auch der Faktor ein, dass wir es hier mit einer Dokumentation zu tun haben, die sich vieler Archiv-Materialien bedient. So variieren die Formate der gezeigten Aufnahmen ursprünglich und wurden hier entsprechend zurechtgestutzt. Qualitativ ist das ganze Programm entsprechend durchzogen von denen Auswirkungen der Güte der Aufnahmen. Bedeutet im Klartext, das wir es mit wirklich guten, ruhigen Bildern zu tun bekommen aber eben auch mit jenen Schnappschüssen, die unter eher widrigen Verhältnissen entstanden. Alles hier schaut derart aus, als das wir es als angenehmen 16:9-Transfer bezeichnen können. Kompressionsartefakte oder Störungen treten nicht im spürbaren Bereich auf.

Ton gibt es hier maßgeblich im englischen Originalton, wahlweise aber auch mit deutschem Overlay oder aber in drei weiteren Tonspuren. Untertitel sind ebenfalls vorhanden, und zwar in 5 unterschiedlichen Sprachen. „Jeffrey Epstein: Stinkreich“ ist mehr Sachsendung als Film, was man dem Ton entsprechend anmerkt. Frontal, zentriert auf die Lautsprecherfront bezogen – das sagt viel aus und spricht wenig für Vielfältigkeit sowie Weite, was mich nicht überrascht.

[Fazit]
Das, was diese TV-Serie, oder besser Netflix-Produktion wirklich auszeichnet ist die Eigenschaft die richtigen Fragen aufzuwerfen. Fragen, die wichtig sind für die Aufklärung dieses und für die Prävention weiterer solcher Fälle. Ist dies nun gute Unterhaltung oder nicht? Mag jedermann für sich selbst beantworten, denn eines ist klar, die Welt wäre eine bessere ohne solche Menschen. „Jeffrey Epstein: Stinkreich“ läuft 224 Minuten, was rund 3,7 Stunden in Dezimalangabe entspricht. Die Altersfreigabe liegt bei ab 16 Jahren und der Titel kann im aktuellen Netflix Programm abgerufen werden.

Andre Schnack, 29.07.2020

Film/Inhalt:★★★☆☆☆ 
Bild:★★★★☆☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★☆☆☆ 

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