Wild Men

Comedy
Comedy

[Einleitung]
Titel wie „Pusher“ zeigten uns, dass Dänemark auch Ganster-Thriller kann. „In China essen sie Hunde“ hingegen kombinierte bereits tiefschwarzen Humor mit dem Crime-Genre. Und jüngst mit „Helden der Wahrscheinlichkeit“ gipfelte dies in einem fantastischen Humor-Gewalt-Exzess, den niemand so leicht nachahmt. Nun sehe ich hier „Wild Men“, ebenfalls aus Dänemark, und bereits das Cover empfinde ich als extrem komisch. Regisseur Thomas Daneskov schrieb gemeinsam mit Morten Pape das Drehbuch und vor der Kamera fanden sich folgende Darstellerinnen und Darsteller ein: Rasmus Bjerg, Zaki Youssef, Marco Ilso, Sofie Grabol und weitere. Ich konnte mir die High Definition Blu-ray Disc aus dem Angebot von Koch Films genauer ansehen und unternahm eine Reise in die Wildnis…

Inhalt
Job, Frau, Kinder – Martin hat die Schnauze voll. Also zieht er sich Fellklamotten an, geht mit Pfeil und Bogen in die Berge und erprobt das Leben als steinzeitlicher Jäger und Sammler. Das klappt so lang, bis er vor Hunger eine Tankstelle überfällt. Danach flieht er vor den Cops, vor wildgewordenen Drogenschmugglern, seiner Göttergattin und nicht zuletzt vor ein paar Einsichten über sich selbst…
(Quelle: Koch Films)

[Kommentar]
Die erste Viertelstunde geschieht nicht sonderlich viel und doch trägt die Neugierde auf was da kommt und die Hauptfigur mit ihrer darstellerischen Leistung erst einmal den Film, wenngleich inhaltlich noch vieles total unklar ist. Nachdem der Wahl- Eremit und Haschisch-Händler aufeinander trafen geht es dann aber los und die Geschichte kommt zunehmend ins Rollen. Es stoßen Figuren hinzu, die Handlung verdichtet sich und zum guten Schluss gibt es dann auch noch einen satten und durchaus mehr als solide und ordentlich inszenierten Showdown zu sehen.

Wunderschöne Aufnahmen der (unberührten) Natur Skandinaviens bekommen wir hier vor die Augen. Die Innenaufnahmen und immer dann, wenn Nahaufnahmen der Figuren eingespielt werden, scheint die Kamera leicht zu wackeln und bringt etwas gewollte Unruhe ins Geschehen. Abstrus lustige, ebenso trockene Witze im Dialog, wie zum Beispiel der Moment, als die Polizei einen verunfallten Wagen in der Landschaft inspiziert und der Ranghöchste nach dem Spürhund fragt und der Kollege antwortet, dass er nicht weiß, ob dieser heute arbeiten würde. Obskur und lustig. Alle Figuren sind unfassbar kantig und eigensinnig.

Die Machart, die kühle, mit der plötzlich die Gewalt einkehrt und einen Dialog eines sich aufwiegelnd diskutierenden Ehepaares unterbricht – das ist schon wirklich gut gemacht. Und irgendwie alles recht ruhig, ohne Hektik und doch mit ordentlichem Biss inszeniert. In der Tat, wie auch in den Pressematerialien abgedruckt: ein herrlicher Buddy-Movie und zugleich ein tolles Werk über die Selbstfindung.

[Technik]
„Wild Men“ glänzt in breitwandigen 2.39:1-Aufnahmen, transportiert mittels eines 1080p-Datenstroms. Alle Aufnahmen – vor allem die wunderbaren Landschaften – beeindrucken nicht nur durch tolle Panoramen, sondern auch eine würdige Wiedergabegüte. Ob gutes oder nicht so gutes Wetter, hell oder dunkel, eigentlich gibt es im großen und ganzen absolut nichts an die hier gebotenen Bilden auszusetzen. Sie hinterlassen einen authentischen und sehr glaubhaften Eindruck, ohne viel Geschnörkel oder Nebeneffekte. Die Kompression ist ruhig, sauber und gibt keinen Anlass zur Kritik.

„Wild Men“ spielt eben auch die meiste Zeit in der Natur, manchmal auch in der Wildnis, wie es scheint. Zivilisation kommt hier nur in Form einer heruntergekommen wirkenden Polizeistation und einer Tankstelle vor. Und ein paar Autos gibt es, ansonsten nur Natur. Und diese hört sich auch gut an, denn neben den Geräuschen eines Waldes und reißenden Flusses sind es auch später ein paar Schüsse aus den Schießeisen, die qualitativ anderen Werken in nichts nachstehen. Rauschen oder Störungen seitens der beiden DTS-HD Master Audio 5.1-Tonspuren in Deutsch und Dänisch gibt es nicht. Untertitel, optional Deutsch.

[Fazit]
„Wild Men“ ist ein toller Film, wenn man mit Ruhe, skurrilen Charakteren und einer abgefahrenen Story klarkommt. Ein fein ausgearbeiteter Humor, der erfolgreich transportiert und durch die guten darstellerischen Leistungen noch unterstützt wird ist der Motor unter der Haube dieses Stücks. Mit rund 104 Minuten und einer Altersfreigabe von ab 16 Jahren richtet sich der Titel an ein breit gefächertes Publikum. Bei den Extras schwächelt die einseitige und mit zwei Schichten ausgestattete Blu-ray Disc, denn es gibt nur Trailer. Mit der Veröffentlichung am 23. Juni zieht der Titel zu einem Preis von rund 16,- Euro in den Handel auf der Suche nach seinem Publikum! Ich hatte meinen Spaß.

Andre Schnack, 15.06.2022

Film/Inhalt:★★★★☆☆ 
Bild:★★★★★☆ 
Ton:★★★☆☆☆ 
Extras/Ausstattung:★☆☆☆☆☆ 
Preis-Leistung★★★★☆☆ 

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