Immer Ärger mit Harry

Mystery/Comedy
Mystery/Comedy

[Einleitung]
Als Bestandteil der Alfred Hitchcock-Box kommt ebenfalls der Titel „Immer Ärger mit Harry“ von 1955 mit. In diesem widmete sich Altmeister Hitchcock nicht primär dem Thriller-Genre, sondern unternahm einen Ausflug in den Bereich Comedy. Der Film entstand nach einem Roman von Jack Trevor Story. Das Drehbuch schrieb hingegen John Michael Hayes. In den Hauptrollen sind Edmund Gwenn, John Forsythe, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Jerry Mathers, Royal Dano und Shirley MacLaine zu sehen. Wir konnten uns die DVD als einzelne Disc genauer ansehen und bildeten uns ein Urteil.

[Inhalt]
Der Ärger mit Harry ist der, dass er tot ist. Er liegt seelenruhig im Grün einer vermeintlich friedlichen und idyllischen Herbstlandschaft – die Todesursache scheint ein Loch im Kopf zu sein. Dieses resultiert wohl aus einer abgefeuerten Schusswaffe, Fremdeinwirkung ist somit praktisch nicht mehr auszuschließen. Im amerikanischen Örtchen gleich nebenan bringt der Leichnam gleich einige Leute in Bedrängnis, denn Harry hat sich offenbar für sein Ableben einen gut besuchten Trampelpfad ausgesucht, auf dem zahlreiche Mimen durch die Walachei wandern und so auf die Leiche stoßen. Schon bald geht es im Dorf herum: Harry ist tot, niemand weiß warum und was in den letzten Minuten seines Lebens geschah. Einig sind sie sich allerdings alle: Harry muss begraben werden und es muss Gras über die Sache wachsen.

[Kommentar]
Wer denkt, dass Mr. Hitchcock nur der Meister der Thriller und des Horrors wäre, der hat falsch gedacht. Denn Mr. Obermeister des Suspense hatte es ebenfalls faustdick hinter den Ohren, wenn es um Comedy ging. Und da er gebürtiger Engländer war, handelt es sich selbstverständlich um tiefschwarzen Humor in „Immer Ärger mit Harry“. Sein Farbfilm von 1956 (hier im Kino) spielt mit dem Schuld-Gedanken und mit dem Desinteresse der Menschen, die eventuell an einer Tat wie dieser beteiligt sein könnten. Es wird dem Betrachter aufgezeigt, das eine Leiche nur ein Bestandteil eines komplexen Netzwerks aus Beziehungen zwischen Menschen darstellt und wie sich kleine Puzzlestücke bei den forschenden Bewohnern des Dorfs nach und nach ergeben und zusammensetzen.

Die darstellerischen Leistungen sind allesamt gut. Jede Figur wurde plastisch ausgearbeitet und zeigt durch die groben Kanten deutliche Unterschiede zu den weiteren Beteiligten. Eines haben sie alle gemeinsam: keine tiefe emotionale Bindung zum Toten. So wird in Dialog und Gestik ziemlich locker und kühl mit dem Verstorbenen umgegangen und sein Tod einfach hingenommen. Pech eben.

Hitchcock baute seinen Film spannend auf, trotz das Harry von Beginn an nur tot in der Gegend herumliegt. Es geht um den „Flurfunk“ und um das entgegengebrachte Vertrauen der Leute untereinander. Hier und dort gibt es immer wieder humorvolle Situationen, die meistens durch die bissigen Dialoge an Qualität und Wirkung gewinnen. Die Sets und Masken stellen nichts außergewöhnliches dar, bilden allerdings gut den damaligen Zeitgeist ab. Musik kommt hin und wieder ein wenig zum Einsatz, überwiegend regiert jedoch die Stille und wenige Geräusche aus der Umgebung. Hitchcock wendete in diesem Film viele Schnitte an, machte sich jedoch auch einen Spaß daraus, einige gekonnt eingefangene Kameraschüsse festzuhalten.

Thematisch wurde der Film z.B. mit dem Titel „Immer Ärger mit Bernie“ von Regisseur Ted Kotcheff 1989 wieder aufgegriffen, jedoch weitaus überzogener, da man das Geschehen in eine urbanisierte Umgebung mit schießwütigen Mafiosi und etwas tollpatschigen Menschen verlagerte.

[Technik]
Der Transfer hat den typischen Charme eines Farbfilms der 50er Jahre. Erwartungsgemäß erhalten wir die Geschichte im 4:3-Vollbildtransfer vor die Augen. Das 1.33:1-Bild erweist sich als gutes Medium für die Darstellung der oftmals sehr gezielt eingesetzten Kameraaufnahmen. Naturelle Themen, wie die herbstlichen Umgebungen des besagten Waldstückes oder Aufnahmen vom kleinen Ort in der Umgebung, werden plastisch, farbenfroh und detailliert präsentiert. Sogar die Kantenschärfe hinterlässt dabei einen überraschend guten Eindruck. Auch die Kompression kann sich sehen lassen.

Ton ist untergeordnet zu betrachten. Nicht um das Ergebnis hier zu schönen, sondern um einen fairen Vergleich zu schaffen. Die akustische Basis wird – wie sollte es anders sein bei diesem hohen Alter – durch monauralen Sound geboten, und zwar in den Sprachen Englisch und Deutsch. Optional können Untertitel aus einer Auswahl von insgesamt 7 Spuren zum Ton hinzugeschaltet werden. Die Qualität gibt sich praxisgerecht. Es werden verständliche Dialoge geboten und hier und dort etwas Musik aus der Ferne. Verständlichkeit ist gegeben, altersbedingte Artefakte ebenfalls.

[Fazit]
Nicht nur als Bestandteil der Alfred Hitchcock-Box eine absolute Empfehlung wert. Der Thriller mit starken Comedy-Ambitionen verläuft rasche 110 Minuten und wurde auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) untergebracht. Die Menüs sind uniform zu den anderen Titeln der Box, wie es auch auf den einzeln ausgekoppelten Titeln der Fall ist. Die Altersfreigabe erfolgte ab 12 Jahren. Das Menü wurde sehr einfach gehalten und nach Einlegen der DVD erscheint als erstes eine Sprachabfrage. Es werden folgende Bonusmaterialien auf der Disc vorgefunden:

  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Der Ärger mit Harry geht weiter (Making Of, 32 min.)
  • Genaue Betrachtung der Saboteure (Making Of, 35 min.)
  • Storyboard
  • Skizzen von Alfred Hitchcock
  • Bildergalerie

Die Materialien bieten weiteren Einblick in die Entstehungsprozesse des Films und zahlreiche zusätzliche Hintergrundinformationen. Ob mit oder ohne die Bonusmaterialien wird ein gelungener Streich von Altmeister Hitchcock geboten. Die Disc ist ihr Geld wert.

Andre Schnack, 17.06.2004

  Film/Inhalt
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  Bild
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  Ton
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  Extras/Ausstattung
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  Preis-Leistung
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